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Sommeruni-Studenten erzählen von ihrem Rinteln-Aufenthalt / Schulhof ist abendlicher Treffpunkt

Isomattenlager, Kneipentouren, Vorratsessen

Rinteln (clb). Von draußen prasselt der Regen auf das Zelt, drinnen klappert das Geschirr. An langen Tafeln sitzen sie und essen, lesen Zeitung oder unterhalten sich. Bei den "Studierenden auf Zeit", die im Rahmen der Sommeruniversität eine Woche lang in Rinteln campieren, kommt keine Langeweile auf. Vollgepackt mit Seminaren und Vorlesungen sind die Tage, mit Kneipenbesuchen und kulturellen Veranstaltungen die Abende. Und die Stimmung ist durchaus mit "echter Studentenstimmung" zu vergleichen - und das, obwohl vorher eigentlich keiner den anderen kannte.

"Am ersten Tag war alles noch ziemlich komisch - wir sind um 8 Uhr gekommen, haben uns für die Veranstaltungen eingetragen und wussten bis 15 Uhr gar nicht so recht, was wir machen sollten", erzählt Juliane Grüneberg aus Isernhagen. Die 18-Jährige ist durch ihre Mutter, die in der Zeitung einen Artikel gelesen hatte, auf die Rintelner Sommeruni aufmerksam geworden - und hat sich mit ihrer Freundin Sophie-Luise Lang ganz spontan dafür angemeldet. In erster Linie, um sich Einblicke in die Vielzahl von Studiengängen zu verschaffen - denn was sie einmal studieren wollen, wissen beide Zwölftklässlerinnen noch nicht so genau. "Irgendwas Soziales sollte es sein, was mit Menschen - nichts, wo man den ganzen Tag nur im Büro rumsitzt", sagt Juliane. Und deshalb haben sie und ihre Freundin sich auch für viele philosophische und sozialwissenschaftliche Veranstaltungen eingetragen, wo Themen wie "Was ist der Mensch?" oder "Wissen ist Macht" behandelt werden. Während Juliane und Sophie-Luise noch unentschlossen sind, was sie später beruflich machen wollen, hat Per Reichert aus Hannover schon ganz genaue Vorstellungen: "Ich will Chemie studieren", erklärt der 17-Jährige, stellt sein Essenstablett auf den Tisch, setzt sich zu den Mädchen und fügt schnell hinzu: "Aber nicht auf Lehramt!" Per hatte sich ursprünglich mit zwei Freunden für die Sommeruni angemeldet, da diese jedoch kurzfristig abgesprungen sind, ist er alleine nach Rinteln gekommen. Und hat doch relativ schnell Anschluss gefunden. Denn der Realschulhof ist längst zum abendlichen Studenten- und Kommunikationstreffpunkt geworden, wo man sich bei dem einen oder anderen Bier schnell näher kennengelernt. Der andere Ort, wo sich die Probe-Studenten unausweichlich treffen und im Laufe der Woche schnell anfreunden, ist der Schlafraum: Klassenräume der Realschule, umfunktioniert zu Isomattenlager - zwischen 20 und 40 Stück liegen in einem Raum. Auch wenn's manchmal ziemlich eng wird, toll ist die unbegrenzte Ausgehzeit, darin sind sich sowohl Juliane und Sophie-Luise als auch Per einig: Die Räume sind nicht abgeschlossen, jeder kann sich schlafen legen, wann er möchte. "Wobei die meisten doch vor 2 Uhr im Bett sind", sagt Sophie-Luise. Woran sich die drei erst gewöhnen mussten, war das Mensa-Essen. Drei Mal täglich gibt es Frühstück, Mittag und Abendessen - doch nicht immer, darin sind sie sich ebenfalls einig, schmeckt es. "Wahrscheinlich bin ich zu verwöhnt von zu Hause", lacht Juliane, räumt aber ein: "Für eine Mensa geht es aber schon." Gerichte wie Kartoffelpuffer, Möhren- und Erbsengemüse oder Nudeln mit Fleisch- bzw. vegetarischer Soße stehen auf der Speisekarte der Sommeruni. "Und viel mehr kann man halt nicht erwarten, die bieten ja eigentlich alles an", meint Per, während er weiter in seinen Nudeln stochert. Und falls es mal wieder nicht so schmeckt, wie es schmecken sollte, gibt's ja immer noch die "Vorrat-Lagerung": "Für den Notfall haben wir uns schon morgens gleich mehrere Brötchen geschmiert - falls es mittags wieder nicht schmeckt", grinst Juliane. In Rinteln - von der Stadt hat vorherübrigens keiner etwas gehört - fühlen sich alle drei wohl. Und in den letzten Tagen haben sie schon einiges unternommen: Freibad- und Biergartenbesuche, Einkaufstouren im Marktkauf, Draisinenfahrt sowie einen Bummel durch die Innenstadt-Kneipen. Gestern Abend war Abschiedsparty im "Happy Night",heute Vormittag findet eine Berufsberatung statt und morgen Mittag geht's wieder nach Hause. Während Juliane und Per sich durchaus vorstellen könnten, die Rintelner Probe-Universität im nächsten Jahr wieder zu besuchen, haben Sophie-Luise die Vorlesungen "nicht wirklich viel gebracht": "Ich würde die Sommeruni nur allen weiterempfehlen, die gern lange Vorträge hören..."




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