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450 Fans feiern Haudegen im Musikzentrum Hannover

Ihr Leben auf die Körper tätowiert

Einen gradlinigen, kampferprobten Mann bezeichnet man umgangssprachlich als Haudegen – und genau so sehen sich auch Hagen Stoll und Sven Gillert, die bis dato immer um das kämpfen mussten, was sie liebten.

Als Zeichen ewiger Treue haben sich beide ihr Logo, „Flügel und Schwert“, in den Nacken tätowieren lassen – die Flügel stehen für Freiheit, das Schwert für den ewigen Kampf. In ihren Texten sprechen sie die sozialen Probleme der heutigen Arbeiterschicht Deutschlands an, ermutigen dabei die Menschen, sich auf die alten Werte neu zu besinnen.

Die Haudegen-Fangemeinde ist eine verschworene Gemeinschaft – viele der Konzertbesucher tragen schwarze Haudegen-T-Shirts, sind ebenfalls vom Nacken bis zum Hacken tätowiert.

„Ich box dich raus, ein Mann ein Wort, halte aus, ich leg die Hand für dich ins Feuer, ich mach mich stark für dich“ – Textzeilen aus dem Song „Ein Mann, ein Wort“ – ein Lied, das sich sofort in die Herzen des Publikums rockt. Immer wieder legt Sänger Hagen Stoll seinen Ellenbogen auf die Schulter seines Kumpels Sven Gillert – das symbolisiert Freundschaft – „Wir gegen den Rest“.

Die beiden Haudegen sind alte Freunde und durch dick und dünn gegangen. Aufgewachsen im sozialen Brennpunkt Marzahn-Hellersdorf, wissen sie, was es bedeutet, zu leben – und zu überleben.

Ihre Rapper/HipHop-Pseudonyme haben beide 2010 abgelegt – vor dieser Zeit firmierte Sven Gillert unter dem Namen „Tyron Berlin“, Hagen Stoll nannte sich „Joe Rilla“. Ihre musikalischen Botschaften verpacken sie jetzt in Balladen, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Rock.

Immer wieder unterbrechen „Haudegen“-Rufe die Anmoderationen der beiden Akteure, die sich von Song zu Song mehr im Glanz ihrer Beliebtheit sonnen. Man besinnt sich „Auf die alten Zeiten“, als man noch jung und wild, kein Risiko zu groß schien und noch grün hinter den Ohren war. Stoll stimmt das Lied „Familie“ an – viele Pärchen nehmen sich in die Arme – da wird der harte Rocker auch mal schnell zum nachdenklichen Familienvater.

Gillert und Stoll möchten mit ihrer Musik ein Erbe hinterlassen – das Publikum soll sich in ihren Texten wiederfinden. Sie setzen sich mit den Menschen auseinander, hören ihren Geschichten zu und machen sie zu ihren eigenen.

„Die Stimme des kleinen Mannes wird oft überhört, viele haben sich schon aufgegeben – für diese Menschen erheben wir das Wort“, erklärte Stoll kürzlich in einem Interview. Dass man das Duo unter die ersten Fünf der Vorentscheidung zum Echo gevotet hat, zeigt, dass die Fans ihnen auch etwas zurückgeben – so emotional und schön kann Musik sein.




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