weather-image
Peter Lösche, Politikwissenschaftler aus Berlin, kommt zur "Sommeruniversität Rinteln"

Im Nebel der politischen Sonntagsreden

Rinteln. (cok). Er kommt aus einer Familie, für die politisches Handeln zum Lebenselixier gehörte, Professor Peter Lösche (67), Politikwissenschaftler und "Parteienforscher", der während der Sommeruniversität Rinteln als einer der hochkarätigen Dozenten zwei Veranstaltungen anbietet.

Peter Lösche. Foto: cok

Er selbst entschied sich gegen eine Politiker-Karriere, anders als sein Vater, der SPD Ortsbürgermeister im Berliner Stadtteil Tiergarten war oder seine Mutter, die sich als Mitglied des Abgeordnetenhauses engagierte. "Ich wollte und musste mich aus diesem sozialdemokratischen Milieu regelrecht abnabeln", meint er. "Darum habe ich meinen Blick bald nicht nur auf eine, sondern auf alle Parteien gerichtet." Peter Lösche untersuchte den Anarchismus genau so, wie die Frage, warum sich in Amerika keine sozialistische Partei entwickelte, er analysierte den Blick der frühen Sozialdemokratie auf die Anfänge des Bolschewismus und beschäftigt sich intensiv mit den politischen Parteien in Deutschland, mit dem, was sie antreibt und zusammenhält. Wer die Fernsehsender "Phönix" und "ntv" öfter einschaltet, hat ihn bestimmt schon als einen ruhigen, klaren, scharfsichtigen Kommentator erlebt. "Manchmal bedauere ich, dass ich hauptsächlich als Parteien-Forscher gefragt bin", sagt er. "Viel mehr bin ich ein Amerika-Experte, dieses Land, das uns damals, noch vor dem Vietnam-Krieg, als großes Vorbild erschien, und das in Wirklichkeit so extrem von Widersprüchen geprägt ist." Die amerikanische Gesellschaft sei - ganz anders als es die Ideologie vom großen "Schmelztopf" immer wieder beschwört - zutiefst segmentiert und dadurch auch zutiefst angewiesen auf eine Einheitsideologie, zu der nicht zuletzt die problematische Vorstellung gehöre, ein "Heiliges Land" zu sein. Seine Veranstaltungen während der Sommeruni decken beide Themenbereiche ab: Amerika und Deutschland. "Die Vereinigten Staaten, das unbekannte Land" ist eine Vorlesung, die mit den typischen europäischen Klischees brechen will; "Ist unsere Republik korrupt?" ein Seminar, das möglichst vorurteilsfrei den Einfluss sogenannter "Lobbyisten" auf das Wirken der deutschen Parteien in den Mittelpunkt stellt. "Ich bin sehr gespannt auf die jungen Studenten" sagt er. "Ich möchte ihnen zeigen, was im Fach Politikwissenschaft alles möglich ist und wie sehr es darauf ankommt, Machtgefüge kühl zu analysieren, um den Nebel der Sonntagsreden zu durchdringen



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt