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Jakobskreuzkraut: Keine Angst vor Gifthonig in der Region

BAD MÜNDER. Wer an Böschungen und Straßen entlangblickt, kann sie derzeit gut sehen: Viele kleine gelbe Blüten, hell wie Raps: Das Jakobskreuzkraut blüht derzeit – sehr zum Unmut von Pferdebesitzern. Denn die Pflanze schädigt die Leber der Tiere. Honigliebhaber müssen aber keine Angst haben, sagen Imker.

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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Die Pflanze produziert Pyrrolizidin-Alkaloide (PA), einen Giftstoff, der langfristig die Leber schädigt – Pferde und Rinder können vergiftet werden, wenn sie zuviel davon fressen. Auch getrocknet, also als Heu oder Silage ist die Pflanze noch giftig. Und auch in der Nahrungskette kann sich das Gift fortsetzen – so zumindest die Befürchtung in den vergagenen Jahren, vor allem bei Imkern in Schleswig-Holstein wurde die eigentlich heimische Pflanze lange kritisch gesehen.

Ingo Lau vom Bieneninstitut in Celle gibt allerdings Entwarnung. „Die Bienen kommen da gar nicht zum Zug“, sagt der Imker aus Brullsen. „Während die Bienen Pollen von anderen Pflanzen suchen, sammelt sich der Rapsglanzkäfer in den kleinen gelben Blüten des Jakobskreuzkrauts. „Auf jeder einzelnen Blüte sitzen gleich mehrere davon“, sagt Lau. Man müsse sich aktuell nur mal mit einer gelben Decke in die Natur legen, dann könne man die große Käferpopulation quasi am eigenen leib erfahren, „das ist der Wahnsinn.“ Entgegen dem volkstümlichen Namen fresse der Käfer nicht nur Raps.

Davon ab blühe das Jakobskreuzkraut so spät, dass der Honig, den die Bienen daraus produzieren, überhaupt nicht mehr von den Imkern entnommen wird – die Waben werden den Bienen zum Überwintern überlassen. In die Nahrungsmittelkette würde der Giftstoff der Pflanze also auf diesem Weg nicht gelangen. PA-Grenzwerte gebe es nicht.

Probleme bei der Honigproduktion sieht Lau derzeit eher in der landwirtschaftlichen Entwicklung mitsamt der Blühstreifen. „Alles von der Straßenkante bis zur Ackerfläche wird ja gemäht“, erklärt der Imker. Damit fehle den Bienen eine Zeitlang im Sommer die Nahrung – es fehle schlicht die Vielfalt in der Feldmark. Im vergangenen Jahr legten die Bienen sogar eine Sammelpause ein. Andererseits zeigte Lau Verständnis für die Landwirte. Naturschutz sei für die Landwirte schlicht zu bürokratisch und kompliziert.

Wenn die Bienen aber nur noch einzelne Pflanzenarten als Nahrungsgrundlage fänden, gleiche das einer Mangelernährung: „Das ist dann wie beim Menschen, wenn er immer nur dasselbe isst.“

Korrektur: Auf dem Bild ursprünglichen Bild war nicht das Jakobskreuzkraut abgebildet, sondern der ungefährliche Rainfarn, der ebenfalls zur Familie der Korbblütler gehört, die allerdings nicht giftig ist. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. (25. Juni, 10.40 Uhr)



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