weather-image
Tipps, wie Igel in dieser Jahreszeit unterstützt werden können

Hilfe für den Stachelritter

Igel gehören zu den häufiger beobachteten Gästen in Hausgärten und Parkanlagen. Da Igel sehr bekannt und wegen ihrer Erscheinung sehr beliebt sind, wollen viele Menschen den Tieren gerne helfen, vor allem mit Fütterungen und Überwinterung im Haus. Doch Igelpflege im Haus ist nur in ganz wenigen Ausnahmefällen erforderlich und gesetzlich erlaubt. Igel sind durch das Bundesnaturschutzgesetz § 39 Abs. 1 ganzjährig geschützt. „Das Hauptaugenmerk beim Igelschutz muss auf dem Lebensraum und den Lebensbedingungen des Igels liegen, denn Igel sind Wildtiere und keine Haustiere“, so Nick Büscher, Vorsitzender der Nabu-Gruppe Rinteln.

270_008_6669171_ri_Igelschutz_1610.jpg

Was macht ein Igel im Winter?

Igel halten Winterschlaf. Dazu suchen sie meistens im November bei anhaltenden Bodentemperaturen um 0° C ein Winterquartier, zum Beispiel Laub- und Reisighaufen, auf. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit sind Igel im beginnenden Herbst auch tagsüber aktiv. Insbesondere die Jungtiere müssen sich für den bevorstehenden Winterschlaf noch einige wertvolle Fettreserven anfressen.

Während der Winterschlafzeit verlieren Igel 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts. Igel wiegen je nach Jahreszeit und Geschlecht im Durchschnitt etwa 1000 Gramm. Bringen Jungigel Anfang November, im Flachland etwa Mitte November, weniger als 500 Gramm auf die Waage, sind sie als hilfsbedürftig einzustufen. Allerdings sind auch erfolgreiche Überwinterungen bedeutend leichterer Tiere bekannt geworden. Ihr Winterquartier nutzen sie bei Schlechtwetterperioden bis in den April und Mai.

Dürfen Igel gefüttert werden?

Grundsätzlich gilt: Igel sind Wildtiere, keine Haustiere. Zufüttern ist bei Igeln nur vor und nach dem Winterschlaf als kleine Unterstützung gerechtfertigt. Nicht artgerechtes Futter führt zu Verdauungsstörungen, zudem werden an Fütterungsstellen leicht Infektionskrankheiten übertragen. Gefüttert werden sollten nur nicht verderbliche Hundetrocken- oder Softfutter, auf keinen Fall Speisereste, Dosenfutter oder Katzennahrung.

Milch wird von Igeln zwar getrunken, sollte aber dennoch nicht angeboten werden, da es aufgrund ihres hohen Milchzuckergehaltes zu Durchfall kommen kann. Schwachen Tieren flößt man mit einer Plastik-Einwegspritze (ohne Nadel) ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein. Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht, ist der Tierarzt aufzusuchen.

Sollte Igeln geholfen werden?

Igel überleben den Winter auch ohne menschliche Hilfe. Igelforscher haben nachgewiesen, dass auch kleinere Jungtiere in der Natur wesentlich größere Überlebenschancen haben als allgemein angenommen wird. „Insbesondere haben im Haus überwinterte Igel erhebliche Anpassungsschwierigkeiten, wenn sie im Frühjahr wieder in die Natur entlassen werden“, so Büscher.

Der Nabu spricht sich für einen artgerechten Igelschutz aus, daher in erster Linie für Lebensraumschutz, Verbesserungen des Lebensraumes in Siedlungen sowie „Entschärfen“ von Igelgefahrenstellen. Die winterliche Inpflegenahme sollte die Ausnahme sein und muss fachkundig erfolgen.

Was kann jeder Einzelne tun?

Büscher rät: „Bieten Sie in Ihrem Garten Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten wie niedriges Buschwerk, Laub- und Reisighaufen für Igel an. Die beste Igelhilfe ist eine naturnahe Gestaltung des Gartens! Schaffen Sie Überwinterungsquartiere, indem Sie zum Beispiel ein Igelhäuschen bauen. Verzichten Sie auf englischen Rasen und exotische Gehölze im Garten. Gestalten sie Ihren Garten ohne kleinmaschige Zäune, damit sich Igel frei fortbewegen können.

Kein Abbrennen von Reisighaufen ohne vorheriges vorsichtiges Umsetzen. Vorsicht beim Mähen sowie bei Aufräumungs- und Rodungsarbeiten: In Haufen und Holzstapeln können sich Igelnester befinden! Kellerschächte, Gruben etc. sind Tierfallen, die abgedeckt werden sollten. Baugruben, Kabel- und ähnliche Gräben (auch an Straßen) auf hineingefallene Igel kontrollieren und Opfer aus ihrer misslichen Lage retten. Rettungsplanken für Teiche bzw. an Wasserbecken mit steilem, glattem Rand anbringen, damit sich Igel im Notfall selbst retten können.

Keine Schlagfallen aufstellen oder Schutznetze gegen Vögel am oder bis zum Boden verwenden. Kein unnötiger Chemieeinsatz im Garten: Schöpfen Sie bei der Schädlingsbekämpfung umweltverträgliche Alternativen aus. Sorgen Sie regelmäßig für frisches Trinkwasser, zum Beispiel mit einem Vogelbad oder einer Vogeltränke im Garten. Verzichten Sie auf Laubsauger. Fahren Sie im nächtlichen Straßenverkehr igelbewusst: Zusammengerollte Igel zwischen die Reifen nehmen (bei 15 Zentimeter Bodenfreiheit). Im Herbst ist oft mit Igeln in der Dämmerung zu rechnen.“ red/dil



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt