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Oli. P – Wenn das Auflegen zur Passion wird - „Alles passiert in diesem Augenblick“

„Ich liebe es, wenn die Turntables rotieren“

„Bei mir gibt es nichts, was vorgefertigt ist – alles, was man an Musik hört, passiert in diesem Augenblick. Natürlich ist die Musikauswahl wichtig – da mache ich mir auch einen Kopf, versuche bereits im Vorfeld meine ganze Kreativität abzurufen“, erklärte uns Oli kurz vor seinem Auftritt in Detmold.

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Begonnen hat alles mehr oder weniger vor zwei Jahren im „Coellner“, einem kleinen Laden in Köln.

Oli: Ich war damals sehr oft Gast in einer geilen Bar, doch die Musik hat mich tierisch genervt. Das habe ich dem Besitzer auch gesagt, der mir daraufhin mit den Worten: ,Dann mach du es doch besser‘ sein iPod auf den Tisch gelegt hatte. Gesagt, getan – die Leute haben getanzt, der Besitzer war zufrieden – so bin ich zu meinem ersten Job gekommen, muss aber noch hinzufügen, dass ich nicht ganz so unvorbereitet an die Sache herangegangen bin. Ich habe einem Kumpel bereits seit einiger Zeit beim Auflegen über die Schultern geschaut. Danach habe ich mir mein eigenes Equipment gekauft und habe angefangen zu lernen.

Das nicht alles Gold ist was glänzt, musste auch Oli.P zu Beginn seiner DJ-Karriere feststellen, denn wer als Schauspieler oder Sänger erfolgreich ist, muss es noch lange nicht als DJ sein.

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  • Ja, da kommt Freude auf - Oli. P beim 3-Stunden-Auflege-Marathon in Detmold.
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  • Oli. P beim Soundcheck vor seinem Auftritt in Köln.

Oli: ,Ach da kommt wieder einer vom Fernsehen und versucht aufzulegen‘ – diese Sprüche muss ich mir teilweise auch heute noch anhören. Man muss die Leute auch verstehen, denn viele meiner Kollegen sind auch wie ich unterwegs, schmeißen aber oft nur eine CD rein und drücken auf ,Play‘ – das ist für mich aber nicht ,auflegen‘. Ich mixe unter anderem Johnny Cash mit Busta Rhymes, Nelly Furtado mit Roland Kaiser oder Scooter mit Michael Jackson – und das alles geschieht zeitnah.

Eigentlich ist mein Programm für vier Turntables ausgerichtet, das bekommst du aber in den meisten Läden nicht hin – zwei Plattenspieler reichen mir aber.

Meist steht Oli. P mehrere Stunden hinter den Reglern – wenn das Publikum gut drauf ist, wird auch schnell mal die Nacht zum Tag gemacht.

Oli: Vor ein paar Tagen habe ich in einem Laden acht Stunden aufgelegt – bis dato mein Rekord. So eine Marathon-Veranstaltung geht natürlich an die Substanz. Da war ich morgens um 6 Uhr im Bett, aber nach drei Stunden bereits wieder auf den Beinen. Eigentlich bin ich gar kein Nachtmensch, denn ich stehe fast jeden Tag um 7 Uhr auf und bringe meinen Sohn zur Schule. Wenn ich dann aber erst einmal wach bin, kann ich auch nicht mehr einschlafen.

Auch in diesem Jahr war der gebürtige Berliner wieder als Sänger, DJ und Moderator nonstop „on the road“ oder zu Dreharbeiten im Fernsehstudio. Bis Mitte des Jahres stand Oliver Petszokat, so heißt Oli. P mit bürgerlichem Namen, als Piet Vogel in der SAT1-Telenovela „Hand aufs Herz“ vor der Kamera. Im April 2011 gab der Multiworker sein Debüt am Ballermann, trat dort im „Oberbayern“ und „Bierkönig“ auf. Zudem konnte man den Tausendsassa auf der diesjährigen „Pokémon Day 2011“-Tour als Moderator in zehn deutschen Städten bewundern.

Oli: Es ist natürlich schön, dass ich meist auf vier Hochzeiten zugleich tanzen kann, müsste ich mich jedoch für eine Sache entscheiden, würde bei mir im Moment die Arbeit als DJ oberste Priorität genießen. Auflegen ist eine ehrliche Sache, ähnlich wie das Theaterspielen. Hier musst du dir den Erfolg tagtäglich aufs Neue erarbeiten. In Stuttgart stand ich für das Theaterstück „Ausgerechnet Hamlet“ 57 Mal auf der Bühne – jeden Abend ein anderes Publikum – das war sehr aufregend. Bei anderen Jobs bist du oft auf andere Leute angewiesen – da wird manchmal bei den CD-Käufen getrickst, dem Produktionschef passt dein Gesicht nicht, da geht es um Einschaltquoten und viele andere Dinge, die du aber selbst nicht beeinflussen kannst.

Oli. P ist Perfektionist, hat in den letzten zwei Jahren viele Top-DJ’s getroffen, ihnen bei ihrer Arbeit auf die Hände geschaut und dazugelernt. Inzwischen legt er nicht nur in Deutschland auf, sondern lässt die Turntables auch in der Schweiz, Luxemburg und Österreich rotieren. Jeder Auftritt ist eine neue Herausforderung für den Wahl-Kölner, der sich mittlerweile perfekt im Tasten-Labyrinth seines Equipments auskennt und so jeden Tanztempel zum Kochen bringt. Trotzdem wird er immer wieder mit Tatsachen konfrontiert, die bei ihm auf Unverständnis stoßen.

Oli schmunzelnd: Vor zwei Wochen war ich erst in einer Stadt am Auflegen, hatte später dann aber auch noch in einer anderen Stadt einen Job als DJ. Um pünktlich am Veranstaltungsort zu sein, bin ich sehr offensiv gefahren und war auch letztendlich pünktlich da. Und jetzt haltet euch fest: Es waren keine Plattenspieler da. Ich habe die Organisatoren höflich gefragt, ob ich mit einem Zauberstab auflegen oder den Platten auf dem Finger die Töne entlocken sollte.

„I’m Like A Bird – Dich zu lieben, – I’ll only fly away – Dich berühren“ – Nelly Furtado meets Roland Kaiser – der Mix macht’s – und der stimmt bei Oli. P.



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