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Vom Massentourismus noch unberührt

Idylle in Hülle und Fülle: Nordzyperns wilde Schönheit

Karlo ist in bester Stimmung. Wie immer. Doch heute hat er besonders gute Laune. Der gebürtige Niedersachse ist im Hotel Bellapais Gardens nicht nur Restaurantleiter, sondern er schlüpft auch gerne in die Rolle des wortgewaltigen Alleinunterhalters, und wenn’s denn sein soll, auch in die des Fremdenführers. An diesem Tag begrüßt er in der kleinen, aber feinen und idyllisch gelegenen Herberge mit einem großen Hallo nach langer Zeit mal wieder Gäste aus Deutschland. Die Freude ist deshalb so überschwänglich, weil Touristen nach wie vor nur selten den Weg in die aus politischen Gründen seit Jahrzehnten international geächtete türkische Republik Nordzypern finden.

Blütenzauber: der Garten der Abtei Bellapais.

Autor:

Hans-Jürgen Kroggel

Von Massentourismus oder gar Ballermann-Feeling ist hier absolut nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil zum griechischen Teil Zyperns. Während im Süden der beliebten Mittelmeerinsel (Werbeslogan: „Wo die Götter Urlaub machen“) jährlich etwa fünf Millionen Menschen in die Bettenburgen zwischen Larnaca und Paphos strömen, verirren sich in den Nordteil jährlich kaum mehr als 300 000 Besucher, davon nur rund 25 000 aus Deutschland. Zwar wurden auch in der Türkischen Republik Zypern, die seit 2004 „de jure“ zur Europäischen Union gehört, zahlreiche Villen und Apartments gebaut, doch viele stehen leer, weil unter anderem auf zahlreichen Grundstücken nach den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den NATO-Partnern Griechenland und der Türkei im Jahr 1974 Alteigentümer-Ansprüche lasten.

Von Massentourismus jedenfalls ist in diesem Teil der wunderschönen Insel nichts zu spüren. Politisch mag Nordzypern, das als Staat nur von der Türkei anerkannt wird, ein „totes Paradies“ sein. Doch für Menschen, die Natur pur lieben, ist dieses Fleckchen Erde ein fast noch unberührtes Paradies, das lebt und auf jeden Fall einen Besuch wert ist.

Duftende Orangenhaine, alpin-schroffe Gipfel, viele menschenleere Strände und lauschige Buchten – Nordzypern punktet mit traumhaft schönen Landschaften. Mit dem Besparmak-Gebirge (Fünf-Finger-Gebirge) verfügt dieser Teil der Sonneninsel im Mittelmeer auch über ein erstklassiges Wandergebiet. Knapp über 1000 Meter hoch ragen seine Gipfel in den Himmel. Die Vegetation am Wegesrand ist geradezu üppig: wilde Orchideen, Feigenkakteen sowie Johannisbrot-, Lorbeer- und Maulbeerbäume und viele andere typische Mittelmeerpflanzen finden Naturentdecker am Wegesrand.

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Atemberaubend: ein Flug mit dem Paraglider. Fotos: hjk
  • Atemberaubend: ein Flug mit dem Paraglider. Fotos: hjk

Dank der wenigen Autos, die auf den gut ausgebauten Straßen unterwegs sind, kommen auch Radtouristen und Mountainbiker auf ihre Kosten. Und wer Höhenflüge liebt: Ein Paraglider-Anbieter führt Tandemflüge durch. Gestartet wird in stattlicher Höhe in der Nähe der berühmten Festung St. Hilarion. Infos zu diesem spektakulären Nervenkitzel-Erlebnis sowie zu den in allen Schwierigkeitsgraden angebotenen Wanderungen durch das Fünf-Finger-Gebirge und auch zu preiswerten Taxi-Ausflügen (ab etwa 30 Euro pro Tag) zu historischen Stätten der Insel wie den Ruinen der einst bedeutenden Königstadt Salamis gibt es unter anderem im Hotel Bellapais Gardens, das auch Ausgangspunkt zu den Exkursionen ist.

Die im Landhausstil erbaute Bungalowanlage liegt direkt unterhalb der aus dem 13. Jahrhundert stammenden und mit seinen Kreuzgängen und dem wunderschönen Klostergarten beeindruckenden gotischen Abtei im schläfrigen Bergdörfchen Bellapais. Bekannt wurde der Ort auch durch den britischen Schriftsteller Lawrence Durrell, der hier in den 1950er Jahren seinen Bestseller „Bittere Limonen“ schrieb.

Von der Abtei Bellapais aus hat man einen traumhaften Blick auf die Küste Nordzyperns und dem nur sechs Kilometer entfernten malerischen Hafenstädtchen Girne (Kyrenia), wo zahlreiche Restaurants, Cafés und Bars zum Verweilen einladen. Zahlungsmittel ist die türkische Lira, aber auch der Euro wird akzeptiert.

Besucher Nordzyperns, die zumeist über Larnaca/Südzypern anreisen, sind immer wieder tief beeindruckt von der herzlichen Gastfreundschaft, die sie von den türkischen Zyprern erfahren. Durchaus empfehlenswert ist auch die Landesküche. Orientalische Einflüsse und mediterrane wie auch türkische Kochkunst prägen die gut bekömmlichen und schmackhaften Gerichte. Dazu gehört auch das traditionelle „Meze“. Diese Vorspeise besteht aus einer Vielzahl von kalten und warmen Fleisch- und Gemüsegerichten sowie Salaten. Unbedingt probiert werden sollte auch der berühmte Hellim-Käse, am besten gegrillt. Fisch in vielen Variationen dominiert das Hauptgericht. Und ein sündhaft süßes Dessert beschließt das lukullische Mahl.

Natur pur: Im Frühjahr wartet Nordzypern mit üppiger Vegetation am Wegesrand auf. (links). Nicht zu übersehen: Sechs Kilometer oberhalb von Girne liegt die gewaltige gotische Abtei Bellapais.



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