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ÖSSM: Sorgenkinder sind Wiesenvögel und Zugvögel / Seeadlerpaar beim Brutgeschäft gestört

Hoffen auf Rückkehr der jungen Fischadler

Steinhuder Meer (rd). Der Flachsee im Norden des Schaumburger Landes gehört zu den wichtigsten Schutzgebieten in Deutschland. Rund 150 Vogelarten brüten hier, mehr als in den meisten Gegenden Deutschlands. Darunter sind auch seltene und besonders beeindruckende Vogelarten wie Kranich, See- und Fischadler, Brachvogel und Bekassine zu finden. Zurzeit ist der Abzug vieler Brutvögel in die Winterquartiere im Gange. Damit ist die Zeit für die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) gekommen, eine Bilanz zur vergangenen Brutsaison zu ziehen. Und die fällt gemischt aus, wie Thomas Brandt, wissenschaftlicher Leiter der ÖSSM, berichtet.

Erfreulich sei der Brutbestand der Kraniche, so Brandt. Am Steinhuder Meer zogen sechs Paare ihre Jungen auf. Aufgrund der trockenen Witterung im Mai und Juni waren die Vögel dabei recht erfolgreich, denn Schlechtwetterperioden sind eine der Hauptverlustursachen junger Kraniche. Tragisch verlief es dagegen bei den Seeadlern. Eines der beiden Paare verschwand spurlos, als in Nestnähe Bäume gefällt wurden. Ein kleiner Trost war es, dass das zweite Paar des sehr scheuen und störungsempfindlichen Wappenvogels Deutschlands immerhin einen Jungvogel aufzog. Besser lief es bei den kleineren Fischadlern. Auf einem von derÖSSM konstruierten Kunsthorst zogen sie drei Jungvögel auf und waren damit das dritte Jahr in Folge erfolgreich. "Fischadler verbringen die ersten zwei Jahre ihres Lebens in Afrika oder Südeuropa. Im nächsten Jahr kehren hoffentlich die ersten am Steinhuder Meer geschlüpften Jungvögel hierherzurück und siedeln sich hier an. Um vorbereitet zu sein und um die Ansiedlungschancen zu erhöhen, haben wir mittlerweile weitere Kunsthorste an sicheren Stellen installiert", sagt der Diplombiologe. Neben den Erfolgen am Steinhuder Meer gibt es aber auch zwei Gruppen von Sorgenkindern. Wiesenvögel wie Kiebitz, Brachvogel und Rotschenkel tun sich nach wie vor schwer. Ein nachhaltiges, ungelöstes Problem sei, dass jährlich Hunderttausende der in Mittel- und Nordeuropa brütenden Vögel auf dem Heimzug gejagt werden. "Allein in Frankreich sind es fast eine halbe Million Kiebitze jährlich, doppelt so viele wie in Deutschland, wo die Vögel nicht geschossen werden, brüten!" so Thomas Brandt. Dass lebensraumverbessernde Maßnahmen bei anderen gefährdeten Vogelarten helfen können, zeigt das Beispiel Wachtelkönig. 2008 besetzten die äußerst seltenen, zudem heimlichen und fast ausschließlich nachts zu hörenden Vögel in den Feuchtwiesen am Steinhuder Meer 14 Reviere, mehr als in den letzten 15 Jahren zuvor. Mit einem vor Ort unlösbaren Problem sieht sich die ÖSSM ebenfalls konfrontiert. Die Zahl einiger Langstreckenzieher, das sind die Vogelarten, die südlich der Sahara überwintern, geht unaufhaltsam zurück. Brandt: "Mitte der 1990er Jahre lebten am Steinhuder Meer beispielsweise noch über 30 Braunkehlchenpaare; heute sind sie hier ausgestorben. Die Art hat innerhalb von nur zehn Jahren landesweit um mehr als 80 Prozent abgenommen." Die Rückgangsursachen seien in diesem Fall in den Winterquartieren zu suchen. Dort würden zunehmend Feuchtgebiete trockengelegt und die Landnutzung intensiviert. Das zeige, wie wichtig neben dem Naturschutz vor Ort auch grenzüberschreitende Schutzbemühungen zum Erhalt der Artenvielfalt sind.




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