×

Im August wird es „Ernst“ für Schaumburg

Reitende Herolde auf dem Marktplatz – die Bückeburger werden am Dienstag, 6. April, die öffentliche Botschaft von der Wiederkehr ihres einstigen Landesherrn, Fürst Ernst zu Holstein-Schaumburg, als erste vernehmen – vermutlich von Trommelwirbeln begleitet. „Ein Kamerateam dreht diesen Trailer für unsere Internetseite“, erläutert der Geschäftsführer der Schaumburger Landschaft, Sigmund Graf Adelmann. Publikum vor Ort ist bei diesem Auftritt der Hofreitschule ausdrücklich erwünscht, genau wie der Besuch auf der Internetseite www.schaumburgerfriede.de.

Autor:

Jan Peter WiborgKeine großen Reden, keine ermüdenden Festakte: Möglichst viele Einwohner s

Dort ist die Spielidee ausführlich erläutert, es geht nicht in erster Linie um historische Authentizität, sondern um ein unterhaltsames Spiel mit den Zeiten, mit 900 Jahren Schaumburger Geschichte. Der Schauspieler Peter Kaempfe wird den Fürsten Ernst verkörpern: „Der Festzug ist der Katalysator“, sagt er. „Es geht darum, die Leute in Bewegung zu bringen.“ Ziel sei es, dass sich die Einwohner während der zehn Tage des „Schaumburger Friedens“ auch als Teil der Landesidentität begreifen.

Obwohl für die Organisatoren in der Vorbereitung langsam aus Spaß Ernst werden soll, dauert der kreative Ideensammlungsprozess noch an. Möglichst bis „zwei oder drei Wochen vorher“, meint Ralf Mahnert, der beim Landkreis das Projekt betreut. Deshalb unterliegt der hier angegebene Stand noch der Vorläufigkeit. Vorhandene Ideen müssen nicht nur von Kaempfe noch auf ihre Umsetzbarkeit getestet und gegebenenfalls von neuen Einfällen ersetzt oder ergänzt werden.

Donnerstag, 19. August:

Fürst Ernst zu Holstein-Schaumburg wird nachmittags an der Strandpromenade in Steinhude auf historisch schaumburg-lippischem Territorium begrüßt. Dann besteigt der Landesherr samt Gefolge die Kutschen, um sich auf den Weg nach Hagenburg zu begeben. Das Haupt soll Ernst laut Planung ebenfalls im Flecken zur Ruhe betten – aber erst, wenn er sich um die verschlissene Fürstenloge in der Kirche gekümmert hat.

Freitag, 20. August:

Seinen ersten kompletten Reisetag beginnt Ernst in Düdinghausen. Er wird vermutlich die Frage zu lösen haben, ob im Ort der „Düdinghäuser Teufel“ wieder aufgestellt werden darf. Kniffelig für ihn: Diese Sandstein-Säule stammt aus „seinem“ Schlossturm in Sachsenhagen. Am Aussichtspunkt in der Gemeinde Wölpinghausen erwartet Ernst das Infanterieregiment seines gräflichen Nachfolgers Wilhelm im abgeteilten Schaumburg-Lippe.

Hochwillkommen ist der Fürst in Sachsenhagen am Schlossturm. Hier gibt es Unstimmigkeiten über die frühere Nutzung und den Verbleib eines Sandstein-Beckens, das eine Inschrift mit seinem Namen trägt. Hier ist Ernst nicht nur als Richter, sondern auch als Zeitzeuge gefragt. Präsentieren wird ihm die Kirche ein äußerst seltenes Originalexemplar der von ihm erlassenen Kirchenordnung. Kenntnis nehmen soll der Landesherr vom Kreisel mit den Wappensteinen am „Dreiländereck“, bevor er das Fest am Auhäger Backhaus besucht.

In Lauenhagen freut sich die Dorfgemeinschaft auf den Landesherrn; am Lauenhäger Bauernhaus ist ein historisches Rahmenprogramm in Vorbereitung.

In der Regel wird der Bauerntag in Probsthagen an Pfingsten organisiert, für den Fürsten wird eine Ausnahme gemacht und eventuell ein Extra-Bauerntag veranstaltet.

Themen des ersten Gerichtstages im geschmückten Stadthagen könnten unter anderem die Öffnung des Schlosses für Besucher, der Umgang mit dem Bahnhof und das Ende der Hexenverfolgung werden. „Stadthagen muss wieder Amtssitz des Fürsten werden“ – auch mit dieser Forderung wird sich Ernst im Schlosspark nach derzeitigem Stand auseinandersetzen, genau wie mit der Idee eines Renaissance-Gärtners oder einer Form von Adel für die Gästeführerinnen. Der Tag endet mit Lichterfest und Feuerwerk im Stadtgarten.

Samstag, 21. August:

Der Tag beginnt in Stadthagen auf dem Wochenmarkt, dann geht es weiter nach Wendthagen – hier steht das Programm noch nicht fest – und dann weiter nach Obernkirchen an den „Frauenort“ im Stift. Erfrischend könnte der Besuch des Freibades werden, bevor er im geschmückten Rinteln zum zweiten Gerichtstag antritt, dessen Tagesordnung noch offen ist.

Mit dem Thema Nessel und Nesselblatt wird sich Ernst auf der Schaumburg ebenso beschäftigen können wie mit der Frage nach dem „Verwaltungssitz“; musikalisch begrüßen ihn eine Blaskapelle und ein Männerchor. Die Schaumburger interessiert das Thema Nessel so brennend, dass sie schaumburgweit ein Projekt „Gartenstreifen“ entlang der Fürstenroute initiieren wollen.

Sonntag, 22. August:

Das Gut Oelbergen und Hattendorf sind für Fürst und Gefolge im Auetal als Anlaufpunkte vorgesehen. Ein Freiluftgottesdienst, ein mittelalterlicher Markt und die Verkostung von Spirituosen sowie eine große Tafel sind in Planung. Auch Ernsts Urteil ist gefragt: Was kann man gegen die Staus tun, die durch die A 2 verursacht werden?

Zum Mittagessen und zum Gemeindenachmittag reist der Fürst weiter zum Gut von Münchhausen in Apelern. Rodenberg lädt zum dritten Gerichtstag, der sich mit dem Jugendzentrum befasst und den Streit um Burg und Museum thematisiert. Geplant ist auch die Übergabe einer Denkmalschutz-Petition.

Rund um die Burg Rodenberg wird gefeiert: Das Kinkeldei-Fest und das Museumsfest mit Handwerkskünsten. Ambitionen zur Teilnahme haben auch die Einwohner von Pohle angemeldet, am Programm wird noch gearbeitet. Auf der Treppe vor dem Brauhaus in Lauenau findet ein weiterer wichtiger Ortstermin statt zum „Reinheitsgebot des Bieres“. Ein Fest mit Fackeln und Spanferkel am Wasserschloss Hülsede bildet den Tagesabschluss.

Montag, 23. August:

Fürstliche Erholung soll den Löwenanteil des Tages ausmachen. Überlegt wird ein Transfer für den Fürstenzug, um die Strecke am nächsten Tag zu verkürzen. Wenn dann doch Programm vorgesehen sein sollte, stünde bisher die Schillat-Höhle an.

Dienstag, 24. August:

Das Stift Fischbeck offeriert ein Orgelkonzert und einen waidmännnischen Schwerpunkt, unterstrichen von Jagdhornbläsern: „Die Jagdgesellschaften des Fürsten.“

200 Jahre Extener Orangerie – unter diesem Thema stehen die Aktivitäten in Exten rund um Gut und Orangerie. Dem Landesherrn vorgeführt werden könnten auch die Sanierung des Angers in Exten, die Bushaltestelle an der Grundschule und die Sanierung des „Oberen Eisenhammers“.

In Möllenbeck begibt sich der Fürstenzug am Kloster auf eine Zeitreise, untermalt von mehreren Kapellen und Chören. Vorgesehen ist, Schmiedekunst vorzuführen, einen Jägerstammtisch abzuhalten und zu zeigen, wie Ackerbürger Brot backen.

Mittwoch, 25. August:

Der Fürst hält sich für einen Besuch von Rinteln und Kleinenbremen bereit. Bei seinem ersten Besuch in Bückeburg soll Ernst die neue Radroute „NaTour“ vorgestellt werden.

Zur Abendveranstaltung wird Ernst in Cammer erwartet, zu einem Dorffest mit Reitereskorte, Salutschießen und Sportschießen, Setzen eines Grenzsteines, Erntewagen und Erntekrone, sowie der Jagd eines Hirschen.

Donnerstag, 26. August:

Hausschweine richten im Wald großen Schaden an – das steht als Thema in Hespe auf der Tagesordnung. Erwartet wird auch hier ein salomonisches Urteil. Der Besuch des Fürsten in der Samtgemeinde Niedernwöhren führt in den ehemaligen Fürstenwald nach Pollhagen. Dort tritt der „Waldzirkus“ am Forstamt Spießingshol auf.

Wilhelm Busch – wie könnte es anders sein – steht im Mittelpunkt der Abendveranstaltung in Wiedensahl.

Freitag, 27. August:

Der Tag beginnt für Ernst in Lindhorst mit einem Empfang. Der hohe Besuch könnte der Eröffnung des renovierten Bauernhauses beiwohnen, das Lindhorster Dorffest besuchen, der Trachtengruppe zuschauen, oder sich etwas von den Bergleuten über „Verpuffung unter Tage“ oder etwas über Brandweinschmuggel berichten lassen. In Haste wartet auf den Renaissance-Fürst ein aus seiner Sicht modernes Thema: Sein Urteil ist zur Zukunft des Haster Bahnhofes gefragt.

Bad Nenndorf plant ein Gourmet- und Lichterfest im Kurpark, das Rahmenprogramm um den Fürsten herum gestaltet das Gymnasium. Der Fürst macht sich dann auf den Weg nach Beckedorf.

Samstag, 28. August:

Aussteigen aus der Kutsche und Wassertreten ist für Ernst vermutlich in Obernwöhren angesagt, auch ein Mittelalterfest kündigt sich an. Ein Abstecher nach Stadthagen könnte Ernst voraussichtlich noch einmal auf den Marktplatz führen, wo er das Fest „Bündnis für Familien“ in Augenschein nehmen könnte.

Von Meinefeld aus – auf dem Sportplatz wird ein historisches Sportfest veranstaltet – rollen die Kutschen über Gelldorf zum Gerichtstag nach Obernkirchen: Ernst muss voraussichtlich über Hexenverfolgung und Frauengefängnis sowie vielleicht sogar über „ungewollte Schwangerschaft bei Nachbars Enten“ richten. Der Tag klingt bei einem Musik- und Lichterfest im Kurpark Bad Eilsen aus. Vereine stellen Jahrhunderte dar – und dem Fürsten herausragende Kurgäste vor.

Sonntag, 29. August:

Mit einem zünftigen Frühschoppen begrüßen die Einwohner von Luhden den reisenden Landesherrn. Dieser besichtigt anschließend „seine“ Stadtkirche in Bückeburg und könnte hinterher noch eine Schleife über Müsingen/Scheie, Evesen und Petzen/Röcke drehen, darüber wird noch entschieden.

Der Gerichtstag auf dem Marktplatz in Bückeburg fordert von Ernst ein „Votum für Landesart und Landessitte“, oder auch praktische Themen wie die „abendliche Nutzung der Fußgängerzone“. Selbst der heutige Landesherr, Ministerpräsident Christian Wulff, zollt dem einstigen Schaumburger Landesherrn Tribut: Er ist beim Gerichtstag anwesend, ob er sich gegebenenfalls dem Fürsten-Urteil unterwerfen muss, ist offen.

Das Bürgerbataillon empfängt Fürst Ernst am Schloss und wird ihm in der festlich geschmückten Stadt ein Renaissancefest mit Turnier, ein historisches Schützenfest mit Armbrustschießen und Fischerstechen präsentiert, bevor die Bückeburger Bevölkerung am Mausoleum den Abschied vom Fürsten mit einem Feuerwerk feiert.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt