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Ehemaliger Baumarkt ist heute Berufsbildungszentrum: Wo Heimwerker einkauften, lehren jetzt Profis

Hier werden Arbeitslose für Jobs fit gemacht

Rinteln (wm). Drei Jahre hat der ehemalige Marktkauf-Baumarkt am Bahnhofsweg leer gestanden. Im April mietete dann das Technologie- und Berufsbildungszentrum Paderborn (tbz) die Immobilie. Alle Anwohner atmeten auf, dass sich Gerüchte wie hier ziehe ein Disco ein oder gar ein Gaststätte speziell für Türkenhochzeiten, nicht bewahrheiten hatten.

Herwin Grimmelt führt die Teilnehmer seines Kurses in die wichti

Inzwischen herrscht auf dem rund 9000 Quadratmeter großen Areal reges Leben, denn das Bildungszentrum kann neben der großen Halle auch die Freiflächen nutzen. Die umgestaltete Immobilie - der Bildungsträger investierte hier einen sechsstelligen Betrag - soll demnächst offiziell eröffnet und bei dieser Gelegenheit auch den Nachbarn vorgestellt werden. Wie tbz-Regionalleiter Jörg Östermann gestern bei einem Rundgang erläuterte, werden hier Jugendliche, Langzeitarbeitslose wie andere Personen mit einem Handicap in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Schaumburg für den Arbeitsmarkt fit gemacht. Da gibt es so genannte Eignungsfeststellungsmaßnahmen, das heißt, die Kandidaten werden erst einmal getestet, für welchen Berufszweig sie Talent, Eignung wie Motivation mitbringen. Wer zwei linke Hände hat, dafür organisatorisch wie mathematisches Verständnis sitzt besser an einem Computer als an einer Werkbank. Wer sich für "Kenntnisvermittlung" anmeldet, hat dagegen schon ein konkretes Ziel vor Augen, beispielsweise handwerkliche Grundkenntnisse für Metallarbeiten oder in der Altenpflege zu erwerben. Dem schließe sich dann meist ein Praktikum in einem Betrieb an, schilderte Östermann. Zwei Sozialpädagogen und eine Büromitarbeiterin sind in Rinteln fest angestellt, die Ausbilder, meist Meister (oder mit ähnlicher Qualifikation) werden als Honorarkräfte rekrutiert - hier in Abstimmung mit dem Jobcenter. Erste Lehrgänge laufen bereits: So bietet Burghard Baumann zurzeit seinen Kursteilnehmern einen Einblick in die Motorrad- wie Fahrradtechnik. Herwin Grimmelt verschönert mit seinen Schülern das Außengelände mit frischen Grün. Dabei lernen die Kursteilnehmer Grundlagen des Landschafts- und Gartenbaus, beispielsweise, wie man ein Pflanzbeet anlegt, ein Dach begrünt und sogar Pflasterarbeiten. In einem neu aufgebauten Gewächshaus können angehende Floristen ausprobieren, wie man Trauerschmuck oder Gestecke für Festtafeln arrangiert. Auf der Freifläche vor dem großen Rolltor können Interessierte den Gabelstablerführerschein machen. Wolfgang Christel schult in den Grundlagen der Metall- wie Elektrotechnik: Bei ihm wird gelötet und geschweißt, Leitungen unter Putz gelegt und einfache Schaltungen montiert. Wer diesen Kurs durchläuft, ist fit für eine Hausmeisterstelle. In der großen Halle gibt es Boxen, wo man Malerarbeiten in allen Schwierigkeitsgraden ausführen kann: Beispielsweise rund um ein Fenster tapezieren, sogar eine Lackierwerkstatt. Jedes Handwerk hat seinen eigenen Bereich, aber die Halle ist offen geblieben. Man habeüberlegt, so Östermann, Trennwände einzuziehen, aber dann im Sinne einer angenehmen Arbeitsatmosphäre darauf verzichtet. Im ehemaligen Bauhof-Bürogebäude sind Unterrichtsräume, unter anderem mit PC-Arbeitsplätzen, ein Konferenz- wie Aufenthaltsraum, dazu Sanitär- und Umkleideräume (getrennt nach Damen wie Herren) eingerichtet worden. Obwohl Kurse je nach Bedarf eingerichtet werden und zwischen drei und sechs Wochen dauern, gehtÖstermann geht davon aus, dass die Bildungseinrichtung in Rinteln lange Jahre erhalten bleibt, weil es nicht so aussieht, als würde der tbz die Kursteilnehmer ausgehen - da brauche man nur einen Blick auf die Lage des Arbeits- und Ausbildungsmarktes werfen. Östermann: "Das ist für uns eine Investition in die Zukunft."

Burghard Baumann (2.v.l.) repariert mit seinen Kursteilnehmern F
  • Burghard Baumann (2.v.l.) repariert mit seinen Kursteilnehmern Fahrräder, die unter anderem Fahrrad-Guder zur Verfügung stellt. Hier im Gespräch mit Regionalleiter Jörg Östermann (l.).
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