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Hier rocken Schaumburgs Musik-Talente

Es ist 19 Uhr und der Saal füllt sich langsam. An den Seiten des Rintelner Brückentorsaals sind ein paar Stuhlreihen aufgestellt, denen ich dankend entgegen laufe. Mehrere Stunden würde ich heute nicht mehr aushalten, zumal ich ja auch irgendwie Notizen machen muss. Neugierig blicke ich mich um. Viele Leute sind noch nicht da, aber es ist ja auch noch ein wenig Zeit, bis die Bands auf die Bühne kommen, um ihren Fans einzuheizen!

Autor:

Luisa Sofia Brockhage

Bereits zum sechsten Mal veranstalten Robert Pflug und seine Frau Annette Pflug-Herdrich den Bandcontest „Made in Schaumburg“. Was nach einem netten kleinen Unterhaltungsabend klingt oder wie ein Etikett auf einem Kleidungsstück, kann für die Teilnehmer allerdings eine Chance in der Musikwelt bedeuten. Die ersten drei Plätze gewinnen jeweils einen oder mehrere Aufenthalte in den „profund studios“ der Pflugs in Rinteln. Der erste Platz gewinnt sogar die Aufnahme einer Maxi-CD-Produktion – und das bedeutet natürlich riesige Anspannung aller Bands an diesem Abend.

Hier und da sehe ich, wie sich die einzelnen Bands noch einmal beraten; ihren Auftritt durchgehen oder einfach versuchen sich zu beruhigen und entspannt an die Sache heran zu gehen. Doch ob Entspannung an einem solchen Abend überhaupt möglich ist? Ich kann es mir kaum vorstellen.

Mittlerweile ist es kurz nach halb acht und die Pflugs heißen alle Gäste von der Bühne aus willkommen: „Dieses Jahr wird es wirklich hart, eine Entscheidung zu treffen!“, so Robert Pflug. Von anfänglich zwölf teilnehmenden Bands haben es ganze neun ins Finale geschafft, erklärt er. Und die Vorentscheidung sei schon recht schwierig gewesen.

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„Das Niveau steigt von Jahr zu Jahr““, resümiert Pflug und: „Dieses Mal gehen wir von leise zu laut über“.

Mitreißender Applaus, dann steht die erste Interpretin auf der Bühne. Katharina Engelman ist ihr Name. Sie hat es von den Straßen Berlins hier her geschafft; heute wohnt sie in Großenwieden. Zuerst sieht man nicht mehr als ihren großen bunten Hut, den sie trägt und ihre Gitarre, die sie umgehängt hat.

Doch als sie beginnt zu singen, bekomme ich eine Gänsehaut. Eine so unglaublich schöne Stimme habe ich selten gehört. Ihrem Namen macht sie alle Ehre, indem sie beinahe engelsgleich ihre selbst geschriebenen Lieder singt. Das erste Lied handelt vom Sommer, der, wie sie sagt, ganz gut zur Sehnsucht des fehlenden Sommers in diesem Jahr passe. Eher nachdenklich sind die beiden nachfolgenden Songs: „Der Vogelflug“ handelt vom Getriebensein; wenn einen das Gefühl wo anders hinzugehen treibt, obwohl man weiß, dass man dort, wo man ist, bleiben sollte. Und auch „Und es bleibt Meer“ stimmt die Hörer merklich nachdenklich.

Nachdem sie ihre Songs performt hat, wird sie von tobendem Applaus überrollt. Mit etwas bescheidenem Blick verlässt sie dankend die Bühne und allen im Saal scheint klar zu sein, dass Katharina Engelman für die Bühne geboren ist. Doch eine Zugabe gibt es leider nicht – die Zeit ist knapp bemessen an diesem Abend…

Nach kurzen Umbauarbeiten durch die tatkräftige Technikcrew betreten zwei sehr cool wirkende und eher lässige Typen die Bühne. Beide eine Gitarre vor sich geschnallt. Ihr Name? „Hi, wir sind Mokephone“, lautet die Begrüßung vom Gitarrenduo Eike Jago und Moritz vom Ende. Ihr erster Song „Superfluous feeling“ (engl. Überflüssiges Gefühl) erinnert an eine Mischung aus „John Butler Trio“ und Jack Johnson, also „chillige“ Musik, die auch einen Hauch Blues enthält und ein wenig nachdenklich stimmen kann, wie ihr Song „Big Window“ (engl. Goßes Fenster) beweist.

„Der Song soll ein Appell an alle sein, die Augen ihren Nächsten gegenüber zu öffnen“, sagen sie. Auch sie erhalten tosenden Applaus des Publikums.

Doch als an dritter Stelle die Rintelner Band „Rebels without a Crew“ (engl. Rebellen ohne Crew), bestehend aus den Mitgliedern Franziska Kuhlmann, Nicolai Plier, Tim Sievert, Daniel Jennrich, Justus Requardt, Marius de Terra und Dennis Kölling, auftritt, füllt sich die bis zu diesem Zeitpunkt eher mau genutzte Fläche direkt vor der Bühne. Freunde und Fans der Band machen sich bereit, um die Band tanz- und singkräftig oder auch mental zu unterstützen.

„Um ehrlich zu sein, haben wir alle mega Schiss“, sagt Dennis Kölling, Leadsänger der Rebellen, lachend. Sie haben eher sporadisch ein paar Tracks aufgenommen und eingeschickt und jetzt ständen sie hier auf der Bühne. Doch von Nervosität oder Unsicherheit ist nichts zu bemerken, als sie ihre beiden Songs performen. Mit ihren Songs geht nun auch der „leisere Part“ des Abends zu Ende, denn nach ihnen folgt die Gruppe „Birds on a plane“ (engl. Vögel in einem Flugzeug), die durch Rockmusik überzeugt.

Und auch „Dow“ lässt es sich nicht nehmen laute Töne von sich zu geben; gepaart mit interessanten Headbanging-Auftritten zeigt „Dow“ ihre Heavymetal-Seite.

Harte Konkurrenz kommt dann an sechster Stelle mit der Band „Jope“ aus Stadthagen auf. Jan Möhlenbrock (Gesang und Gitarre), Sheryl Ann Hartmann (Gitarre), Max Möhlenbrock (Bassgitarre) und Ansgar Englich (Schlagzeug) zeigen mit ihren Songs, dass Rinteln tanzen kann – wie von mir anfangs vermutet, sind es Eltern, die eben in diesem Moment, als „Jope“ die Bühne betrat, die Tanzfläche stürmten und sogar Fanbanner in die Höhe halten.

Ihre Songs enthalten definitiv eine rockige Prise, es wurde aber auch beim zweiten Lied etwas kuscheliger. „In dem Song ‚Photograph‘ geht es um einen Typen, der sich wünscht mit seiner Angebeteten für immer vereint zu sein“, erklärt Jan Möhlenbrock.

Zwei weitere Bands („Steelsmith“ und „The Nucleons“), die sich scheinbar dem Rock verschrieben haben folgen danach. Den Abend beschließen dann „Superfluous“ mit ihren deutschsprachigen Songs.

Danach heißt es für die dreiköpfige Jury: Köpfe zusammenstecken und die Gewinner auswählen!

Nach einer guten halben Stunde stand dann das Ergebnis fest: Den ersten Platz macht die leistungsstarke Band „Jope“ aus Stadthagen. „Die Band hat sich in den letzten Jahren sehr weit entwickelt“, beurteilt Robert Pflug im Anschluss anerkennend.

Auf dem zweiten Platz landet die Rockband „The Nucleons“, die sich freudig in die Arme springen und von Pflug-Herdrich gelobt wird: „Ihr habt euch im Vergleich zu den Aufnahmen, die ihr bereits bei uns gemacht habt, 100 Prozent gesteigert.“ Den dritten Platz teilen sich „Superfluous“ und die Rintelner Rebellen.

„Made in Schaumburg“ – eine Chance für Bands, sich zu präsentieren und ihre Musik den Leuten nahe zu bringen. Mich würde es nicht wundern, wenn irgendwann eine dieser Bands den großen Durchbruch schafft. Und ich werde dann sagen können: „Ah, ja. Die kannte ich schon, als sie noch im Brückentorsaal um den ersten Platz bei Made in Schaumburg gekämpft haben“. Ist doch schön zu wissen, dass es solche Talente in der Heimat gibt.

Bands gibt es viele, der Musikmarkt ist riesig. Wer kann sich da – zumindest auf lokaler Ebene – durchsetzen? Um das herauszufinden, hat am Samstag zum sechsten Mal der Wettbewerb „Made in Schaumburg“ stattgefunden. Unsere Zeitung war dabei – und hat die Spannung des Abends miterlebt.

„The Nucleons“ kommen mit ihrem rockigen Sound bei „Made in Schaumburg“ auf den zweiten Platz. Ihnen winken drei Tage Studioaufnahmen.

Die Organisatoren des Schaumburger Band-Wettbewerbs mit den Gewinnern: Annette und Robert Pflug mit den Mitgliedern von „Jope“: Max Möhlenbrock (2.v.l., dann v.l.), Ansgar Englich, Jan Möhlenbrock und Sheryl Ann Hartmann.




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