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Das Theaterstück "Strange" hat am Adolfinum Premiere / Jugendliche "tot" im Schlossgraben gefunden

Ist es Mord, Selbstmord - oder ein Unfall?

Bückeburg. Fünf Jugendliche, alle Mitglieder einer Selbsthilfegruppe, und ihr Betreuer werden mit der Nachricht konfrontiert, dass Helena, selbst auch Mitglied der Gruppe, tot im Schlossgraben der Stadt aufgefunden wurde. War es Mord? War es Selbstmord? War es ein Unfall? Wie konnte es geschehen, dass die quicklebende junge Frau in das nächtliche Gewässer stürzte? Zwischen den Jugendlichen und dem Betreuer keimt Misstrauen auf, dann Angst und pure Aggression...

Rückblende: Helena (Josefin Naumann) mit einem betreuten Jugendl

Autor:

Johannes Pietsch

Es ist eine düstere Szenerie, die sich da bei der Premiere von "Strange" auf der Bühne des Gymnasium Adolfinum abspielt. Geschrieben hat das Stück über den mysteriösen Tod einer Jugendlichen Rainer Pommerening, Lehrer am Adolfinum, einstudiert wurde es von Schülern des Wahlpflichtkurses Darstellendes Spiel. Die karge Bühnenausstattung und die drohend-wabende Hintergrundmusik unterstreichen die deprimierende Atmosphäre: Die Welt in "Strange" ist eine düstere, freudlose Ödnis, seine Figuren entweder launische Quälgeister oder apathische Tagediebe, durchweg verschrobene, gestörte und abnorme Charaktere, psychotisch, gemütskrank, mit sich und der Welt hadernd, und vor allem todunglücklich. Kein Sympathieträger ist darunter. Vielleicht wäre Helena (Josefin Naumann) ein solcher gewesen, doch sie ist tot, und die Runde in der Selbsthilfegruppe rätselt, verdächtigt, streitet, wer für ihr Ende verantwortlich ist. Doch der Zuschauer erhält die Chance, sich ein eigenes Bild über die Ereignisse zu machen und so zu erahnen, wie sie gestorben sein könnte. Während die Jugendlichen und ihr Betreuer sich in haltlose Aggressivitäten flüchten, während die Polizei Angehörige und Freunde befragt und die undurchschaubare Schwester der Toten auf der Bildfläche erscheint, vollführt das Stück mehrere Rücksprünge in die Vergangenheit, die das Publikum die letzten Stunden vor Helenas Tod miterleben lassen. Die verschränkten zeitlichen Handlungsebenen machen einen besonderen Reiz dieser bedrückenden Mischung aus Kriminalstück und Gesellschaftspsychogramm aus, welches von den Schülern des Adolfinums bei der Uraufführung mit enorm viel darstellerischem Gespür für emotionale Authentizität in Szene gesetzt wurde. Inhaltlich fasziniert dabei vor allem das bewusst offen gelassene Ende, welches dem Publikum zwar eine mögliche Antwort auf die aufgeworfenen Fragen lieferte, aber keine Gewissheit - und das es schließlich mit einem diffusen Gefühl nagender Beklommenheit aus dem Zuschauerraum entlässt.



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