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„Ich brenne darauf“

Bad Münder. Morgens Kabinettssitzung in Hannover, nachmittags Innenminister-Konferenz in Berlin. Gepanzerte Limousine, Personenschützer, die ihn auf Schritt und Tritt bewachen. Das war einmal. Heute fährt Uwe Schünemann Fahrrad, im Schlepptau zahlreiche Parteifreunde. Und Ehefrau Ines, die ihn bei vielen Wahlkampfauftritten begleitet.

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Der frühere Innen-, Sport- und Polizeiminister hat sich schnell in seine neue Rolle als Landratskandidat hineingefunden. So ganz fremd ist ihm die Kommunalpolitik ohnehin nicht. Im Gegenteil: Noch bis vor zwei Jahren hatte er neben der Landespolitik in seiner Holzmindener Heimat zahlreiche Ämter auf Kreis- und Gemeindeebene inne, war ehrenamtlicher Bürgermeister und Ratsvorsitzender. Bis heute steht er an der Spitze des CDU-Kreisverbands Holzminden – ein Posten, den er vor 16 Jahren übernahm. „Ich habe immer gern Kommunalpolitik gemacht“, sagt er. Um auf Bundes- oder Landesebene etwas durchzusetzen, brauche man oft einen sehr langen Atem. Dagegen ließen sich im Lokalen viel schneller Ergebnisse erzielen. „Und ich bin jemand, der gern konzeptionell arbeitet, sich klare Ziele setzt“, sagt er.

Das hat er auch sofort getan, nachdem ihm im Juni die Parteifreunde aus Hameln-Pyrmont die Landratskandidatur anboten. „Am nächsten Tag habe ich mich hingesetzt und ein Konzept geschrieben“, verrät Schünemann. „Jetzt brenne ich darauf, es umzusetzen.“

Unter dem Titel „Weserbergland-Plan“ hat der CDU-Mann zusammengefasst, was er im Fall eines Wahlsiegs anpacken will. Ganz oben steht: „ein Leitbild für die Region“. Dazu will er „Entscheider an einen Tisch holen“.

Das Weserbergland brauche dringend einen Wachstumsmotor und müsse sich vor allem auf seine Stärken besinnen. Für Schünemann sind das die Bereiche Gesundheit, Energie und Bildung. Bad Münder etwa habe mit Einrichtungen wie der Deutschen Klinik Herausragendes zu bieten, während Hameln mit der Technischen Akademie und der Hochschule Weserbergland immer mehr Profil gewinne. „Nur kaum jemand weiß, dass dort auch erfolgreich Wirtschaftsingenieure ausgebildet werden.“ Es müsse darum gehen, in diesen Bereichen verstärkt zu investieren und alle sich ergebenden Fördermöglichkeiten auszuschöpfen. Für denkbar hält Schünemann auch, „Forschungseinrichtungen in die Region zu holen“.

Wichtig seien all diese Anstrengungen nicht zuletzt, um dem demografischen Wandel etwas entgegenzusetzen, glaubt Schünemann. Derzeit geschehe es noch viel zu häufig, dass junge Menschen nach dem Schulabschluss der Region den Rücken zukehren, weil sie hier keine beruflichen Perspektiven für sich sehen. „Wir müssen sie schon im Kindergarten abholen und ihnen frühzeitig Entwicklungsmöglichkeiten vor Ort aufzeigen.“ Schließlich spreche viel für ein Leben im Weserbergland: „Eine schöne Landschaft, eine gute Anbindung an die Landeshauptstadt und eine intakte Gemeinschaft.“

Ist es im Wahlkampf ein Nachteil, als Kandidat aus dem Nachbarkreis Holzminden zu kommen? „Ich bin mit Weserwasser getauft. Da kann ich gar nicht fremdeln“, schüttelt Schünemann schmunzelnd den Kopf und fügt dann wieder ernst hinzu: „Die Probleme sind in beiden Kreisen sehr ähnlich. Auch wenn es in den nächsten fünf Jahren keine Fusion geben wird, brauchen wir doch als Weserbergland den engen Schulterschluss.“

Dafür wirbt er derzeit auf seiner Fahrrad-Wahlkampftour. Bad Münder war am Donnerstag die vorletzte Station. Bei schweißtreibenden Temperaturen ließ sich der 48-Jährige von Parteifreunden zeigen, wo sie der Schuh drückt. Gemeinsam fuhr der kleine Tross erst nach Nettelrede, dann in der Gegenrichtung zum Deisterbahnhof und wieder zurück in die Innenstadt. Während einige Teilnehmer sich die Sache mit einem E-Bike etwas leichter machten, strampelte Schünemann ehrgeizig auf einem herkömmlichen Fahrrad. Wer brennt, hat auch Energie.mf



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