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Zemlins Vorstoß stößt auf viel Kritik – und vorsichtigen Zuspruch

IGS-Oberstufe: Was will die FDP?

Hameln. Der große Applaus blieb aus: Rüdiger Zemlin – früher Ratsherr, heute noch Vorsitzender des FDP-Bezirks Hameln-Nord – hatte sich an die Presse gewandt. Angesichts der hohen Kosten von gut 21 Millionen Euro für das Schulzentrum Nord forderte er eine sofortige „Wende in der Schulpolitik“ (wir berichteten). Die gymnasiale Oberstufe an der Integrierten Gesamtschule (IGS) solle gestrichen werden, die Nachfrage sei – im Gegensatz zu der an den Gymnasien – zu gering. Damit stieß er auch in seiner eigenen Partei auf Kritik. Zweifel an einer eigenen IGS-Oberstufe äußert jedoch auch der Elternratsvorsitzende.

„Das ist auf keinen Fall eine FDP-Position“, entgegnete Hans Wilhelm Güsgen, Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Stadtrat. Es handele sich um eine „Einzelmeinung“ Zemlins. Die Fraktion wolle „keine Klientelpolitik“ machen, die nur die Gymnasien berücksichtige. Ziel sei „ein Schulsystem, das alles abdeckt“, bekannte er sich zum Ratsbeschluss pro IGS samt Oberstufe, dem einst auch Zemlin zugestimmt hatte. Ein Gespräch mit dem ehemaligen Ratskollegen werde stattfinden. Der FDP-Stadtvorsitzende Klaus-Peter Wennemann reagierte moderater: Wenn die Fakten stimmten, seien Zemlins Anmerkungen „sehr nachdenkenswert“, sagte er.

Der ehemalige Ratsherr Zemlin hatte auf die geringe Zahl der Schüler mit Gymnasial-Empfehlung verwiesen, die im vergangenen Jahr für die IGS angemeldet wurden. „Aus dem zukünftigen fünften Jahrgang haben zwölf Schüler und Schülerinnen eine Empfehlung zum Besuch eines Gymnasiums erhalten“, bestätigte Schulleiterin Gudrun Kruppe – das sind noch zwei Schüler weniger, als Zemlin angenommen hatte. Kruppe betonte jedoch: „Entscheidend für eine eigene Oberstufe ist nicht die Zahl der Empfehlungen, sondern die Zahl der erweiterten Sekundar-I-Abschlüsse, die zum Besuch der Oberstufe berechtigen.“ Und die Erfahrung zeige nun mal, dass sich viele Schüler nach der vierten Klasse positiv weiterentwickelten. Ins nächste Schuljahr wird die IGS erneut mit fünf fünften Klassen starten.

Vorsichtige Bedenken meldete jedoch auch der Hamelner Schulelternratsvorsitzende Volker Schöpe an. Sicherlich würde sich die Zahl der Anmeldungen an der IGS noch erhöhen, „ich weiß aber nicht, ob die Zahlen für eine drei- oder vierzügige gymnasiale Oberstufe reichen würden“. Um die 100 Oberstufenschüler wären dann vonnöten. Schöpe sieht deshalb Kooperationen mit Gymnasien als eine denkbare Möglichkeit – an Stelle einer eigenen IGS-Oberstufe.

In der schwarz-grünen Mehrheitsgruppe jedoch, an die Zemlin seinen Appell richtete, besteht offenbar keine Bereitschaft zur geforderten „Wende“: Zemlin lasse unberücksichtigt, dass auch Schüler anderer Schulen die Oberstufe der IGS Hameln in Anspruch nehmen könnten, argumentierte der Mehrheitsgruppensprecher und künftige Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU). Landrat Tjark Bartels hatte sich bereits ähnlich geäußert. In Frage kämen wohl die IGS Hessisch Oldendorf und eventuell eine künftige weitere IGS im Landkreis. Zudem, betonte Griese, befinde sich die IGS „noch im Entstehen“ und habe es deshalb noch schwer gegen die etablierten Gymnasien.




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