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Gabriele Lösekrug-Möller (SPD) zieht noch einmal in den Bundestag ein / Es könnte ihre schönste Zeit werden

Ihr letzter Sieg

Gabriele Lösekrug-Möller ist überwältigt. Über die himmelblaue Bluse hat sie eine hellblaue Strickjacke geworfen. In der rechten Hand hält sie einen Strauß Blumen. Im Gesicht trägt sie ein breites Grinsen. Seit kurzem steht fest, dass sie in den Bundestag einzieht. Ihre Kontrahenten, besonders den von der CDU, hat sie abgehängt. 50,2 Prozent der Stimmen hat sie errungen. Ein Kantersieg, damals, im Jahr 2005.

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Autor:

von Robert Michalla

Heute, acht Jahre später, zieht Lösekrug-Möller wieder in den Bundestag ein. Wieder lässt sie ihre Konkurrenten hinter sich. Wieder holt sie das Direktmandat. Nur eines ist diesmal anders: Dieser Sieg ist der letzte, denn noch einmal antreten will sie nicht. Damit beginnt politisch die letzte Zeit einer der erfolgreichsten Bundestagsabgeordneten, die das Weserbergland je gesehen hat. Es könnte ihre schönste werden.

Weder machtbesessen noch machtvergessen

Seit 2001 gehört Lösekrug-Möller dem Bundestag an. Sofern die nächsten Wahlen erst in vier Jahren über die Bühne gehen, wird sie 16 Jahre lang im Bundestag gesessen haben; so lange war Helmut Kohl Kanzler. Es ist eine lange Zeit, wenn auch nicht die längste für eine SPD-Abgeordnete aus dem Weserbergland. Brigitte Schulte gelang es acht Mal, in den Bundestag einzuziehen.

Lösekrug-Möllers erster Einzug ins Deutsche Parlament ist unspektakulär. Am 1. November 2001 rückt sie für den Abgeordneten Dietmar Schütz nach. Umso größer ist ihr Wahlerfolg vier Jahre später, als sie dem Christdemokraten Hans-Peter Thul 35 Prozent der Stimmen übrig lässt. Weniger klar ist der Wahlausgang im Jahr 2009. Weil bei einem Direktmandat stärker die Person zählt als das Programm, liegt der Schluss nahe, dass Lösekrug-Möller so einiges richtig gemacht hat:

Sie hat eine skandalfreie Politiklaufbahn hinter sich. Selbst politische Gegner schätzen sie. Auch gestern erntet sie bei der Dewezet-Wahlparty Applaus von der CDU, weil sie den Christdemokraten im Bund zum Wahlsieg gratuliert.

Ihr gelingt der Spagat zwischen Basisarbeit und Bundespolitik. Ein Beispiel? Gestern besucht sie zuerst die Wahlparty, bevor sie nach Berlin eilt.

Lösekrug-Möller wirkt authentisch, sowohl beim Oktoberfest eines DRK-Ortsvereins als auch dann, wenn sie Parteichef Sigmar Gabriel Kontra gibt. Als der hinter verschlossenen Türen ein Konzept ausarbeitet, findet sie das intransparent – und sagt das auch.

Sie ist nicht machtversessen. Zwar hat sie etliche Posten inne, zum Beispiel ist sie Vorsitzende der Landesgruppen Niedersachsen/Bremen der SPD-Bundestagsfraktion, auch im Vorstand der Bundes-SPD sitzt sie. In die erste Reihe hat sie es nie geschafft, aber sie hat ihre Position gefunden.

Sie ist nicht machtvergessen. Sie weiß, dass die Wurzeln ihrer Wahlerfolge im Weserbergland liegen und hat daher auch als Bundestagsabgeordnete stets für die Region gearbeitet; nicht nur als Chefin des SPD-Unterbezirks Hameln-Pyrmont.

Es wundert daher kaum, dass keiner ihrer Konkurrenten je an ihr vorbeikam. Michael Vietz (CDU) erringt gestern noch ein gutes Ergebnis, 39,6 Prozent der Stimmen bekommt er. Für den Bundestag reicht es nicht. „Ich habe immer gesagt, mein Listenplatz ist eher im Graubereich“, sagt er. Jutta Krellmann (Linke) hätte sich persönlich wohl ein besseres Ergebnis gewünscht. Im Bundestag sitzt sie dennoch. Klaus-Peter Wennemann (FDP) strafen die Wähler dagegen ab, Marcus Schaper (Grüne), Claudia Schumann (Piraten) und Manfred Otto (AfD) können im direkten Vergleich ebenfalls kein Land sehen. Die Wähler dürften dennoch zufrieden sein, schließlich sitzen zwei Abgeordnete aus der Region im Bundestag.

Die erneute Wahl von Lösekrug-Möller ist dabei auch eine Richtungsentscheidung. Die Wähler gaben ihre Stimme – trotz des Amtsvorsprunges und der Tatsache, dass seit 1957 ununterbrochen SPD-Kandidaten das Direktmandat gewannen – auch für das Modell eines Politikers ab. Sie wählten eine Abgeordnete, wie sie in den Augen vieler Wähler sein sollte: Lösekrug-Möller wirkt nicht wie eine Berufs-, sondern fast schon wie eine Berufungspolitikerin. Ihr Ausscheiden hat die 62 Jahre alte Politikerin nun selbst in der Hand – und Zeit, um einen Nachfolger aufzubauen, hat sie ebenfalls.

Über die himmelblaue Bluse hat Lösekrug-Möller eine schwarze Steppjacke geworfen. Im Gesicht trägt sie ein Grinsen. Gleich steht fest, dass sie in den Bundestag einzieht. Ihre Kandidaten, auch den von der CDU, hat sie abgehängt. 42,3 Prozent der Stimmen erringt sie, kein Kantersieg ist das, heute, im Jahr 2013, aber es sind 2,7 Prozentpunkte mehr als 2009. Schöne Aussichten für die letzten vier Jahre.

Gabriele Lösekrug-Möller betritt die Tür zur Dewezet-Wahlparty.Dana

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