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Gestern letzte Signal- und Gleisanlagen demontiert / Jetzt fährt nur noch die Draisine

Jetzt ist der Zug endgültig abgefahren: Bahnlinie ab Rinteln-Süd stillgelegt

Rinteln (wm). Ab heute gibt es keine Bahnverbindung mehr zwischen dem Industriegebiet Rinteln Süd und dem Bahnhof Bösingfeld. Gestern sind die letzten Signal- und Gleisanlagen demontiert worden - um 14 Uhr machte sich der letzte Zug von Rinteln-Süd nach Krankenhagen auf. In Zukunft fährt hier nur noch die Draisine.

Lokführer Stefan Bothur im Führerhaus des letzten Zuges, der von

Letztmals im Jahre 2001 verkehrten hier Güterzüge der Verkehrsbetriebe Extertal zum Getreidelager. Der Transport von Stahlplatten zum Brennbetrieb SBS auf der Schiene ist bereits im Jahr 2000 eingestellt worden. Seit 2002 wird die Strecke für den Tourismus genutzt: Zwischen dem Bahnhof Rinteln-Süd in Exten und Alverdissen fahren die Fahrraddraisinen. Und noch bis zum Jahr 2004 waren an einigen wenigen Tagen statt der Draisinen auch die Museumszüge vom Freundeskreis der Extertalbahn hier unterwegs. Danach, schildert Jochen Brunsiek von der Landeseisenbahn Lippe (LEL) und Pressesprecher der Museumseisenbahnen, hätten sich Draisinenbetreiber und Eisenbahnfreunde auf eine andere Arbeitsteilung verständigt: "Der mehrfache Diebstahl kupferner Fahrleitungen brachte die Museumszugfahrten mit der historischen Elektrolok zum Erliegen, so dass zwischen Rinteln-Süd und Bösingfeld der Bahnbetrieb auch faktisch eingestellt worden ist." Erst ab Bösingfeld fahren jetzt die Züge im Wechsel mit der Draisine, und zusätzlich mit einem kombinierten Angebot: Draisinenfahrer können an den Betriebstagen der Museumsbahn im Bahnhof Bösingfeld in den Zug umsteigen. Ohne Museumsbahn und ohne Aussicht auf neue Güterkunden mit Massenpotenzial im Industriegebiet Rinteln Süd sei der Unterhalt der Gleise für die LEL vollends unwirtschaftlich geworden, erläutert Brunsiek. Die zerstörte Fahrleitung sei nicht wieder aufgebaut, die letzten Meter der Leitung im Jahre 2006 demontiert worden. Mit Zustimmung derStadt wurde daher 2007 das offizielle Stilllegungsverfahren für die Bahnlinie eingeleitet, die fortan auch rechtlich nur noch als Draisinenbahn gelten wird. Im Sommer 2007 wurde das Industriestammgleis stillgelegt und teilweiseüberbaut, seit Oktober 2007 dann der Güterbahnhof Rinteln-Süd demontiert und größtenteils verschrottet. Die Eisenbahnfreunde retteten für ihre Museumsbahn, die jetzt von Bösingfeld aus nur noch in südwestlicher Richtung nach Alverdissen - Barntrup - Dörentrup führt, mehrere Weichen, Gleismaterial und Fahrleitungsmasten - und das in rein ehrenamtlicher Arbeit. Dafür, betonte Brunsiek, hätten sogar einige Mitglieder extra Urlaub genommen, um die Eisenbahntechnik abzubauen. Gestern verkehrte der letzte Eisenbahnzug nach Rinteln-Süd. Der Arbeitstriebwagen fuhr ein allerletztes Mal nach Rinteln-Süd, um die letzten Masten zu verladen und bei dieser Gelegenheit Signalanlagen und Bahnübergangstechnik entlang der Strecke zu demontieren. Einige Eisenbahnfreunde haben sich diesen historischen Moment nicht entgehen lassen und waren persönlich dabei: So Michael Ortenstein, als Werkstattschlosser seit 14 Jahren hauptberuflich bei den Verkehrsbetrieben Extertal tätig und genauso lange für Wartung und Unterhalt der Strecke zuständig. Und Stefan Bothur, im Hauptberuf Musiker aus Bad Münder und Triebfahrzeugführer bei der Museumseisenbahn - er kennt die Strecke noch als Zugführer und Dampflokheizer. Fritz Schneider, pensionierter Eisenbahner aus Lemgo, war gestern ebenso als "Eisenbahner aus Leidenschaft" dabei wie Walter Bohne und Gisbert Herrmann, der den Abbau der Gleisanlagen koordinierte.



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