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Nach schlechten Noten undÄrger ohne Ende wollen Eltern jetzt Schulwechsel für zwei Kinder

"Ich werde mit dieser Schule einfach nicht warm"

Westendorf (mld). Aufgeweckt wirken sie, die fünf Kinder der Familie Thomas-Weitzel. Sie sitzen in einer Reihe auf dem Sofa und erzählen kichernd und quietschend, dass sie am Wochenende Hydrantendienst machen müssen - schließlich sind alle fünf in der Feuerwehr, und so ein Dienst gehört nunmal dazu. So muss Mutter Nathalie Thomas-Weitzelihre Zöglinge ab und zu zur Ruhe ermahnen, doch alle bleiben artig sitzen und erzählen, warum ihre Eltern momentan Briefe an die Landesschulbehörde und das Verwaltungsgericht schreiben müssen.

Angefangen hat es laut den Thomas-Weitzels vor sieben Jahren, als dieÄlteste der fünf in der Grundschule Deckbergen eingeschult wurde. "Jessica hat während einer Betreuungsstunde mit einem anderen Mädchen gequasselt, und während die eine zur Strafe bloß in die Ecke gestellt wurde, musste Jessica in den Chemikalienraum", erzählt die Mutter. "Das ist gefährlich für Kleinkinder!" Als die Zweitälteste eingeschult wurde, gab es wieder Ärger, berichtet Vater Olaf: "Jasmin war immer eine der Klassenbesten, bis zur dritten Klasse. Dann ist sie abgesackt." In der Grundschule sei ihre beste Note eine Vier gewesen, erzählt die Elfjährige. Sobald sie auf die Hauptschule kam, "wurde ich wieder richtig gut". Jetzt bringe sie Zweier und Dreier nach Hause, erzählt ihre Mutter. Dass die Schuld bei der Grundschule zu suchen ist, bezweifelt die 33-Jährige nicht. "Ich werde mit dieser Schule einfach nicht warm", sagt sie. "Vielleicht werden wir für asozial gehalten, weil wir fünf Kinder haben." Diesen oder einenähnlichen Grund vermuten Thomas-Weitzels zumindest dahinter, dass sie vor vier Jahren die Zwillinge nicht einschulen konnten: "Die Schulleiterin meinte, Pascal und Yvonne seien nicht schulfähig", erzählt Nathalie Thomas-Weitzel. Obwohl ein Arzt beiden Kindern die Schulfähigkeit bestätigt habe, habe Schulleiterin Dagmar Tadge die beiden ein Jahr zurückstellen lassen. "Wir wissen, dass Yvonne nicht so weit ist wie Pascal. Aber wenigstens ihn hätten sie nehmen können!" Als die beiden ein Jahr später schließlich eingeschult wurden, kamen sie noch in verschiedene Klassen. Die Einschulung der heute achtjährigen Michelle verlief problemlos, doch Mutter Nathalie hat genug: "Ich will endlich meine Ruhe haben", seufzt sie. Gerade Pascal habe es in Deckbergen sehr schwer gehabt, sei ständig verprügelt worden. "Wir wissen, dass er kein Engel ist, aber er wurde jedes Mal für die Prügelei verantwortlich gemacht!" Dass das aber nicht der Wahrheit entspreche und andere Kinder Pascals Unschuld auch bezeugen könnten, habe niemanden an der Schule interessiert, so Nathalie Thomas-Weitzel. Seit einigen Tagen ist Pascal jetzt an der Grundschule Krankenhagen, wo es ihm sehr gut gefällt. Seine Mutter hatte den Schulwechsel auch für die beiden Mädchen beantragt, "weil sie nicht die nächsten Prügelknaben werden sollen", so Thomas-Weitzel. Doch das Gesuch wurde abgelehnt. "Die Mädchen möchten nach Krankenhagen, sie haben geheult, als Pascal gewechselt ist", erzählt die Mutter, und Michelle und Yvonne nicken einhellig. Auch für Nathalie sei es eine Erleichterung, ihre Kinder in Krankenhagen zu wissen - ihre Eltern wohnen dort. Thomas-Weitzels kämpfen momentan gegen den Beschluss der Landesschulbehörde, die beiden Töchter nicht nach Krankenhagen zu versetzen, und haben sich - vorerst ohne Anwalt - an das Verwaltungsgericht Hannover gewandt. Dort liege das Schreiben der Familie vor, bestätigte die stellvertretende Pressesprecherin Antje Niewisch-Lennartz. Momentan würde geprüft, in welcher Form die Familie Einspruch erheben will. Der Landkreis hingegen habe mit dem Prozess nichts zu tun, kommentierte Landkreis-Pressesprecher Klaus Heimann. Grundschulleiterin Dagmar Tadge hingegen wollte auf Anfrage keinerlei Stellung zu der Angelegenheit nehmen. Der Familie Thomas-Weitzel wird nun nichts anderesübrig bleiben, als auf Nachrichten aus Hannover zu warten.

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