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Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident McAllister läuten Wahlkampf-Endspurt für CDU ein

In der heißen Phase hilft der „kurze Draht“

Stadthagen. Dieser Montag ist alles andere als typisch für einen Tag der Bundeskanzlerin. Keine offiziellen Staatstermine. Keine Treffen mit anderen Regierungschefs. Angela Merkel ist ausschließlich in Parteiangelegenheiten unterwegs. Am Montagvormittag steht für die Kanzlerin und CDU-Parteivorsitzende eine Präsidiumssitzung im Konrad-Adenauer-Haus, der Berliner Parteizentrale, auf dem Programm. Am frühen Nachmittag startet die Kanzlerin bei minus 4 Grad und Wind aus Südost in Richtung Niedersachsen – mit einem Hubschrauber der Bundespolizei, wie gewöhnlich bei ihren Inlandsterminen.

Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Redaktionsleiter zur Autorenseite

Zwei Wahlkampftermine in Stadthagen und Hildesheim stehen noch im Kalender der Bundeskanzlerin. Zwei Auftritte gemeinsam mit Niedersachsens amtierendem Ministerpräsidenten David McAllister, der bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag sein Amt verteidigen will. Die Rückkehr nach Berlin zieht sich für Angela Merkel an diesem Abend noch eine ganze Weile hin.

Der Wahlkampf in Niedersachsen geht in den Endspurt, und da ist die Unterstützung von Deutschlands derzeit beliebtester Politikerin gern gesehen. Als der Hubschrauber der Bundeskanzlerin um kurz vor 16.30 Uhr über die Kreisstadt knattert und zur Landung im Jahnstadion ansetzt, stehen die Menschen in Stadthagen noch in einer langen Schlange vor der Festhalle und warten auf Einlass. Knapp 1500 Gäste erwarten die Reden von Kanzlerin und Ministerpräsident – und auf die Vorstellungen der CDU-Direktkandidaten Otto Deppmeyer (Wahlkreis 38), Mike Schmidt (WK 37) und Karsten Heineking (WK 39).

Eine gute halbe Stunde später ziehen Merkel und McAllister ein. „Wir schaffen das“ dröhnt es in der Endlosschleife aus Lautsprechern. Hier ein nettes Wort, da ein kräftiger Händedruck. Das Publikum klatscht lautstark.

CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel kam auch zur Unterstützung der Direktkandidaten Mike Schmidt (von links), Karsten Heineking und Otto Deppmeyer nach Stadthagen. Fotos: tol

Die Kanzlerin und der Ministerpräsident verstehen sich außerordentlich gut, das ist bekannt. Als der „kurze Draht“ zwischen den beiden Politikern zur Sprache kommt, zeigt Angela Merkels Geste sogleich, wie kurz dieser Draht denn wirklich ist: Er passt genau zwischen Daumen und Zeigefinger.

Der niedersächsische Landeschef weiß um die Bedeutung der nächsten Tage bis zum Urnengang. Sechs Tage dauere der Wahlkampf nunmehr noch an, die „heiße Phase“ beginne. „Wir starten jetzt erst richtig durch“, sagt er. Die CDU vergleicht McAllister mit einem schnellen Wagen auf der Überholspur, Niedersachsen sei „Aufsteigerland“ und habe einen „oberen Tabellenplatz in der Bundesliga der Länder“ erreicht. Jetzt zähle nur noch eines: Die CDU müsse „die eigenen Anhänger motivieren, zur Wahl zu gehen“.

Aktuelle Umfragewerte sehen McAllisters CDU mit rund 40 Prozent vorn. Demnach wäre sie die stärkste Fraktion im neuen Landtag. Doch will der Ministerpräsident weiter regieren, so ist er auf die Hilfe des Koalitionspartners FDP angewiesen. Ob die Liberalen es in den Landtag schaffen, könnte eine knappe Entscheidung werden. Derzeit erzielt die FDP laut Umfragen etwa fünf Prozent. „Entspannen Sie sich, Sie sind bei den Siegern des 20. Januar“, ruft McAllister dennoch selbstbewusst in den Saal. Und obwohl er am liberalen Koalitionspartner scheitern könnte, hält er nichts von einer Zweitstimmenvergabe für die FDP. „Ich bin mir sehr sicher, dass die FDP den Sprung in den Landtag schafft.“ Dann könnte der Amtsinhaber nach zweieinhalb Jahren an der Regierungsspitze weitermachen.

Die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel schlägt hingegen leisere Töne an als der Ministerpräsident. Sie redet nüchtern über Grundsätze und den „roten Faden“ konservativer Politik, analysiert und argumentiert. Merkel nimmt Bezug auf Menschenbilder und Lebensmodelle, redet über Wachstum, Arbeitsplätze sowie die Zukunft von Europas Währung - und über die „Lust auf Leistung“, die das Land voranbringe. So klingt vor allem eine Staatsfrau. In diesem Moment ist sie eben doch als Bundeskanzlerin unterwegs. Das Anpeitschen ist an diesem Abend Aufgabe des Ministerpräsidenten David McAllister. Angela Merkel erntet dafür in Stadthagen sehr viel, aber doch verhalteneren Applaus.

Vielleicht etwas Hoffnung für die Mitarbeiter des Automobilzulieferers Faurecia in Stadthagen, der in diesem Jahr 200 Arbeitsplätze abbauen will: Angela Merkel will sich „im Rahmen der Möglichkeiten“ für die Mitarbeiter einsetzen; David McAllister will von der französischen Geschäftsführung „ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort“ einfordern.

Gegen 18.20 Uhr hebt der Hubschrauber wieder in den dunklen Abendhimmel ab. Schneefall, Wind von Westen. Um 19 Uhr werden Merkel und McAllister zum Wahlkampf-Endspurt in Hildesheim erwartet. Sie fliegen mit leichtem Rückenwind.




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