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Professor Dr. Etling erklärt in der Kinderuniversität, wie Wirbelstürme entstehen

Jeder hat heute ein Handy - so werden mehr Tornados fotografiert

Rinteln (wm). Eltern, die ihre Kinder am letzten Donnerstag zu einer der Vorlesungen der Kinderuniversität abgegeben und ein paar Minuten selber noch zugehört haben, waren sicherlich völlig verblüfft, welch hochrangige Experten hier konkretes Wissen vermittelten.

Das tat im großen Sitzungssaal des Rathauses auch Professor Dr. Dieter Etling, international bekannter Wissenschaftler des Instituts für Meteorologie und Klimatologie der Leibniz- Universität Hannover. Etling beschäftigt sich mit Wirbelphänomenen in Atmosphäre und Ozean, also Tornados, Twister und Hurrikans oder auf gut Deutsch Wind- oder Wasserhosen. Und eine Wasserhose hatte Etling zur Begeisterung der Kinder auch mitgebracht - besser gesagt, zwei Vorrichtungen, mithilfe derer sich dieses Phänomen erzeugen lässt - was die Kinder dann auch hingebungsvoll taten. Dazu braucht man nämlich nur zwei Glas- oder besser durchsichtige Plastikgefäße, ein oberes mit Loch und Stöpsel und ein unteres. In das obere wird Wasser gefüllt und das Wasser in eine schnelle Drehung versetzt. Dann zieht man den Stöpsel - ein Wirbel entsteht. Noch faszinierender ist es, ein durchsichtiges Gefäß mit Wasser auf eine schnell rotierende Platte zu stellen - der trichterförmige Schlauch der Wasserhose nimmt Tempo auf. Außerdem demonstrierte Etling bei Experimenten mit so alltäglichen Gegenständen wie Tennisbällen und einem Haarföhn, dass Luft im Grunde eine gewaltige Masse ist, was wir allerdings erst zur Kenntnis nehmen, wenn diese Masse in Bewegung gerät. Experimenteübrigens, wie sie Etling auch in großem Maßstab im Labor seines Institutes durchführt - geophysikalische Strömungsmechanik nennt er das. Dabei werden Wirbel unter idealisierten Bedingungen in Strömungskanälen oder rotierenden Tanks erzeugt. In Grenoble in der Schweiz beispielsweise in einem rotierenden Tank mit 13 Metern Durchmesser. In Grenoble, schilderte Etling den Kindern, gehe es selbstverständlich hochwissenschaftlich zu. Da wird Wirbelbildung mittels moderner Partikel-Tracking-Methoden vermessen und die Topografie mit würfelförmigen Hindernissen beklebt und somit in der bodennahen Schicht eine turbulente Strömung erzeugt. Durch Vergleich von Experimenten mit glattem Boden und mit "Rauigkeitselementen" kann man so der Einfluss der Turbulenz auf die Strömung in ozeanischen Canyons untersuchen. Wobei Etling in einem Gespräch nach der Veranstaltung betonte, er habe das Thema Tornados für die Kinderuniversität keineswegs deshalb gewählt, weil es durch den Klimawandel und extreme Wetterereignisse besonders aktuell und in allen Medien präsent sei, sondern weil Kinder hier viele Experimente selbst machen können - "das ist einfach spannend." Etling widersprach auch der landläufigen Meinung, dass sich in Deutschland die Zahl der Tornados in den letzten Jahren vervielfacht habe. Dem sei nicht so. Der Eindruck sei nur entstanden, "weil jeder heute ein Handy hat und eine Windhose fotografiert und dann ins Internet stellt." Früher habe der Normalbürger auf solche Phänomene kaum geachtet - Wasserhosen gebe es beispielsweise jeden Sommer am Bodensee, ohne dass jemand davon viel Aufsehen gemacht habe. Die Zahl der Beobachtungen habe sich verzehnfacht, nicht die Zahl der Tornados. Und noch eine Geschichte verbannte der Professor ins Reich der Legenden: Dass das Badewasser, wenn man den Stöpsel zieht, in Australien genau andersherum in einem Strudel den Abfluss hinabgurgelt als bei uns. Dem sei nicht so - reine Illusion. Nur bei riesigen Tiefdruckwirbeln lasse sich die Erddrehung beobachten.




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