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"Umflut": Fachmann warnt vor Verlust von 25 000 Euro EU-Geld / Suche nach Lösung geht weiter

Hochwasserschutz zwischen Baum und Borke

Bad Eilsen/Hannover. Beim Hochwasserschutz sieht sich die Gemeinde zwischen Baum und Borke. Zwölf Menschen, zwölf Meinungen.

Kann durch diesen Durchlass das Hochwasser in die Schlammteiche

Autor:

Thomas Wünsche

Nach einem Ortstermin im Kurpark, an dem neben Bürgermeister Horst Rinne die Spitzen von Rat und Samtgemeinde sowie ein Experte vom "Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz" (NLWK) teilgenommen haben, steht fest: Das Land wird die bereits zugesagten EU-Mittel in Höhe von 25 000 Euro nur dann locker machen, wenn Bad Eilsen am ursprünglichen Antrag festhält und die Wassermassen künftig großflächig in den Gartenanlagen des Kurparkes staut. Eben das aber will zumindest Rinne nicht mehr, der nach dem jüngsten Hochwasser vom 22. März (wir berichteten) um den Zustand des "Aushängeschildes", aber auch um das Hallenbad und die Tennisplätze fürchtet. Die ganz große Lösung, Lieblingsidee der Gemeinde, das Wasser aus den Gartenanlagen aueabwärts in die früheren Schlammteiche weiterzuleiten, trägt wiederum das Land nicht mit, denn sie geht über den Antrag hinaus. Und zu allem Überfluss gibt es auch noch Diskrepanzen bei den Messergebnissen: Planer Thomas Zerner (I-LEX, Bückeburg) hat per Laser andere Geländehöhen ermittelt als GEUM.tec (Hannover) per GPS. Welche Werte nun stimmen ist völlig unklar. "Mittel vom Land Niedersachsen gibt es nur, wenn Sie die Gebäude aueaufwärts der Bahnhofstraße vor einem 100-jährlichen Hochwasser schützen wollen", machte NLWK-Mitarbeiter Jens Schatz deutlich. Und ergänzte: "Wenn Sie den Schutz des Kurparks jetzt über Ihr Ursprungsziel stellen, kann ich Ihnen nicht helfen. Dann sitze ich in drei Minuten wieder im Auto Richtung Hannover." Das tat er freilich nicht. Die Mahnung des Landesexperten - "Zerquetschen Sie nicht den Spatz, den Sie mit dem Zuschuss in der Hand haben" - noch im Ohr, machte sich die Runde beim ausgedehnten Gang durch die Gartenanlagen auf die Suche nach dem Stein der Weisen. Gefunden hat ihn vielleicht Zerner. Denn dem Planer ist es nicht entgangen, dass es hinter den Tennisplätzen einen betonierten Durchlass im Bahndamm gibt. Ein Nadelöhr zwar, aber immerhin. Vielleicht, so seine Überlegung, lasse sich das zunächst im Kurpark gestaute Wasser gleichsam durch die kalte Küche von hinten in die Schlammteiche leiten. Die müssten dann nicht einmal vertieft werden. Die Alternative, von Zerner gleichfalls aufgezeigt, könnte darin liegen, das gestaute Wasser zwischen der "Denkmalbrücke" und der Zufahrt zu den Tennisplätzen wieder in die Aue zu leiten; dadurch würde die Brücke, die sich am 22. März wegen ihres im Bachbett stehenden Pfeilers als Engpass ähnlich des Tuffsteinbrunnens entpuppt hatte, umgangen.Problem hier: Weil an der angedachten Eintrittsstelle ein Regenwasserkanal in die Aue mündet, kann das Gelände zum Bach hin maximal 50 Zentimeter abgesenkt werden. Entschließt sich Bad Eilsen in einem späteren - zweiten - Bauabschnitt zu eben diesem Schritt, wäre vielleicht ein Folgezuschuss möglich, stellte Schatz in Aussicht. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Gemeinde zunächst den Ersten macht und damit den Raum Heeßen vor Hochwasser schützt. "Abgesehen davon", orakelt Rinne mit Blick auf Eilsens Bürgermeister Bernd Schönemann, "wäre ja auch ein Zuschuss von anderer Seite möglich".

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