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2500 Fans feiern James Last in der Swiss Life Hall

Ist es seine Last-Tour?

Käpt’n James sagt Goodbye – doch so richtig will ihm das keiner glauben. Der Dampfer läuft zwar nicht mehr auf Hochtouren, doch wer die deutsche Musikszene mit seinem Happy-Sound so stilvoll prägte, darf nach 50 Jahren auch schon mal „halbe Kraft voraus“ fahren. Er wollte nach seiner schweren Erkrankung im letzten Herbst kürzer treten, ja vielleicht sogar den Taktstock endgültig an die Seite legen. „Ich komme wieder“, deutete er jedoch an – schau’n mer mal, „Hansi“.

Wenn es um die Musik geht, war für James Last keine Herausforderung zu hoch. Mit seinen Arrangements entstaubte er selbst Oldies und polierte sie mit seinem orchestralen Sound auf Hochglanz. Jetzt könnte eine Ära deutscher Musikgeschichte zu Ende gehen – könnte! Dass sein Sound noch immer Musik aus allen Genres veredelt, bewies James Last auch vorgestern in der Swiss Life Hall.

Heute wird der ungekrönte König des „Easy Listenings“ seinen 86. Geburtstag feiern – natürlich auf Tour – eigentlich wie so oft. Wenn man über den wohl erfolgreichsten Orchesterchef berichtet, fallen immer wieder die gleichen Schlagworte: Happy-Sound, Party, weltweiter Erfolg und Goldene Schallplatten. Welcher Fernsehzuschauer der 70er Jahre kann sich nicht daran erinnern, wie James Last beinahe in jeder der 50 ZDF-Starparade-Sendungen eine Goldene Schallplatte in Empfang nehmen konnte.

Eine Setlist aus all dem aufgenommenen Tonmaterial für ein Konzert zu erstellen, ist sicher eine undankbare Aufgabe, gilt es doch, ein Publikum aus mindestens drei Generationen zu unterhalten. Das Alter des Maestros dürfte hier keine Rolle spielen, denn ein schweißtreibender Job mit vollem Körpereinsatz war das Dirigieren für James Last schon in den 70er Jahren nicht. Einen Arm angewinkelt und das Handgelenk entlang der Körperlängsachse locker nach links und rechts schwingen, das reichte, um 30 Musiker nebst Sängern auf Kurs und im Takt zu halten. Die meiste Zeit steht Last mit dem Rücken zum Publikum, dirigiert sein Orchester mit Minimalgestik.

Der Orchesterchef zeigt immer noch, wo es langgeht.

Nach dem Opening und dem „Thanks For The Prayers“ intonieren die Bläser das „Theme For Rocky“ und James Last beweist wenig später mit dem Soundtrack zu „Fluch der Karibik“ seine über Jahre bekannte Liebe zur Filmmusik. Mit „Roar“ von Katy Perry und „Story Of My Life“ von One Direction hat er dann spätestens auch die Jüngsten im Publikum auf seinen Sound eingeschworen. Ja, der Sound ist es halt, der jeden Titel als einen James-Last-Song ausweist. Egal, ob Polka, Country, Rock oder Pop – man erkennt den Happy-Sound seit Jahrzehnten.

Mag sein, dass mancher auf die eine oder andere Eigenkomposition gewartet hat. „Morgens um sieben“ oder „Charmaine“ werden sicher von manch Last-erprobtem Konzertbesucher vermisst – dafür fehlen dieses Mal der „einsame Hirte“ ebenso wenig wie Last’s Hommage an die „Biscaya“.

Solange James Last lässig, mit leichten Haklern, auf die Bühne kommt wie in Hannover, wird man jeden Gedanken an Abschied ebenso wenig Glauben schenken, wie den Abschiedsworten der Scorpions, Aha, den Eagles und vielen anderen Vertretern, die mit dem Label „Farewell“ noch mal schnell die Konzertkassen zum Klingeln bringen wollen. Und die Frage des Alters stellt sich bei James Last immer noch nicht. Happy-Sound macht nicht nur happy, sondern hält wohl auch jung.




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