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Umfassende Renovierung der Außenhaut des Stadthäger Mausoleums / Schrift soll vergoldet werden

"Jeder Stein ist hier ein Individuum..."

Stadthagen (sk). Das um 1620 erbaute Mausoleum hinter der Martinikirche "versteckt" sich zurzeit an Nord- und Südseite hinter einem Baugerüst. Die Außenhaut der Grablege wird als zweiter Bauabschnitt einer umfassenden Renovierung des Gebäudes in Stand gesetzt. Augenfälliges Detail der Renovierung ist die Erneuerung der in 15 Metern Höhe umlaufenden Schrift. Diese soll vergoldet werden.

In 15 Metern Höhe: Jochen Fellmann, Mitglied im Renaissance-Förd

In lateinischer Sprache - hier eineÜbersetzung - ist im Vries zu lesen: "Monument des Fürsten Ernst, Graf von Holstein Schaumburg, welches im Jahre 1620 zu Lebzeiten begonnen wurde. Drei Jahre nach dem Tod des Edlen hat seine Witwe Hedwig es beendet." 94 Buchstaben haben Steinmetzen vor vierhundert Jahren in den Sandstein gemeißelt und die Aushöhlungen mit Blei gefüllt. Im 18. Jahrhundert sind jedoch die Füllungen herausgefallen. Nun soll das Blei ersetzt werden. Probeweise wurden zwei Buchstaben mit verschiedenen Verfahren erneuert. Einmal ist Blei per Hand und Hammer in die Vertiefungen getrieben worden. Im anderenFall wurde ein Abguss der Aushöhlung gewonnen, ein Bleibuchstabe vollständig gefertigt und eingesetzt. Welche Version zum Zuge kommt, entscheidet heute der Stadthäger Renaissance-Förderverein als Bauträger in Abstimmung mit Vertretern verschiedenen Gremien. Die lateinischen Buchstaben erhalten nicht nur ihre Bleifüllung zurück. Die Lettern sollen vergoldet werden - dies nicht als neu erdachte Maßnahme. In einer Bauakte des Mausoleums aus dem Jahr 1766, aufbewahrt im Niedersächsischen Staatsarchiv, ist eine vormalige Vergoldung der Buchstaben belegt. Gelöst werden müsse noch die Finanzierung der Schriftrestaurierung, die nicht im bisherigen Kostenplanüber 305 000 Euro enthalten sei, so der Fördervereinsvorsitzende Udo Jobst. Rund 300 Euro - der genau Preis steht noch nicht fest - werde ein Buchstabe kosten. Wird die Schrift auch vergoldet, dieübrige Renovierung der Außenhaut erzielt nicht einen so augenfälligen Effekt. Es werde renoviert nicht "verhübscht", so Jobst. Der Sandstein wird gereinigt, allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, um dessen scharrierte (geriefte) Oberfläche nicht zu zerstören. Diese hat an bestimmten Stellen vor allem durch herunterlaufendes Regenwasser gelitten. Eine schwarze Schicht lässt sich teilweise mit den Fingernägeln abkratzen. Eine Dachrinne besitzt das Mausoleum nicht. Außerdem hat Frost die Steinoberfläche an vielen Stellen "gesprengt". "Enorme Schäden" haben Stein - es handelt es sich um einen hochwertigen Sandstein mit einem Quarzgehalt von 98 Prozent - und Fugen im Laufe der Jahrhunderte erlitten, zeigte Architektin Jutta Pecher vom Münchner Planungsbüro Dr. Bergmann vor Ort auf. Viele hundert, oft nur Handteller große Stücke im Stein werden ausgebessert, flache Löcher mit einem feinen Mörtel aufgefüllt und geebnet. Manche Steinabschnitte sind jedoch derart schadhaft, dass sie per Hand aus dem Gesamtblock herausgeschnitten, neu angefertigt und wieder eingesetzt werden. Ein Großteil der Arbeit beansprucht die komplette Neuverfugen der Steine mit einem Mörtel auf Kalkbasis. Das gründliche Schließen der Fugen verhindert, dass sich Wasser in den Vertiefungen sammelt, das wiederum Frostschäden verursachen würde. Insgesamt bearbeiten die Steinmetzen des hannoverschen Betriebes Kaufhold 700 Quadratmeter Oberfläche in mühevoller Detailarbeit. "Jeder Stein ist hier ein Individuum", so Pecher. Mit dem Ende der Außenhautarbeiten rechnet Jobst für Ende 2008.



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