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Pastor erhebt schwere Vorwürfe gegen Kirchenleitung

Ingo Röder: "Kriminelles Verhalten verschwiegen"

Landkreis (ssr). In seinem vertraulichen Brief an die Mitglieder der Landessynode hat der Bückeburger Pastor Ingo Röder schwere Anschuldigungen gegen die Leitung der schaumburg-lippischen Landeskirche erhoben. Bischof Jürgen Johannesdotter und der Landeskirchenrat hätten in einem Fall von Geld-Unterschlagung durch einen Geistlichen "kriminelles Verhalten verschwiegen". Johannesdotterhat die Vorwürfe gestern Abend auf Anfrage zurückgewiesen und sie als "infam" bezeichnet.

Der in Altersteilzeit befindliche Röder wirft der Kirchenleitung vor, einen "schwerwiegenden" Fall "im Stillen ,bereinigt'" zu haben, als ein Geistlicher "Geld unterschlagen hatte". Röder nennt die Summe von 2350 Euro. Dem Vernehmen nach soll es sich dabei um Griffe in einen Fonds für bedürftige Konfirmanden gehandelt haben. "Nicht einmal ein Eintrag in der Personalakte" sei in dem Fall, der sich vor wenigen Jahren abgespielt habe, vorgenommen worden, schreibt Röder. Jener Geistliche sei wenig später in einen anderen kirchlichen Tätigkeitsbereich gewechselt, "wobei bei dem Wechsel offensichtlich nichts Hinderliches in der Personalakte stand". Röder schildert, er habe seinerzeit zunächst den Bischof mündlich über "finanzielle Unregelmäßigkeiten im Dienst des Kollegen" informiert und ihn gebeten, ein Augenmerk darauf zu haben. Doch Johannesdotter habe ein Jahr lang nicht reagiert. Dann habe Röder die Vorfälle dem Landeskirchenrat schriftlich gemeldet. "Man werde auch mein Verhalten untersuchen", habe der Bischof damals aber daraufhin ihm selbst angedroht, berichtet Röder in dem Brief. Später sei Röder sogar mit Suspendierung gedroht worden. Hingegen sei in Bezug auf die Unterschlagungen "Schweigen angesagt" gewesen. Nicht einmal der zuständige Gemeindevorstand sei in dieser Sache von der Kirchenleitung benachrichtigt worden. Der Pastor spielt in seinem Brief an dieser Stelle auf die Suspendierung des Oberkirchenrats Werner Führer wegen dessen Äußerungen zur Scheidung der hannoverschen Bischöfin Margot Käßmann an. Während dieser lediglich auf Grund seiner kritischen Worte "blindwütig hart bestraft" worden sei, werde durch die Kirchenleitung andererseits "kriminelles Verhalten verschwiegen", heißt es in dem Schreiben. Seinen Brief an die Synodalen schreibe er "aus Sorge um unsere Kirche", betont Röder. Nicht nur im beschriebenen Fall, sondern vielfach habe er erleben müssen, dass man in der schaumburg-lippischen Kirche offensichtlich nicht über Probleme und Differenzen reden dürfe. "Wehe dem, der Kritik übt, der Unangenehmes zur Sprache bringt, der den Finger in eine kirchliche Wunde legt. Der wird bedroht mit Versetzung und Suspendierung." Und weiter: "Ruhe ist für die Leitung die erste ,Christenpflicht', weil man ja nach außen ein ,sauberes' Bild der Kirche abgeben möchte." Abschließend wirft Röder gegenüber den Synodalen die Frage auf, "ob nicht längst im Handeln des Bischofs und des Landeskirchenrates ,ungedeihliches Wirken' festgestellt werden muss". Johannesdotter hat die Vorwürfe gestern Abend auf Anfrage als "infame Unterstellung" bezeichnet. Der angesprochene Fall sei damals "disziplinarrechtlich vollständig abgeschlossen" worden. Es sei "nichts verborgen worden". Auch der jetzige Arbeitgeber jenes Geistlichen, um den es gehe, habe "die vollständige Personalakte erhalten". Alles weitere sei eine "ungeheuerliche Spekulation", wies der Bischof den Inhalt des Röder-Briefs "empört" zurück. Es sei in vergleichbaren Situationen in staatlichen wie kirchlichen Behörden nicht üblich, derartige Vorgänge öffentlich zu machen, fügte er hinzu: "Es gehört nicht zum Disziplinarrecht, jemanden an den Schandpfahl zu stellen." Offenkundig solle durch bestimmte Kreise "öffentlich Gift gestreut werden im Umfeld der Suspendierung von Oberkirchenrat Führer", vermutet der Landesbischof. Das Vorgehen Röders "entlarvt sich selbst". Er lasse sich dadurch aber nicht provozieren, sagte Johannesdotter. Synodalpräsident Joachim Liebig kündigte an, die Kirchenleitung werde sich mit dem Schreiben an die Synodalen disziplinarrechtlich befassen. Dessen Inhalt stelle einen "eklatanten Verstoß gegen das achte Gebot ("Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten") dar.

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