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Vertrag mit dem Grundstückseigentümer ist unterschriftsreif / Politik gibt grünes Licht für das Projekt

Holz-König-Brache wird „Lebenshilfezentrum“

Hameln (ni). Auf dem Scharnhorstgelände war sie nicht erwünscht, an der Gröninger Straße erlitt sie schon im Vorfeld Schiffbruch mit dem Bauträger. Jetzt ist die Lebenshilfe bei ihrer mühsamen Suche nach einem geeigneten Platz für das geplante „Lebenshilfezentrum Hameln“ endlich ein gutes Stück vorangekommen: An der Ruthenstraße, auf dem ehemaligen Holz-König-Gelände, hat der Verein ein rund 4700 Quadratmeter großes Grundstück für die Verwirklichung seines Projektes in Aussicht.

In den Köpfen der Verantwortlichen existiert die Idee schon lange, und darum hat das Konzept für das Zentrum auch bereits Gestalt angenommen. Es soll mehr sein als nur ein Wohnheim, soll Angebote für Menschen mit einer Behinderung und deren Angehörige bündeln und sich auch den Nichtbehinderten öffnen. Die passende Hülle für diese Inhalte muss noch entwickelt werden. Von drei Architekturbüros will die Lebenshilfe Vorschläge einholen, wie ein Gebäudekomplex am Weserufer aussehen könnte, der nicht nur dem Konzept und den Bedürfnissen von Bewohnern und Besuchern gerecht wird, sondern auch optisch ansprechend ist.

Die wesentlichen Bausteine für das geplante Zentrum stehen fest. Vorgesehen ist danach unter anderem ein Wohnheim mit 36 Plätzen – einige davon für Menschen mit schwersten körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Damit, so der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Rüdiger Zemlin, komme die Lebenshilfe dem Wunsch vieler Eltern nach, „die ihr Kind gern hier in Hameln behalten möchten“. Bislang seien sie gezwungen, auf Einrichtungen in Hannover oder Hildesheim auszuweichen, weil es in Hameln und Umgebung keine Heimplätze für schwerst mehrfach behinderte Menschen gebe. Sie durch eine Erweiterung des Lebenshilfe-Domizils an der Leuthenstraße zu schaffen, sei vom Verein zwar ins Auge gefasst, aber wieder verworfen worden. Vor allem die Eltern hätten sich dagegen ausgesprochen, weil der steile Weg bergab in die Stadt und bergauf wieder zurück in das Heim für alle auf den Rollstuhl angewiesenen Bewohner nicht zu bewältigen wäre.

Geplant sind in dem Zentrum auch Beschäftigungsangebote für Menschen, die aus dem Arbeitsleben in der Werkstatt für Behinderte ausgeschieden sind. Die aber noch zu jung sind, um den ganzen Tag lang nur die Hände in den Schoß zu legen, und die glücklich sind, wenn sie noch eine Aufgabe haben und „noch gebraucht werden“, so Zemlin. Ein „integratives Café, das sich zur Weser öffnet, vielleicht ein Kanuverleih oder auch ein Kiosk“, wären denkbare Aktivitäten im Rahmen dieser sogenannten tagesstrukturierenden Maßnahmen.

Rüdiger Zemlin

Der „Familienentlastende Dienst“ der Lebenshilfe soll ebenfalls in das Zentrum einziehen. Er unterstützt Familien, in denen Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit einer Behinderung leben. Dort können Eltern ihre Kinder stundenweise betreuen lassen, wenn sie einkaufen, sich einen Theaterbesuch gönnen oder einfach nur mal durchatmen wollen. Der Dienst organisiert Ferien- und Freizeitangebote für behinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene; und er springt stundenweise, tageweise oder auch mehrere Tage ein, wenn Betreuung gebraucht wird, weil Angehörige erkrankt sind oder so erschöpft von der belastenden Pflege, dass sie eine Auszeit brauchen.

Für die Lebenshilfe sei das Grundstück an der Ruthen-straße als Standort für das Zentrum „ideal“, sagt Zemlin. Allein die unmittelbare Nähe zur Weser bedeute „viel Lebensqualität“. Bedenken, die Ruthenstraße sei doch eher abgelegen von urbanen Wohngebieten, und ein dort angesiedeltes Zentrum könnte darum mehr zur Isolation von Menschen mit einer Behinderung führen als zu ihrer Integration in die Gesellschaft beitragen, entkräftet der liberale Hamelner Ratsherr mit zwei Gegenargumenten: Zum einen wäre die Hamelner Innenstadt für Bewohner und Besucher der Einrichtung auf dem Weg über die Promenade schnell und bequem zu erreichen. Und zum anderen „rückt das Haus noch mehr in die Mitte, wenn sich Weserufer und Hafen in den nächsten Jahren weiter entwickeln“. Die Belebung dieses Gebietes, seine Aufwertung mit dem Ziel, es durch geeignete Freizeitangebote attraktiver für Einheimische und Touristen zu machen, steht schon lange auf der Agenda der Hamelner Stadtentwicklung. „In den nächsten zehn Jahren wird sich da viel tun“, ist Zemlin überzeugt.

Nachdem die Lebenshilfe jahrelang und vergeblich nach einem Standort für das Zentrum gesucht hat, möchte sie das Projekt jetzt zügig angehen. Den Baubeginn für das Wohnheim als ersten Bauabschnitt fasst der Verein bereits für nächstes Jahr ins Auge. 2011 soll das Haus fertig sein. Gestern Nachmittag gab der Hamelner Bauausschuss der Lebenshilfe grünes Licht für ihr Vorhaben. Bedenken äußerte allein Albrecht Garbe von der Bürgerliste. Seine Befürchtung: Die Nutzung des Weserufers für Tourismus und Freizeit „wird schwieriger“, wenn fast die Hälfte des 10 000 Quadratmeter großen Holz-König-Geländes von der Lebenshilfe beansprucht werde.




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