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Serie: Die Hausnummer 1 / Auf dem Hof Wessel arbeiten zwei Generationen

Hof ist zukunftsfest: Ein maßvolles Wachstum - und mehrere Standbeine

Kohlenstädt (who). Der Hof Wessel ist dasälteste Anwesen in Kohlenstädt und wird noch heute als landwirtschaftlicher Betrieb geführt. Ein Beleg aus dem Jahr 1655 bezeugt: die frühere Hausnummer 1 ist seit mindestens zehn Generationen in Familienbesitz. Für Eckhard Wessel keineswegs ein Anlass, zu viel in die Vergangenheit zu schauen.Der junge landwirtschaftliche Unternehmer arbeitet daran, seinen Hof zukunftsfest zu erhalten.

Das Haupthaus stammt aus dem Jahr 1864. Der Hof selber, für den Claus Kuhlmann als Besitzer und Vorfahr genannt ist, muss schon lange vor 1655 bestanden haben. "Ältere Unterlagen gibt es nicht, weil die Kirchenbücher im 30-jährigen Krieg vernichtet worden sind", erklärt Elsbeth Wessel. Sie ist auf dem Bauernhof ihrer Eltern aufgewachsen und hat ihnmit ihrem Ehemann bis 1999 verantwortlich bewirtschaftet. Der Agrar-Ingenieur und Landwirtschaftsmeister Wilhelm Wessel ist wie seine Frau mit der Landwirtschaft groß geworden und stammt ebenfalls von einem Bauernhof mit der Hausnummer 1, im benachbarten Ahe. Schon der heutige Altbauer hatte mit seiner Bereitschaft, neue Wege zu gehen, die Weichen für die Zukunft gestellt. "Wir waren mit die ersten Landwirte in der Gegend, die die Ährenbehandlung durchgeführt haben." Er erinnert sich, wie er dafür anfangs belächelt worden ist - heute ist die Technik längst Standard. Bewusst haben die Wessels rechtzeitig den Generationenwechsel vollzogen. Seit 1999 bewirtschaftet der Sohn und Dipl.-Ing. agr. Eckhard Wessel den Hof, zu dem neben 40 Hektar Eigenland weitere 35 Hektar Pachtland gehören. Die Entscheidung zum Einstieg ist ihm nicht sonderlich schwergefallen: "Ich hatte wirklich Lust dazu, Landwirt zu sein." Als erste große Modernisierungsmaßnahme hat Eckhard Wessel im Jahr 2001 einen Offenstall errichtet, weil er sich für den Ausbau der Milchproduktion entschieden hatte. Der Stall für artgerechte Haltung hat eine Kapazität von 70 Milchkühen. "Früher, als noch mit der Hand gemolken werden musste, haben wir höchstens zehn Kühe gehabt", erinnert sich Elsbeth Wessel. Ihr Sohn hat für sich persönlich im Blick: "Wenn landwirtschaftliche Betriebe heute weitergeführt werden sollen, dann braucht es ein gewisses maßvolles Wachstum." Deshalb verzichtet er auf die Vorhaltung eines großen eigenen Maschinenparks und arbeitet stattdessen mit Lohnunternehmen zusammen. Oder mit einem Kollegen aus Rohden, mit dem er bei den Arbeiten auf Feldern und Grünland kooperiert: "Maschinen kosten viel Geld und auch wenn man sie hat, braucht man jemand zur Bedienung." Zu Wessels Unternehmerphilosophie gehört auch, sich nicht nur auf ein einziges Standbein zu verlassen. Ein Beispiel dafür ist die Photovoltaikanlage auf dem Kuhstall-Dach. Die 156 Module speisen rund 30 000 Kilowattstunden pro Jahr ins Leitungsnetz ein und tragen zum positiven Betriebsergebnis bei. Und Eckhard und Steffi Wessel haben nach dem Streik der Milchbauern festgestellt: "Viele Leute interessieren sich wieder für die Landwirtschaft." Der Streik habe "offenbar eine positivere Wahrnehmung der Landwirte in der Öffentlichkeit zur Folge gehabt hat", vermuten die beiden. Seit ihrer Heirat vor zwei Jahren läuft sich Steffi Wessel sozusagen warm in ihrem Leben als Ehefrau eines Landwirts. Zurzeit zweigleisig, denn ihren Beruf als Arzthelferin will sie noch weiter behalten. "Es ist aber für mich von vornherein klar gewesen, dass ich auf dem Hof mitarbeiten würde", sagt sie. Die Arbeit auf dem Bauernhof und die Arbeit mit den Tieren sei zu einem Ausgleich zu ihrer Arbeit in der Arztpraxis geworden. Insgesamt schätzt Steffi Wessel wie ihre Schwiegermutter die Vorteile eines Lebens auf dem Bauernhof: "Allein schon wenn ich daran denke, dass ich auf diese Weise jeden Tag mit meinem Mann zusammen sein kann."




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