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Traute Römisch und Rainer Steinkamp überzeugen bei der "Kultur zur Teezeit"

Ironische Liebeslyrik im Prinzenhof: "Thorsten, mein Herz ist geborsten"

Rinteln (cok). Sie traten auf wie ein verbittertes Ehepaar, das sich nicht mehr viele gute Worte sagt, aber immer noch und immerhin darüber klagt, dass nicht alles so kam, wie es hätte sein sollen - Traute Römisch und Rainer Steinkamp bei ihrer schön ironischen Lesung "Hörst du mein nächtliches Flehen?" im Prinzenhof bei der von Kulturring und Sparkasse geförderten "Kultur zur Teezeit".

Überzeugendes Duo: Viel Applaus gab es im Prinzenhof für Rainer

Die Rollenverteilung war klar: Traute Römisch, keck gekleidet in ein eigenartiges Kittelkleid, trauert der Liebe nach, übernahm dabei aber den frechen, selbstironischen, mit spitzer Zunge stichelnden Part. Rainer Steinkamp, dunkel gekleidet, schmal, fast asketisch wirkend, spielte einen, der die Liebe woanders sucht und der drängenden Gefährtin entfliehen will. Dabei übernahm die "Traute" alle eher lustigen, Kummer und Sehnsucht übertreibenden Texte, während der "Rainer" durchaus auch Rilke, Heine und Brecht anführte, um das Ideal der wahren (unerreichbaren) Liebe hochzuhalten. Viele Lacher gab es vor allem dann, wenn Rainer Steinkamp darauf bestand, dass Männer sensible, einfühlsame Wesen seien, denen die Liebe viel mehr Schmerz bereite als den Frauen. Und wirklich konnte man auch nur lachen über eine Gestalt, die es niemals wagte, sich einem der vielen zum Liebesflehen passenden Texte aus Dichtung und Reimschmiede wirklich zu überlassen, sondern immer vorsichtige Distanz hielt, schnell über gefühlvolle Stellen hinweg sprang, mit gespieltem Zögern sprach wie jemand, der weiß, dass ihm eh niemand zuhörtund er gleich unterbrochen wird. Und er hatte ja Recht mit seiner Haltung. Auch Traute Römisch klagte nie aus vollem Herzen, las ihren Part mit ironischer Distanz, störte ihr Gegenüber an den entscheidenden Stellen mit dreisten Zwischenbemerkungen und genoss es sichtlich, den geschwächten Mann noch schwächer zu machen. Nun waren die meisten ausgewählten Texte auch danach, das Liebessehnen aufs Korn zu nehmen, viele davon an der "Reim-dich-oder-ich-fress- dich-Schmerzgrenze" angesiedelt - oder wirkten selbst Tucholskys witzige "Vergebliche Liebe"-Texte so banal, weil sie im immer gleichen Ton vorgetragen wurden, durchaus liebreizende Chansontexte wie Jarys "Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst?" so kalt, weil sie nur im Sprechgesang angedeutet wurden? Das Publikum im Prinzenhofsaal hat sich trotzdem amüsiert, freute sich, wenn bekannte Texte kamen, sang bereitwillig das eine oder andere Liedchen für ein paar Takte mit und applaudierte herzlich zu einer kleinen Improvisationszugabe, bei der Traute Römisch aus dem Stegreif solche Reime fand wie "Thorsten, mein Herz ist geborsten".



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