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Im Zweifel für den Angeklagten

Bad Münder. Was sich in der Nacht des 18. Juni 2011 am Adolf-Schöder-Weg tatsächlich ereignet hat, wird wohl niemals abschließend geklärt werden können. Strafrechtlich hat der Tatvorwurf der Vergewaltigung gestern vor dem Landgericht Hannover ein Ende gefunden. Der 27-jährige Angeklagte wurde freigesprochen. „Im Zweifel für den Angeklagten“, begründete der Vorsitzende Richter Ralf Busch das Urteil.

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Rückblick: An dem Sommerabend vor fast drei Jahren waren der Angeklagte und die damals 15-jährige Zeugin gemeinsam auf einer Party. Beide sollen viel Alkohol getrunken haben. Auf dem Nachhauseweg soll es gegen Mitternacht zu der Tat gekommen sein. Laut Anklageschrift soll der Mann das Mädchen geküsst und ihr dann gewaltsam Schuhe, Jeans sowie Slip ausgezogen haben – alles gegen den Willen der 15-Jährigen. Sie habe zwar versucht, sich zu wehren, aufgrund ihres alkoholisierten Zustandes sei es dem Mädchen jedoch nicht gelungen, sich aus seinem Griff zu befreien. Erst nach 30 Minuten habe er von ihr abgelassen.

Beim ersten angesetzten Verhandlungstermin im September hatte sich das Mädchen noch einer Aussage verweigert, genauso wie dem Gespräch mit einer Psychologin. Ihre Tochter wolle mit der Sache endlich abschließen, hatte die Mutter erklärt. Nach einer Unterredung mit dem Oberstaatsanwalt hatte sich die Heranwachsende dann noch entschlossen, ihre Version der Geschichte zu erzählen.

Das hat sie gestern auch getan – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Meine Mandantin ist noch nicht volljährig und ihre Aussage betrifft ihre persönliche Intimsphäre“, begründete die Vertreterin der Nebenklage den Antrag, dem der Richter stattgab. Eine Stunde wurde die 17-Jährige vernommen – überzeugen konnte sie das Gericht nicht. In ihrer Aussage habe es viele Erinnerungslücken sowie Widersprüche gegeben. Den Verlauf des Abends habe sie bei der Polizei anders geschildert als bei der Sachverständigen und auch vor Gericht.

„Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass es in dieser Nacht auf dem Heimweg zu Geschlechtsverkehr gekommen ist, und dass dieser von der Zeugin nicht gewollt war“, begann der Staatsanwalt sein Plädoyer. Allerdings habe sich nicht mit der für eine Verurteilung nötigen Sicherheit feststellen lassen, ob der Angeklagte das Mädchen tatsächlich vergewaltigt und körperlich verletzt hat. „Der Angeklagte ist aus diesem Grund freizusprechen.“ Auch die Nebenklage-Vertreterin schloss sich den Worten des Staatsanwaltes an.

Pflichtverteidiger Christian Rosse forderte hingegen einen Freispruch „erster Klasse“ für den 27-Jährigen, „weil es den Vorgang so nicht gegeben hat“. Sein Mandant, der sich zu den Vorgängen in der Nacht nicht geäußert hatte, nutzte seine letzten Worte, um seine Unschuld zu beteuern: „Sie können 100-prozentig sicher ein, dass ich diese Frau nicht vergewaltigt habe.“

Überzeugen konnte allerdings auch er das Gericht nicht: „Zweifel bleiben“, sagte Richter Busch. „Wir haben ihn freisprechen müssen, weil wir ihm die Tat nicht nachweisen können.“ Dafür habe die Zeugin viele Sachen, die für den Tatnachweis wichtig gewesen wären, nicht erinnern können. Als freier Mann konnte der 27-Jährige das Gericht trotzdem nicht verlassen. Gleich im Anschluss klickten die Handschellen wieder – er sitzt wegen einer anderen Straftat in der JVA Hannover ein.col



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