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Inselserie 2

Borkum. Land in Sicht. Genauer gesagt über 30 Quadratkilometer. Damit ist Borkum die größte der ostfriesischen Inseln. Liegt so hübsch gewunden im Wattenmeer und kann und will sich ihres Glückes nicht erwehren, wenn die Brandung gegen den Hauptstrand schlägt und die Gischt den Badenden so weiß sich selbst kredenzt, wie die Milchhaube auf dem Latte Macchiato im Grand Café Panorama direkt an der Promenade es zu tun pflegt.

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Autor:

Jean LeGrand

Als die Nordland, ein nicht besonders stolzes Transportschiff, sich den tückischen Launen Poseidons ergeben musste, hatten die Borkumer und ihre lieb gewonnenen Inselbesucher neben Brandung und Milchschaum noch eine Attraktion mehr auf ihrem Eiland. Die Nordland war auf Sand gelaufen, und zwar direkt dort, wo Papa sonst das Fernglas aus der Tasche holt, um seine Blicke Richtung Horizont oder FKK-Strand zu entsenden. Sturm und Wellengang hatten das Schiff, das gekommen war, um Bauteile für die Sanierung der sturmflutgefährdeten Promenade zu bringen, an Land geschoben. Welch glorreiche Ironie; die Borkumer werden es nicht vergessen. Und plötzlich landeten Touristen auf der Inselschönheit an, die sonst lieber auf dem Festland bleiben. Ein Glücksschiff für Borkum.

Allein an diesem Seelenfänger hatt’s nun aber auch nicht gelegen, dass Borkum tiefschwarze Touri-Zahlen schreibt. Im Vergleich zum Vorjahr habe die Tourist-Information in 2011 ein Umsatzplus von 17 Prozent verbuchen können. Und der Januar 2012 sprengte alle Rekorde: Gegenüber dem Vorjahresmonat sei der Umsatz um nahezu 100 Prozent gestiegen. „Diese Erfolge sind das Ergebnis einer schlagkräftigen Strategie im Marketing“, sagt Tourismusdirektorin Susanne Westermann. Ob solchen Traumergebnisses kann sich die Frau Westermann gut gelaunt im Bürosessel zurücklehnen. Das heißt jetzt nicht, sich auf den Erfolgen auszuruhen, nein, im ewigen Wettbewerb mit den Inselkonkurrenten und dem Festland an Nord- und Ostsee gilt für die Borkumer auch weiterhin, für Tages- wie Wochenendgäste und Ferienurlauber die Vorzüge ihrer Insel herauszuarbeiten. Gewiss, da gibt es eine Menge. Nordstrand, Südstrand und auch solcherlei Gestade, wo man blank ziehen darf. Außerdem Kurkliniken, Thalasso-Anwendungen, Wattwanderungen – das Nordseeheilbad Borkum ist Wellness im Gezeitenland.

Neuester Clou: Borkum will erste allergikerfreundliche Insel werden und hat sich deshalb bei der Europäischen Stiftung für Allergieforschung diesbezüglich um ein Qualitätssiegel beworben. Bürgermeister Georg Lübben will seine Insel mal ordentlich zertifizieren lassen und die Urkunde spätestens im kommenden Frühling im Rathaus hängen sehen. Gut. Ist notiert. Aber wo geht’s denn jetzt zum Strand, bitte?

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Immer dem Meeresrauschen nach, immer dem Klang dieses kreativen Spiels der Natur entgegengehen. Allergie hin, Urkunde her, das Meer, das so bezaubernd an der wunderhübschen Inselkante leckt, mal fordernd, mal sanft, ist der Grund für Hunderttausende, die Sommerfrische auf Borkum zu genießen. Und keiner der 5200 Einwohner, der es nicht genau so tun würde, nur mit dem Unterschied, dass für die meisten von ihnen in den großen Ferien wenig Zeit für diesen Genuss bleibt, weil sie dann arbeiten müssen – in den Hotels, Restaurants, Cafés, Läden, Strandkorbvermietungen…

Speziell an der Wilhelm-Bakker-Straße schnuppert man auf Borkum nicht nur die salzige Seeluft, sondern auch Geschichte, die eng mit dem Walfang verbunden ist. Denn dort steht das Haus des einstigen Walfang-Kommandeurs Roloef Gerritsz Meyer, das von einem Zaun aus Walkiefern gesäumt ist. „Das ist ja … ja unglaublich“, sagt Hildegard Schulze. Die Stuttgarterin ist zum ersten Mal auf Borkum und wundert sich, dass von hier aus Walfang betrieben wurde. Nun ja, die Mannen um Roloef Gerritsz Meyer und all die weiteren starken Männer mussten schon lange und weit hinausfahren ins Nordmeer, um auf Wale zu treffen. Wer den Wal hat, hat die Qual.

Wer die Wahl hat, auch. Und so bietet Borkum neben drei Leuchttürmen, dem Heimatmuseum Dykhus und einem fidelen Leben im Ort auch abseits des Strandlebens eine wohlige Dosis Erholung, von der die Urlauber lange zehren. Apropos: Die ersten Sommerfrischesucher fanden sich 1834 hier ein. Das war zu einer Zeit, als selbst der hübsche Pavillon auf Borkums Promenade noch nicht stand. Obwohl der auch schon alt ist: über 100 Jahre, um genau zu sein. Passend zum 100-jährigen Jubiläum wurde der Platz um ihn herum grundlegend saniert. Das Material dazu hatte die Nordland wohl irgendwie noch rüberschaffen können.Info: Mit der weißen Flotte fährt die AG Ems ab Emden (Fähre 135 Minuten, Katamaran 60 Minuten) nach Borkum. Autos können mitgenommen oder in Emden gelassen werden. Alle weiteren Informationen zu Borkum gibt es im Internet unter www.borkum.de

Zwei Sehenswürdigkeiten: die gestrandete Nordland (links) und der alte Leuchtturm am Abend.

Fotos: Wirtschaftsbetriebe Borkum



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