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NDZ-Interview mit Multitalent Patricia Vonne – „Der typisch spanische Fingerabdruck ist mir wichtig“

„Ich achte sehr darauf, alles zweisprachig zu produzieren“

Ohne Zweifel gehört Patricia Vonne zu den innovativsten und vielseitigsten Künstlern unserer Zeit. Die gebürtige Texanerin überzeugt seit Jahren als Sängerin und veröffentlichte bis dato mit „Patricia Vonne“ (2003), „Guitars And Castanets“ (2005), „Firebird“ (2007), „Worth It“ (2010) und „Rattle My Cage“(2013) fünf respektable Studioalben. Zudem schrieb sie den Song „Traeme Paz“ für den Film „Once Upon A Time In Mexico“ mit Antonio Banderas und Johnny Depp, wirkte in den Kinostreifen „Desperado“ als Bargirl sowie als Dallas in „Sin City“ mit – nicht immer einfach für eine Allround-Künstlerin, alles unter einen Hut zu bringen.

Patricia: „Ich liebe die Abwechslung – das alles ist eine Erweiterung zu dem, was ich als Sängerin mache. Als ich Anfang der 90er Jahre nach New York zog, war das Leben dort nicht immer einfach für mich. Ich hatte viele Gelegenheitsjobs, bis man mir einige lukrative Jobs als Model anbot. In dieser Zeit arbeitete ich sehr viel in Japan, Italien, Spanien und Griechenland – hatte aber immer mehr oder weniger den kommerziellen Druck im Nacken. Im Laufe der Zeit entwickelst du aber einen gewissen Überlebensinstinkt – was mir bei meiner weiteren Arbeit auch geholfen hat, immer hart an mir zu arbeiten.“

Bereits in der Kindheit hörte Patricia spanische Folklore, gesungen von ihrer Mutter, erlernte das Klavierspielen und wurde unter anderem von texanischen Music-Heroes wie Stevie Ray Vaughan beeinflusst. Ein Grund mehr für Vonne, auf ihren Alben auch spanisch gesungene Songs mit einfließen zu lassen.

Patricia: „Ich achte sehr darauf, alles zweisprachig zu produzieren. Da ich in einer mexikanisch-spanischen Familie aufgewachsen bin, ist es oft vorgekommen, insbesondere in der Schule, dass Spanisch unterdrückt wurde – so haben viele Kinder die Sprache einfach nicht gelernt. Als ich angefangen habe Songs zu komponieren, hat mich damals die Band „The Cruzados“ sehr beeinflusst. Der Bandleader, Tito Larriva, hat mich auch inspiriert, dass ich meine Platten zweisprachig aufnehme. Es ist sehr wichtig für mich, meine Latina-Herkunft aufrecht zu erhalten. So setze ich unter jedes meiner Alben meinen typisch spanischen Fingerabdruck.“

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Tito Larriva war es auch, der Patricia Vonne 2002 einen Job in seiner Band „Tito & Tarantula“ anbot – eine Zusammenarbeit, von der sie noch heute schwärmt.

Patricia: „Ich habe Tito das erste Mal 1995 in Mexico beim Dreh von „Desperado“ getroffen. Auf dem Soundtrack sind drei Songs von Tito und seinen Jungs zu hören. Ich habe daraufhin den Titel „El Cruzado“ für ihn geschrieben, was zur Folge hatte, dass er mich 2002 als Bandmitglied für seine Europa-Tour engagierte. Ich sang, spielte Gitarre, Keyboards, Mandoline und Kastagnetten – ein Traum wurde für mich wahr. Das Kuriose war: Ich konnte zunächst eingentlich keine Mandoline spielen – ’Zeig es mir, dann spiele ich auch Mandoline für dich‘, habe ich ihm gesagt.“

Wie ihr Bruder, der Kultregisseur Robert Rodriguez (Once Upon A Time In Mexico, Desperado, From Dusk Till Dawn, Machete, Sin City) ist Vonne ein Multitalent. Sie wirkte nicht nur in den oben genannten Filmen mit, sondern komponierte auch Filmmusik wie „Traeme paz“ für „Once Upon a Time In Mexico“ und „Mudpies & Gasoline“ für „Hellride“ von Quentin Tarantino. Desweiteren schrieb sie gemeinsam mit BossHoss das Lied „Still Crazy About Elvis“, das auf der CD „Liberty of Action“ erschienen ist und wirkte in deren Video „Don’t Gimme That“ mit. Die Zusammenarbeit mit den Jungs aus Germany begann vor zwei Jahren in Austin/Texas.

Patricia: „Die haben im „Continental“, dem angesagtesten Club in Austin, gespielt. Der Musiker Jimmie Vaughan, Gründungsmitglied und Ex-Sänger der „Fabulous Thunderbirds“, hatte damals den Kontakt hergestellt. Ich erhielt eine Einladung von der Band und bin hingefahren. Ich war von dem Auftritt begeistert und habe die Gruppe dann auch backstage getroffen. Die Frage, ob ich in ihrem Video für den Song „Dont‘ Gimme That“ mitwirken möchte, habe ich bejaht – das war der Beginn unserer Zusammenarbeit. Später habe ich dann für BossHoss noch den Text für ihren Song „Still Crazy About Elvis“ geschrieben. Ich hoffe, dass mir die Jungs mal wieder in Deutschland über den Weg laufen.

Patricia Vonne gilt als exzellente Songschreiberin – ihrem Team gehören bekannte Namen wie die Rockabilly- und Country-Legende Rosie Flores an, mit der sie den Song „This Cat’s In The Doghouse“ für ihr neues Album „Rattle My Cage“ schrieb. Besonders gefreut hat sie die Zusammenarbeit mit Cock Robin-Gründer Peter Kingsbery (The Promise You Made).“

Patricia: „Peter ist in Austin/Texas aufgewachsen und was Songwriting betrifft ein Genie. Ich habe Kontakt mit ihm aufgenommen und wir haben in Zusammenarbeit den Song „Bitter Need“ geschrieben. Das Lied gehört zu meinen Favoriten auf dem aktuellen Album und hat einen wunderschönen Text.“

Neben Patricia und ihrer Schwester Angela Lanza (Schauspielerin) ist Kult-Regisseur Robert Rodriguez das wohl bekannteste Gesicht in der Familie Rodriguez. Als Produzent, bzw. Regisseur der Filme „From Dusk Till Dawn“, „Spy Kids“, „Sin City“ und „Desperado“ gehört er zu den bekanntesten und erfolgreichsten Filmemacher weltweit. Kein Wunder also, dass er seine Schwester Patricia musikalisch unterstützt und sie auch gern für Nebenrollen in seinen Filmen berücksichtigt.

Patricia: „Auch in seinen neuen Filmen „Spy Kids“ und „Machete Kills“ werde ich wieder zu sehen sein. Auch für mein neues Album hat Robert, zusammen mit mir, einen Titel beigesteuert – nämlich den reinen Instrumental-Song „Mexicali de Chispa“. Eine familiäre Zusammenarbeit, die mir immer besonders viel Freude bereitet.“

Am 13.07.13 ist ihr aktuelles Album „Rattle My Cage“ europaweit erschienen – die Release-Tour läuft noch bis zum 4. August 2013 – am 10. September wird der Longplayer dann in den USA veröffentlicht.

Was für ein Sängerin, Songschreiberin und Schauspielerin – Patricia Vonne bei „Mudpies & Gasoline“, einen Song, den sie für Quentin Tarantinos Film „Hellride“ schrieb.

Patricia wird von ihren Musikern immer auf Händen getragen. Von links: Gitarrist und Ehemann Robert LaRoche, Drummer Jan Pohl und Bassist Harmen De Bresser.

Das 30-minütige Interview führten wir mit Patricia beim „Blues, Roots & Song Festival“ in Schneverdingen.

Foto: Jürgen Becker




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