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Landsommer-Gästeführung nimmt Kurs auf einen Stadtteil, der viel älter ist als Bückeburg / Markante Kirche

Jetenburg - bis vor 80 Jahren noch selbstständiges Dorf

Bückeburg (jp). "Jetenburg - ein Kleinod in Bückeburg" lautete das Motto einer Stadtführung im Rahmen des Landsommers 2008. Zahlreiche Gästeführungen bietet dieses von den Landkreisen Schaumburg, Hameln-Pyrmont und Holzminden ins Leben gerufene Projekt während der Frühjahrs- und Sommermonate. Trotz des nicht sonderlich sommerlichen Wetters konnte Marie Luise Fürstenau, Fremdenführerin des Landkreises Schaumburg, zahlreiche Interessierte zu der Führung begrüßen.

Jetenburg, dieser Name dürfte den meisten ein Begriff durch die Jetenburger Kirche, die Jetenburger Straße oder auch den Jetenburger Hof sein. Aber dass sich dahinter ein einst eigenständiges und sehr altes Dorf verbirgt, dürfte bei vielen Bückeburgern längst nicht mehr im Bewusstsein verhaftet sein. Dabei existierte das Dorf bereits als Siedlung, als Adolf VI. Graf von Schauenburg und Holstein-Pinneberg um das Jahr 1300 eine Wasserburg errichten ließ, aus der sich das spätere Bückeburg entwickelte. Am 1. April 1928 wurde Jetenburg nach Bückeburg eingemeindet. Heute erinnern vor allem noch die markante Kirche und der sie umgebende Friedhof an das Dorf. Gestartet wurde die Gästeführung an der Tourist-Info am Marktplatz. Der liegt nun in Jetenburg, doch auch hier finden sich Bezüge. Nur wenige Meter vom Marktplatz entfernt erhebt sich an der Bahnhofstraße das Wohnhaus von Louise Clara Johanna von Lehzen. Die hannoversche Pastorentochter war in jungen Jahren die Erzieherin der britischen Prinzessin und späteren Queen Victoria, was ihr sogar den Adelsrang einer Baronin einbrachte. Zeitweilig übte Louise von Lehzen auf die Queen einen größeren Einfluss aus als die eigene Mutter. Das änderte sich erst mit Victorias Heirat mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, woraufhin sie nach Deutschland zurückkehrte und von 1842 bis 1870 in Bückeburg lebte. Ihr Grab auf dem Jetenburger Friedhof wird noch heute in britischem Auftrag gepflegt. Und auch die Bahnhofstraße selbst steht in Beziehung zum ehemaligen Dorf Jetenburg. Bekanntermaßen wurde Bückeburg 1847 an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Flächen für den Bahnhof, der in genau einem Kilometer Entfernung vom Schlosstor erbaut wurde, gehörten zuvor Jetenburger Bauern und wurden diesen von Fürst Georg Wilhelm abgekauft. Historischer Kern Jetenburgs ist bis heute die Jetenburger Kirche, erbaut 1573, an deren Stelle sich jedoch zuvor noch ein wesentlichälteres Gotteshaus befand, welches der Überlieferung nach auf die Legende von Hus Aren zurückgeht. Bis zur Fertigstellung der Bückeburger Stadtkirche 1615 gingen viele Bückeburger in die Jetenburger Kirche zum Gottesdienst. Manch illustre Persönlichkeit hat auf dem kleinen Jetenburger Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden. Gleich am Eingang von der Südseite erhebt sich zur Rechten das markante Grab Johann Christoph Friedrich Bachs. Der dritte der insgesamt vier komponierenden Söhne Johann Sebastian Bachs folge 1749 dem Ruf Graf Wilhelmsan den Bückeburger Hof. Während seiner Zeit als "Hochgräflich Schaumburg-Lippischer Cammer-Musicus" schloss er Freundschaft mit Johann Gottfried Herder und heiratete 1755 die Hofsängerin Münchhausen. Eine ganz unscheinbare, schlichte Grabplatte weist hingegen das Grab Viktor von Strauß und Torneys auf. Dabei ist es dem einstigen Minister und fürstlichen Gesandten zu verdanken, dass das kleine Fürstentum Schaumburg-Lippe im deutsch-deutschen Krieg von 1866 seine Neutralität zwischen den Krieg führenden Parteien Preußen und Österreich bewahren konnte und anschließend nicht vom siegreichen Kanzler Otto von Bismarck annektiert und in den Norddeutschen Bund eingegliedert wurde. Auf der Westseite des Friedhofs finden sich die Gräber der Opfer des sogenannten "Bückeburger Todeszuges", der am 23. Dezember 1946 mit Vertriebenen aus Breslau in Bückeburg eintraf. Die Gräber werden inzwischen von Schülern der Herderschule gepflegt.




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