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Hilfe, wenn die Gläubiger vor der Tür stehen

BAD MÜNDER. Es geht um Forderungen von einigen Tausend bis zu Schuldenständen von mehr als 100 000 Euro. Mit der gesamten Bandbreite hat Schuldnerberaterin Sabine Scharnewski in ihrer Praxis zu tun.

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Autor:

Mira Colic

In der diakonischen Beratungsstelle ist sie Ansprechpartnerin für Menschen mit Zahlungsschwierigkeiten. Dabei sei kaum eine der 89 Situationen der Menschen, die sie im vergangenen Jahr betreut hat, miteinander vergleichbar.

Obwohl es natürlich Parallelen gebe, „so hat zum Beispiel fast jeder meiner Kunden Schulden bei seinem Handyanbieter“. Und dies ist einer der ersten Punkte, an denen man für eine erfolgreiche Entschuldung ansetzen müsse. Denn eins müsse deutlich gesagt werden. „Jeder Mensch kann in diese Situation geraten.“ Im gesamten Landkreis Hameln-Pyrmont ist die Schuldnerquote 2015 leicht gestiegen – von 12,40 auf 12,48 Prozent – und liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 9,92 Prozent. Damit sind in Deutschland weiterhin rund 6,7 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet.

Die Bandbreite der Anzahl und Höhe der Forderungen variiert ebenso wie die Zahl der Gläubiger. Dabei spielt auch die Zeitspanne zwischen erster finanzieller Krise und dem Aufsuchen der Beratungsstelle eine Rolle, so Scharnewski. Es gebe etwa Menschen, die frühzeitig zur ihr kämen, weil der Verlust des Arbeitsplatzes absehbar ist. „So können auch Haushalte, in denen bisher alles in Ordnung war, schnell in Bedrängnis geraten.“ In diesen Fällen werde gezielt nach Einsparpotenzialen gesucht. Dabei lohne es sich immer, die Versicherungen zu überprüfen. „Es gibt welche, wie die Hausrat-, Haftpflicht- und Unfallversicherung, die ich niemandem zu kündigen raten würde.“ Aber wer in finanziellen Schwierigkeiten stecke, könne wohl auf die für Glasbruch verzichten. Auch Sparverträge könne man zeitweise ruhen lassen, „ohne etwas kaputt zu machen“. Der Wechsel von einem Fitnessstudio zu einem Sportverein, der nur ein Zehntel der Kosten verursache, sei außerdem sinnvoll. „Ich rate auch zu einem Haushaltsbuch, das gibt es sogar als Handy-App, um zu schauen, wo das Geld eigentlich bleibt.“

Aber Scharnewski warnt davor, sich bei finanziellen Engpässen alles zu versagen. „Denn dann droht die soziale Isolation.“ Betroffene vermieden das Treffen im Café oder lehnten Einladungen ab, weil sie sie nicht erwidern könnten.

Die Zahlen, die die Diakonie in ihrem jüngsten Jahresbericht veröffentlicht hat, zeigen, dass der größte Teil der Schuldner zwischen 41 und 60 Jahre alt ist – also in einer Lebensphase, in der Erwerbstätigkeit eine große Rolle spiele und die Überschuldung sich als ein Hemmnis auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar macht. 41 Prozent der Hilfesuchenden hat keine Ausbildung. „Natürlich ist die Gefahr bei geringqualifizierten Menschen höher, in Fallen zu tappen und auf Lockangebote reinzufallen.“ Schulden treffen aber nicht nur bildungsferne Menschen, 54 Prozent der Ratsuchenden in Bad Münder haben eine abgeschlossene Ausbildung, drei Prozent einen Hochschulabschluss.

Als häufigsten Grund, warum aus einer Verschuldung eine Überschuldung wird, sei laut Scharnewski in dem Wegfall eines Einkommens, beispielsweise durch Arbeitslosigkeit, Erkrankung oder im Scheitern einer Selbstständigkeit begründet. „Ein Risiko ist der permanente Niedriglohn. Da muss dann nicht viel passieren, um in die Überschuldung zu kommen.“ Ein defektes Haushaltsgerät oder eine Autoreparatur genüge. Aber auch Scheidung oder Tod des Partners sowie eine Suchterkrankung können Auslöser sein.

Wie lange sie brauche, um sich einen Überblick über die Schuldensituation zu verschaffen, liege immer daran, wie organisiert die Klienten seien. Manche kämen mit gut sortierten Ordnern, andere mit einem Karton voller ungeöffneter Schreiben. Manche würden das Thema von sich wegschieben, „weil Schulden auch immer mit Schuldgefühlen verbunden sind“. Nach erfolgreich abgeschlossenen Beratungen – 19 hatte Scharnewski im vergangenen Jahr – seien sich die Klienten einig: „Sie wollen nie wieder Schulden machen und verzichten auf den Handyvertrag zugunsten einer Prepaid-Karte.“

Die Beratung bei Sabine Scharnewski an der Angerstraße ist nur nach Terminabsprache möglich: 05042/ 503440 oder per E-Mail an sabine.scharnewski@beratungsstellen-hameln.de.



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