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Ihre Sachkunde weisen nur Wenige nach

Bad Münder. Einen Hund zu kaufen ist nicht schwer, Hundehalter sein dagegen sehr – zumindest seit am 1. Juli die zweite Stufe des Niedersächsischen Hundegesetzes in Kraft getreten ist, nach der Hundehalter ihre „Sachkunde nachweisen“ müssen. In Bad Münder – wo 1299 Hunde registriert sind – gibt es drei Anlaufstellen, die offiziell vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium anerkannt sind, die diese Prüfung abnehmen dürfen. Auf NDZ-Nachfrage berichten alle von einer bisher bescheidenen Resonanz.

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Das mag daran liegen, dass dieses Gesetz ausschließlich für Hundehalter gilt, die sich nach dem 1. Juli 2011 erstmals einen Hund angeschafft haben, vermutet Lothar Fiß, Hundeobmann der Jägerschaft Hameln-Pyrmont. Er sieht das neue Gesetz aufgrund dieser Regelung auch kritisch: „Alle, die bisher Mist gebaut haben, dürfen das auch weiterhin tun.“ Man müsse beobachten, wie das weiter läuft.

Zudem kommt hinzu: Für die theoretische und die praktische Prüfung werden jeweils ab 40 Euro fällig. „Das kann sich schnell mit der zusätzlich möglichen Ausbildung auf 130 Euro summieren. Natürlich ist das für viele auch schon eine Hemmschwelle“, sagt Fiß. Dass es eine Prüfung für die Hundehalter gibt, befürwortet der Hundeobmann, „schließlich sind in 99,9 Prozent der Fälle die Halter schuld, wenn etwas passiert“. Bei der praktischen Prüfung muss der Hundehalter verschiedene Station bewältigen – muss dafür jedoch nicht seinen eigenen Hund nehmen, sondern kann sich einen gut ausgebildeten Vierbeiner leihen – was wiederum wenig Sinn mache, so Fiß: „Sinnvoller wäre ein verpflichtender Hundekurs für alle Halter.“

Seinen eigenen Hund müsse man nur zur Prüfung mitbringen, erklärt Christine Leukefeld von der Hundeschule am Deister, wenn dieser schon einmal auffällig geworden sei. Die Fragen für die theoretische Prüfung kommen aus einem zentralen Register. Es gibt insgesamt fünf Kategorien, die die Rechtsvorschriften, Erziehung und Ausbildung, Erkennen und Beurteilen von Gefahrensituationen, Sozialverhalten und rassespezifische Eigenschaften sowie Anforderungen an die Hundehaltung unter Berücksichtigung des Tierschutzrechtes betreffen.

Tierärztin Anja Rocksin befürwortet das neue Gesetz grundsätzlich, da es die fehlende Ergänzung zum Wesenstest für Hunde sei. Dennoch hofft sie auf Nachbesserungen, weil es keine Ausnahmeregelung für Menschen mit Beeinträchtigungen gebe. „Wie soll denn jemand mit einer Lern- oder Leseschwäche diese Multiple-Choice-Fragen beantworten?“col

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