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Menschen von Nebenan: Dörte Worm hilft, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen

"Ich war ja nie der typische Stadtmensch"

Obernkirchen. Wer, wie Dörte Worm (39) aus Obernkirchen, in Berlin geboren, aufgewachsen und bis zu seinem 30. Lebensjahr in der Weltstadt gelebt hat, den kann ja nur eines in die freundliche Provinz gezogen haben - die Liebe! Vor fast zehn Jahren folgte die Bankkauffrau ihrem Mann ins Schaumburger Land, machte sich beruflich selbstständig, bekam drei Kinder und engagiert sich gleichzeitig im "Lokalen Bündnis für Familien" - unglaublich!

Dörte Worm mit ihrem Sohn Julian. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

"Ach - ich war eigentlich gar nicht der typische Stadtmensch", meint sie gelassen. "Klar, hat mir das Großstadtleben schon sehr gefallen - aber ich hatte immer Hunde und auch Pferde. Mir ist es schon sehr recht, jetzt hier zu leben!" Tatsächlich besaß sie in Berlin drei Pferde, das heißt, nicht in Berlin selbst, sondern in einem 50 Kilometer entfernten Ort, und der Umgang mit den Tieren war ihr sowichtig, dass sie täglich eine Stunde hin und eine Stunde wieder zurück fuhr, um zu reiten und sich um die Tiere zu kümmern. Dass sie damals eine Lehre als Bankkauffrau begann, war eher ein Zufall gewesen. Gerne hätte sie Medizin studiert, doch da sie wegen des Numerus Clausus jahrelang auf einen Studienplatz hätte warten müssen, drängten die Eltern darauf, etwas "Vernünftiges" zu machen. Und das war gar nicht so schlecht. Schnell fasste sie Fuß im Bereich der Immobilienfinanzierung. Es reizte sie sehr, nicht nur Finanzierungspläne aufzustellen, sondern auch Gebäude vor Ort auf ihren Wert einzuschätzen und bei allem immer mit Menschen und deren Träumen von einem schönen Leben zu tun zu haben. Als sie ihren Mann kennenlernte und dann nach Obernkirchen zog, konnte sie ihre beruflichen Kontakte nutzen, um sich mit der "Worm Consulting" selbstständig zu machen und neben der Immobilienfinanzierung auch Fördermittelberatung für gewerbliche Finanzierungen anbieten, dazu auch Existenzgründern mit ihrem Wissen zur Seite stehen. Selbst als ihr erstes Kind geboren wurde, gelang es ihr noch, Beruf und Familienleben einigermaßen unter einen Hut zu bekommen. "O ja, das ging aber nur so lange mein Kind noch nicht laufen konnte", meint sie. "Es ist einfach unmöglich, zu bestimmten beruflichen Treffen ein kleines Kind mitzunehmen, oft macht es schon keinen guten Eindruck, wenn beim Telefonieren ein Kindchen im Hintergrund herumquakt." Da blieb es nicht aus, dass sie die "Rasselbande" entdeckte, die erste und einzige Betreuungseinrichtung für unter Dreijährige in Obernkirchen, die von engagierten Eltern in Privatinitiative gegründet wurde. "Es ist lustig", sagt sie, "ich fülle die ?Rasselbande' mit meinen Kindern!" Kaum war ihr erster Sohn aus dem Rasselbanden-Alter raus, kam der zweite Sohn neu hinzu, und wenn dieser jetzt bald in den Kindergarten kommt, wird der kleine Julian an seine Stelle treten. Die Eltern der Rasselbande-Kinder übernehmen die Geschäftsführung, betreuen auch selbst mal die Kinder, aber sie gehen auch immer wieder, sobald ihre eigenen Kleinen gehen. "Nur die Kassenwartin, die ist seit Jahren dieselbe - und das bin ich!" Da ihr durch die eigenen Lebensumstände so klar wurde, wie schwer es immer noch für Frauen ist, Familie und Beruf zu vereinbaren, war sie sofort bereit, beim neu gegründeten "Lokalen Bündnis für Familien" mitzuarbeiten. "Ich bewundere vor allem alleinerziehende Mütter", sagt sie. "Es ist unglaublich, was sie leisten, wenn sie oft niemanden haben, der ihnen zur Seite steht." So ist es ihr Hauptanliegen, dazu beizutragen, dass Strukturen entstehen, die Frauen mehr Bewegungsmöglichkeiten erlauben. Demnächst steht zum Beispiel ein Arbeitsgruppentreffen an, in dem es darum geht, einen "Oma-Opa"-Kinderbetreuungsservice ins Leben zu rufen. Immer noch besitzt Dörte Worm Pferde. Die stehen aber nicht in Obernkirchen, sondern wieder in der Nähe von Berlin, auf einer freien Weide, die zu einem ehemaligen LPG-Gelände gehörte. "Ach, wenn ich dort hinfahre, das ist so schön", sagt sie. "Das ist wie ein nach Hause kommen!"

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