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Regionspräsidenten-Wahl: Die Kandidaten im Interview / Heute: Ralf Kleyer (parteilos)

„Ich muss niemanden mit Posten versorgen“

Springe. Es geht nicht nur um Europa bei der Wahl am 25. Mai: Um das Amt des Regionspräsidenten kämpfen parallel gleich sechs Kandidaten. Der NDZ stellen sich alle Bewerber zum Interview. Mit dem parteilosen Bewerber Ralf Kleyer sprach Christian Zett, Chef vom Dienst.

Ralf Kleyer

Springe. Es geht nicht nur um Europa bei der Wahl am 25. Mai: Um das Amt des Regionspräsidenten kämpfen parallel gleich sechs Kandidaten. Der NDZ stellen sich alle Bewerber zum Interview. Mit dem parteilosen Bewerber Ralf Kleyer sprach Christian Zett, Chef vom Dienst.

Sie haben sich mit ihren früheren Parteifreunden von den Piraten angelegt, mit ihren Ratskollegen in Hemmingen und mit Herrn Jagau. Streiten Sie gerne?

Eigentlich nicht. Aber ein deftiger Streit gehört zur Politik dazu. Ich bin ein Querdenker, sage meine Meinung und schlucke ungern was runter. Dabei trage ich manchmal mein Herz auf der Zunge. Mich regt auf, wenn sich Leute Kraft ihres Amtes über etwas hinwegsetzen zum Beispiel über den Wunsch der Bürger. Und das sehe ich auch beim Regionspräsidenten.

Wo zum Beispiel?

Wenn ich auf der B 3 fahre, sehe ich viele Autos aus Alfeld mit neuem ALF-Kennzeichen. Warum können denn die Leute in Springe nicht sagen, sie wollen auch ihr Kennzeichen zurück? Oder es gibt ein ganz neues für die Stadt Eldagsen? So kann man doch Bürgerengagement stärken. Das Argument, die Kennzeichen gefährdeten die Einheitlichkeit der Region, ist doch Kokolores. Man kann keinem eine Identifikation aufzwingen.

Und um sich deftig zu streiten, haben Sie auch kandidiert?

Das ist reiner Idealismus. Ich glaube, die Leute finden es interessant, wenn jemand etwas infrage stellt. Und so lange man lebt, kann man etwas verändern. Für mich war die Kandidatur richtig hart, ich musste wochenlang kämpfen, um 420 Unterschriften zu sammeln. Aber so kann man den Leuten zeigen, dass man etwas machen kann.

Und was erwarten Sie sich? Regionspräsident werden Sie wohl eher nicht.

Ich will mich nicht schlechter reden, als ich bin. Vielleicht komme ich ja in die Stichwahl? In der Politik braucht man Mut. Und Mut ist bei den etablierten Parteien nicht vorhanden. Niemand hat die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ich muss eben keine Rücksicht nehmen; ich muss niemanden mit Posten versorgen. Ich bin ein Lobbyist für den Bürger.

Reden wir mal über Themen. Wie wollen Sie das Gebührenproblem bei der Müllentsorgung lösen?

Also erst mal finde ich es unmöglich, wenn der CDU-Kandidat Axel Brockmann plakatiert mit „Müllchaos stoppen.“ Sehen Sie irgendwo ein Müllchaos auf den Straßen? Und dem Bürger pauschal zu unterstellen, er würde im Zweifelsfall seinen Abfall wild entsorgen, ist ein absoluter Hammer.

Grundsätzlich bin ich aber ein Freund der Verbrauchsabrechnung: Wer viel erzeugt, soll viel bezahlen.

Das ließe sich ja fast nur mit einem Chip in einer Mülltonne messen.

Warum nicht? Woanders funktioniert das doch auch. Wo ist denn in diesem Fall die Bürgerbeteiligung, von der man immer so viel redet? Wenn man sich nur mal anguckt, wie das mit den Säcken ablief: Wer sich nicht ausdrücklich gewehrt hat, der kriegt jetzt eine Tonne. Das ist nicht sehr bürgerfreundlich.

Die Springer interessiert auch, wie es mit ihrem Krankenhaus weitergeht.

Meine Idee ist, Gehrden dicht zu machen und Springe zu erweitern.

Ist nicht ihr Ernst.

Die geografische Verteilung ist doch so viel besser. Von Gehrden kommt man schnell nach Hannover, aber Springe ist ja noch weiter weg.

Aber in Gehrden investiert die Region doch gerade Millionen für einen Ausbau.

Es wird schon so viel Geld verplempert. Lieber jetzt ein Ende mit Schrecken. Als Kompromiss nach dem Motto: „Ich geb dir was, du gibst mir was“, könnte man dann die BBS in Springe zumachen und alle Berufsschul-Standorte in Hannover konzentrieren. Da könnte dann ein Kompetenzzentrum entstehen, das seinen Namen auch geografisch verdient. Hannover ist von überall gut zu erreichen.

Und von was bezahlen Sie das alles?

Da wird es Diskussionen drüber geben, wir schütteln den Haushalt richtig durch. Bei meinen bisherigen Versuchen werden mir als Regionsabgeordnetem ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen. Wenn mir die Bürger eine Chance geben, da richtig ranzugehen...

Das klingt ja so, als wenn alle, die da jetzt sitzen, ihren Job nicht richtig machen.

Nein! Aber es werden überall Stellen geschaffen; es geht überall um Versorgungsposten. So etwas müssen wir aufdecken und öffentlich machen. Das ganze System basiert auf solchen Zwängen. Da liegt nichts an einzelnen Mitarbeitern. Brauchen wir denn wirklich eine große Klimaschutzagentur, brauchen wir eine große Wirtschaftsförderung?

Wie sind die Reaktionen der Leute, wenn Sie ihnen das alles erzählen?

Die Leute, mit denen ich rede, sind desillusioniert. Sie glauben nicht mehr an die Politik. Aber ich will meinen Kindern später nicht sagen, ich habe es nicht versucht. Ich glaube, wir finden Geld für das, was wir wollen. Es geht vieles besser. Und dann geht es auch den Leuten besser.




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