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Jäger des verlorenen Glases

Klein Süntel. Viel geschlafen hat Roland Wessling nicht. Erst in der Nacht ist der Archäologe von der englischen Cranfield-Universität in der Stadt eingetroffen. Trotzdem war er schon wieder früh auf den Beinen. Zentimeter genau vermaß er die Stelle, an der seine Studenten in der kommenden Woche nach einer Glashütte aus dem 17. Jahrhundert graben wollen.

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Auf den Zentimeter genau berechnete der Experte mit seinem Speziallaser die Fläche, auf der nach Überbleibseln der Produktionsstätte gesucht werden soll. Dabei erhielt der Archäologe tatkräftige Unterstützung von seinem Vater Hermann Wessling. Der Münderaner ist – als Vorsitzender des Forum Glas – einer der maßgeblichen Vorantreiber des Projekts.

Das Grabungsfeld beträgt 40 mal 40 Meter. Es befindet sich auf einer kleinen Anhöhe hinter dem Feuerwehrhaus. Das Gelände gehört zum nahe gelegenen Seniorendomizil. Die 15 Studenten aus England werden allerdings nicht die komplette Fläche freilegen. Denn dafür ist die Zeit zu knapp. Von Montagmorgen an hat die Gruppe fünf Tage Zeit, herauszufinden, ob sich in dem grasbewachsenen Hügel am östlichen Süntelhang tatsächlich etwas verbirgt. Das ist das Ziel der Aktion.

Um möglichst schnell auf Ergebnisse zu stoßen, wird in die Tiefe anstatt in die Breite gegraben. Dabei konzentriert sich die Wesslings Mannschaft zunächst auf drei Bereiche. „Wir wollen zwei Gräben von 30 mal einem Meter und ein 25 Qadratmeter großes Quadrat ausheben“, erläutert der Archäologe. Nach der Auswertung von Bodenbildern schätzt er die Erfolgsaussichten als sehr gut ein. „Besser geht es fast nicht.“ Dennoch: „Ob sich wirklich etwas von historischer Bedeutung im Boden findet, weiß man erst, wenn man es ausgegraben hat.“ Falls die Testgrabung tatsächlich von Erfolg gekrönt sei, wolle man über eine Komplettausgrabung nachdenken, so Roland Wessling weiter. Die fände allerdings nicht direkt im Anschluss statt. Am Sonntag beginnt der Trubel in dem sonst so beschaulichen Ortsteil der Kurstadt: Die Studenten reisen an. „Sie freuen sich schon auf die Ausgrabung“, sagt der Archäologe. „Sie gehört zum praktischen Teil der Ausbildung.“

Am Mittwoch, 1. Mai, haben alle Interessierten die Chance, den modernen Schatzsuchern über die Schulter zu schauen: Den Maifeiertag haben die Verantwortlichen zum „Tag des offenen Denkmals“ (siehe Kasten) erklärt. Neben Führungen über das Grabungsfeld gibt es unter anderem auch eine Glasausstellung zu bewundern.ch



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