weather-image
25°
Interview mit dem Hamburger Experten für IT- und Internetrecht Jochen Plett / Tipps für Eltern minderjähriger Kinder

Ins Netz gegangen: Die Gefahren des World Wide Web

Das Internet bietet seinen Nutzern viele Möglichkeiten – und birgt für sie genauso viele Gefahren. Ein Interview mit Jochen Plett, Rechtsanwalt in Hamburg und Experte für IT- und Internetrecht.

270_008_5150337_wo_101_2101_djd_thx_Ergo_Direkt_Versiche.jpg

Wie kann man vorgehen, wenn man im Internet etwas erworben und bezahlt hat, das dann nicht geliefert wird?

„Liefert der Verkäufer nicht, kann der Käufer nach Fristsetzung, die nachweisbar erfolgen sollte, vom Vertrag zurücktreten und sein Geld zurückverlangen. Selbstverständlich kann der Käufer auch die Ware einfordern. In beiden Fällen kann er klagen. Er kann allerdings auch – als Sonderrecht im Internet – seine Willenserklärung widerrufen. Dies ist bei Warenlieferungen im Regelfall bis zur Lieferung möglich. Auch dieser Widerruf sollte schriftlich erfolgen. Vorsicht: Bei Dienstleistungen und bestimmten Waren gibt es Ausnahmen. Auch hier besteht dann ein Recht auf Rückzahlung des Kaufpreises. Sollte der Verdacht aufkommen, dass ein Betrug vorliegt, dann sollte Strafantrag bei der Polizei gestellt werden, auch wenn das kein Geld zurückbringt.“

Was können User tun, die im Internet mit ein paar unbedachten Klicks unabsichtlich etwas gekauft haben, das sie gar nicht haben möchten? Kann man vom Einkauf im Internet zurücktreten?

„Rücktritt wäre der falsche Begriff. Der Käufer kann bei Warenlieferungen, nach ordentlicher Belehrung durch den Verkäufer, binnen zwei Wochen den Widerruf mittels Fax, E-Mail oder Brief erklären - jedoch nicht mündlich. Der Kaufvertrag „fällt“ dann weg. Die Widerrufsfristen können sich verschieben oder bei manchen Waren und Dienstleistungen – etwa bei einer Reisebuchung – auch ausgeschlossen sein.“

Ist es sicher, im Internet mit Kreditkarte zu zahlen, oder können die Daten missbraucht werden?

„Es kommt im Wesentlichen auf die technische Übermittlung der Daten an und auf den Umgang des Verkäufers mit den Daten. Sichere Übertragungswege über https und Verschlüsselungen helfen. Letzte Sicherheit ist allerdings nicht möglich, weil das Risiko krimineller Handlungen berücksichtigt werden muss. Ein letzter Tipp: Erfragen Sie bei Ihrem Kreditkartenunternehmen, wie lange Sie Zahlungen stornieren können.“

Gibt es Internetseiten, die man als „rechtswidrig“ einstufen kann?

„Ja, dazu zählen Seiten mit Inhalten wie Gewaltverherrlichung und einigen Arten der Pornografie. Gerade im Bereich der strafbaren Pornografie kann das Betrachten der Inhalte strafbar sein. Betrügerische Seiten sind von den Auswirkungen her „rechtswidrig“. Beispiele dafür sind Seiten, die Downloads ohne erkennbaren Nutzen bieten. Soweit Seiten wettbewerbswidrig sind, weil zum Beispiel unwahre Versprechungen gemacht werden, kann der Verbraucher zwar nicht klagen, sich aber an die Verbraucherzentralen wenden.“

Wenn Minderjährige Geschäfte abschließen, haften dann automatisch die Eltern dafür oder gibt es Altersgrenzen?

„Verträge von unter Siebenjährigen sind nichtig. Verträge, die im Alter von sieben bis 18 Jahren abgeschlossen werden, sind schwebend unwirksam. Die Eltern können sie durch Verweigerung einer Genehmigung verhindern. Verweigert ist die Genehmigung auch, wenn die Eltern aufgefordert werden, die Genehmigung abzugeben, dann aber schweigen. Ausnahmen gelten für die Verwendung von Taschengeld beim Kauf.“

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare