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Ohne Leistung geht gar nichts: Schüler informieren sich auf der ersten Ausbildungsmesse

"Im Zweifelsfall entscheidet der Charakter"

Obernkirchen (mpk/kat/jöt). Peter Rudolf weiß, was er will - und was nicht: "Ich brauche keine Auszubildenden, die Schiller und Goethe auswendig wissen, sondern welche, die anpacken können." Daher, so erklärt der angestellte Meister der Firma Wetzel& Sanitär, haben Hauptschüler durchaus beste Chancen: "Wir brauchen Handwerker, die den Beruf gerne ausüben wollen und auch dabei bleiben."

Thomas Hose, der auf der ersten Ausbildungsmesse im Schulzentrum einen Stand direkt neben Rudolf hat, würde sogar noch einen Schritt weitergehen: "Ich bilde auch Sonderschüler aus." Der Pächter des Restaurants am Sonnenbrink weiß, wovon er redet: Schon sein Vater bildete aus, seit 1981 darf es Hose auch. Mit Sonderschülern hat er gute Erfahrung gemacht, "denn mir ist jemand lieber, der hinter seinem Beruf steht, als ein Realschüler, der einfach mal reinschnuppern möchte." Hose ist in der Schule konkret auf der Suche, im nächsten Jahr braucht er einen neuen Auszubildenden. Mut machen, das wollte diese Messe gestern; aufzeigen, dass es auch für Hauptschüler noch Ausbildungsberufe gibt. Rektor Torsten Reinecke wies in seiner Ansprache auf die Vorteile für beide Seiten hin: Die Schüler könnten sich informieren, die Firmen erste Kontakte zu potenziellen Azubis knüpfen. Selbst wer seine Perspektiven auf einen Ausbildungsplatz längst unter den Trümmern schlechter Noten begraben hat, muss den Kopf nicht in den Sand setzen: Dörte Worm vom Bündnis für Familien wirbt für ein Familienpraktikum, in dem gelernt werden kann, welche Aufgaben im Familienleben anfallen - und welche praktischen Lösungen dann weiterhelfen. Einen Tisch weiter sitzt Bündnis-Kollege Bernd Kirsch: Er hat 50 CDs in Heimarbeit gebrannt, auf denen nachzulesen ist, wie man sich richtig auf eine Stelle bewirbt. Sie werden ihn von den Schülern fast aus den Händen gerissen. Wer nicht mindestens einen Realschulabschluss besitzt, hat bei den Firmen Bornemann und Stüken schlechte Karten: Hauptschüler werden nur genommen, wenn sie vorher in einem Praktikum nachgewiesen haben, dass mit ihnen zu arbeiten ist - die Anforderungen in naturwissenschaftlichen Fächern und der Mathematik sind bei beiden Firmen hoch. Mit einem erweiterten Hauptschulabschluss gibt es bei der Bundeswehr immer eine Chance, erklärt Lisa-Marie Polster. Zusammen mit Pascal Watermann steht sie am Stand der Wehrverwaltung und den Ausbildungswerkstätten der Bundeswehr. Dicht umlagert ist der Stand von Stabsfeldwebel Jürgen Caternberg vom Zentrum für Nachwuchsgewinnung Nord. Gesucht werden Zeitsoldaten, vor allem Frauen. Es ist wie fast überall im Berufsleben: "Je besser der Abschluss, umso größer die Chancen." Englischkenntnisse sind wichtig, falls es ins Ausland geht; Hauptschüler sind schon in diesem Punkt benachteiligt, sagt Caternberg, doch grundsätzlich gelte: "Wir nehmen auch Hauptschüler. Solange die Leistungskriterien erfüllt werden, ist alles möglich." Er ist nicht in einem typischen Betrieb beschäftigt, klärt Fritz Pape derweil die Jugendlichen auf, sondern bei einer Institution: der Handwerkskammer. "Wir beraten die Firmen, die ausbilden." Diverse Erfahrungen mit Hauptschülern hat er sammeln können, man müsse aber differenzieren. Bei den praktischen Handwerksberufen, den echten Klassikern, wie etwa dem Maler, stehe das reine handwerkliche Können im Vordergrund, beim Kfz-Mechatroniker werde es dagegen mit schlechtem Hauptschulabschluss schwierig, allein die theoretische Prüfung zu bestehen. Die Berufsbildende Schule (BBS) stellt BEK vor: die Berufseinstiegsklassen. Jugendliche ohne Abschluss oder mit einem schwachen Hauptschulabschluss können in diesen Klassen ihren Hauptschulabschluss erreichen und so ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz verbessern. Das Programm startet zum 1. August 2009. Nach ihrem Hauptschulabschluss, so erzählt Katja Strickland, habe sie eine Ausbildung bei der Firma "Breitner Clean Team" begonnen: "Hauptschüler zeigen oftmals bessere praktische Leistungen." Und nach einem Moment: "Im Zweifelsfall entscheidet der Charakter."




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