weather-image
Thema beschäftigt Rinteln weiterhin / Auch in den Ortsräten auf der Tagesordnung

Hochwasseropfer klagen: Verband hat Exter sträflich verwildern lassen

Rinteln (wm). Der Starkregen, der am 21. August Häuser in Exten, Krankenhagen und Uchtdorf, dazu in der Kendalstraße unter Wasser gesetzt hat, lässt die Bürger nicht mehr los. Viele Geschädigte, so zeigten Diskussionen in Exten und Krankenhagen, sehen mit als Schuldigen für das Ausmaß der Überschwemmung den Unterhaltungsverband Exter-Wesertal, der die Pflege der Exter sträflich vernachlässigt habe. Ein Exter-Anwohner: "Bei uns ist ein Kirschbaum in die Exter gekippt. Ich habe fünfmal angerufen. Der Kirschbaum blühte, trug Früchte, dann brüteten Vögel - niemand hat sich darum gekümmert."

Ähnlich urteilt man in der Kendalstraße: Der Bauhof habe den Entwässerungsgraben zuwachsen lassen. Ortsratsmitglied Ursula Mücke beanstandete, schon Pfingsten habe die Kendalstraße unter Wasser gestanden, Anwohner damals den Zustand des Entwässerungsgrabens moniert, passiert sei nichts. Am heutigen Dienstag steht das Thema auf der Tagesordnung des Ortsrates Krankenhagen, der um 19 Uhr im Gasthaus Kuhlmann tagt. Am Mittwoch diskutieren betroffene Bürger aus dem Extertal im Café Rickbruch und am Mittwoch, 7. November, wollen sich morgens um 9.30 Uhr die Ortsbürgermeister mit ihren Kollegen aus Lippe, Vertretern des Wasserverbandes und der Bezirksregierung Detmold im Rintelner Rathaus treffen. Bei allen Treffen geht es um die Frage: Wie kann man die Schäden bei solchen Naturereignissen begrenzen - die, und diese Sorge schwingt im Hintergrund mit - künftig häufiger zu erwarten sind, als bisher angenommen. Für Kommunalpolitiker in Lippe am Oberlauf der Exter war Hochwasser bis zum 21. August kein Thema - dann verwandelte sich die Landesstraße in einen Fluss, Bremke und die frisch renovierte Turnhalle in Bösingfeld standen unter Wasser. Seitdem, so auch Ortsbürgermeister Gerhard Werner aus Krankenhagen, habe in Lippe ein "Umdenken" stattgefunden. Diplom-Ingenieur Carsten Schwitalla vom Ingenieurbüro "Stadt, Land, Fluss" aus Hannover hat es in seinem Gutachten deutlich formuliert: Hochwasserschutz müsste an den Zuflüssen der Exter, also im Lippischen, beginnen. Ein Regenrückhaltebecken am Bögerhof wäre bei einem Ereignis wie am 21. August in zehn Minuten voll gelaufen. Ebenso wenig Wirkung hätte ein "Entlastungskanal" in der Feldmark in Exten, hatte Schwittalla ermittelt. In Exten hat sich in der vergangenen Woche im Gasthaus "Zur Post" unter Regie von Hermann Bünte und Susanne Hampel eine Bürgerinitiative gegründet, um den Hochwasserschutz voranzutreiben. Doch dass selbst einfache Maßnahmen nicht ohne Tücke sind, zeigte die Diskussion über die Frage, ob man Sandsäcke in großem Mengen für den Fall X einlagern sollte. Meinung der Feuerwehr: Macht keinen Sinn. Die Feuchtigkeit des Sandes lasse die Säcke verrotten - ob aus Jute oder Plastik. Ein Feuerwehrmann berichtete: "Wir haben Plastiksäcke von einer Palette gehoben, die meisten sind einfach zerplatzt." Zumindest für die Kendalstraßen-Anwohner besteht Hoffnung auf eine Lösung: In dieser Woche soll ein Ortstermin stattfinden, um zu klären, ob es sinnvoll ist, ein Rückhaltebecken nördlich der Straßenmeisterei zu bauen, das die Wassermassen nach Starkregen aufnehmen könnte. Erste Maßnahmen sind hier realisiert worden: So ist der Graben geräumt, am Pumpenhaus sind Wasserbausteine eingebaut, der Rost des Durchlasses erneuert und Kanaldeckel ausgewechselt worden. In Exten wie in Krankenhagen ist die Lage schwieriger. Schwittalla empfahl deshalb den Anwesenden im Gasthaus "Zur Post", sie sollten zunächst in die Sicherung ihrer Häuser und Grundstücke investieren. Vorgeschlagen wurde auch die Einrichtung eines "Frühwarnsystems": Doch anders als die Weser kommt das Exterhochwasser nach starken Regenfällen in ein bis zwei Stunden. Warnen müsste also eigentlich der Wetterbericht.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt