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Integrierte Gesamtschule soll 6,4 Millionen Euro kosten / Erweiterung um gymnasiale Oberstufe käme noch obendrauf

Hiobsbotschaft für die Stadt: IGS wird doppelt so teuer

Hameln (wer). „Nicht recht nachvollziehen“ könne sie das „riesenhafte Misstrauen“ gegenüber der Verwaltung, wenn es um Kostenschätzungen für öffentliche Bauprojekte geht, hat Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann jüngst im Stadtrat ihre Kritiker gerügt. Schon morgen dürfte die Rhetorik dezenter ausfallen. Denn im Bau- und Schulausschuss wird die Verwaltung erklären müssen, warum die Kosten für die IGS völlig aus dem Ruder laufen. Statt der ursprünglich geplanten 3,03 Millionen soll die neue Schule jetzt 6,42 Millionen Euro kosten – mehr als das Doppelte. Absehbar, dass angesichts dieser Zahlen nicht nur über die Baupläne, sondern auch über die Wahl des Standortes diskutiert wird.

Im Dezember vorigen Jahres hat der Schulvorstand ein „Raumbedarfskonzept“ für die im Sommer 2011 im Schulzentrum Nord (Sertürner-Realschule und Haus Mileva) an den Start gegangene und jahrgangsweise wachsende IGS vorgelegt. Darauf basieren die von der Verwaltung vorgeschlagenen Ausbaupläne.

Deren Kern bildet ein separater Neubau, der Platz schaffen soll für Musikräume, eine Bibliothek und zusätzliche Sportflächen, die von der IGS und dem Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) gemeinsam genutzt werden sollen. Eine „ganzheitliche Betrachtungsweise“ sei aufgekommen, der Gedanke eines „Schulzentrums“ solle auch nach außen erkennbar werden, schwelgt die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage für den gemeinsam tagenden Stadtentwicklungs- und Schulausschuss. Kalkulierte Kosten allein für das neue Haus „Integra“: 2,45 Millionen Euro.

Und auch wenn dieses Projekt mit Priorität umgesetzt und bis Mitte 2014 abgeschlossen werden soll: Durch die Neuplanung verzögert sich die Fertigstellung von Unterrichtsräumen, was wiederum zusätzliche Mietkosten für Interimslösungen verursacht. Während der Bauphase müssen ganze Jahrgänge in Pavillons umsiedeln.

Und noch ein weiterer Aspekt treibt die Kosten in die Höhe: Der bereits mit 700 000 Euro veranschlagte multifunktionale Großraum im Innenhof der Sertürner-Realschule soll ein weiteres Geschoss erhalten. Auch wenn die zusätzlichen Räume als notwendig erachtet werden, die Entstehungsgeschichte dieser neuen Etage erscheint eher zufällig und improvisiert. Weil sich der ursprünglich auf dem Dach geplante offene Rettungsweg als baurechtlich unzulässig erwies, wird nicht nur dieser überdacht, sondern die komplette Fläche. Untergebracht werden sollen hier diverse Aufenthalts- und Beratungsräume, Toiletten und eine Dachterrasse. Zusätzliche Kosten: 640 000 Euro.

Insgesamt landet die Verwaltung damit bei den genannten 6,42 Millionen Euro und entfernt sich weit von den ursprünglich für Einrichtung und Betrieb der IGS von 2011 bis 2017 geschätzten 3,03 Millionen Euro. Auch wenn sich der Landkreis beteiligen wird (in der Regel übernimmt er die Hälfte) – es wäre ein dicker Brocken, der momentan kaum zu verdauen ist.

„Wir haben eine gravierend andere Ausgangssituation“, bewertet Susanne Lippmann die Entwicklung – völlig überraschend komme sie gleichwohl nicht. „Erst in der Feinplanung hat sich der Raumbedarf herauskristallisiert.“

Vor dem Hintergrund der neuen Zahlen drängt sich die Frage auf: Ist die Gesamtschule am richtigen Standort gestartet? Vorige Woche, in der internen IGS-Begleitkommission, hat Volker Mohr, Fachbereichsleiter für Planen und Bauen, die Sertürner-Schule bautechnisch als „nicht optimale“ Wahl bezeichnet. So gesehen sei der Standort „schwierig“, sagt auch Lippmann: „Ein Neubau wäre in dieser Hinsicht das Beste gewesen.“ Doch der sei bei abnehmenden Schülerzahlen nicht vertretbar. Wegen der Kooperationsmöglichkeiten mit dem AEG sei die Entscheidung für das Schulzentrum Nord „aus schulfachlicher Sicht“ richtig, bekräftigt die Oberbürgermeisterin.

Noch nicht enthalten sind in den sechs Millionen jene Baumaßnahmen im Schulzentrum Nord, die laut Verwaltung unabhängig von der IGS erfolgen müssen. „In erheblichem Umfang“ stünden „Maßnahmen zur Schaffung der Barrierefreiheit, der Inklusion, des Brandschutzes und der laufenden Bauunterhaltung“ an, heißt es in der Vorlage. Dafür veranschlagt Lippmann weitere zwei Millionen Euro für alle Schulen an diesem Standort.

Am Ende wird es auch dabei nicht bleiben. So zeichne sich bereits ab, verrät die Vorlage, dass das AEG mit dem neuen Haus „Integra“ als Kompensation für das an die IGS abgetretene Haus „Mileva“ nicht auskomme und Umbaumaßnahmen im Stammhaus fällig würden. Für das AEG soll deshalb ein eigenes Raumkonzept erstellt werden.

Nicht in der aktuellen Planung enthalten ist außerdem die Erweiterung der IGS um die gymnasiale Oberstufe zum Schuljahresbeginn 2017, wie sie von der Stadt zum Ziel erklärt wird. Wird die Aufstockung um die Sekundarstufe II genehmigt, folgt ein neues Raumkonzept – und mit ihm neue Kosten.

Aus drei werden plötzlich sechs Millionen: Die Kosten für die IGS schnellen in die Höhe.

Fotomontage: Dana




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