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Mia-Lana Lührs und die Fossa

Herzensaufgabe: Tiere schützen, wo der Pfeffer wächst

Hamelspringe (st). „Wale retten“ – das ist der Kindheitstraum von Mia-Lana Lührs aus Hamelspringe gewesen. Heute kümmert sich die 30-jährige Diplom-Biologin im Zuge ihrer Doktorarbeit um eine weitaus unbekanntere, aber auch bedrohtere Säugetier-Art: die Fossa auf Madagaskar.

Die Hamelspringer Biologin Mia-Lana Lührs beider Untersuchung einer Fossa.

Für das Göttinger Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Athropologie hat Lührs für ihre Studien in den vergangenen fünf Jahren jeweils drei Monate auf der Insel im Indischen Ozean vor Mosambik verbracht – in einem Forschungscamp mitten im Wald. Die Fossa gibt es nämlich ausschließlich auf Madagaskar – und selbst da ist der Bestand bedroht.

Aber was ist die Fossa überhaupt? „Die Fossa ist das größte wild lebende Raubtier auf Madagaskar“, sagt Lührs – mit einer Länge von bis zu 80 Zentimetern und einem Gewicht von 12 Kilogramm. Optisch ähneln die Tiere einer Katze. Doch anders als so mancher Stubentiger haben die Fossa auf den ersten Blick wenig Liebenswertes an sich – das kurze Fell ist nicht kuschelig, die leicht gedrungene Gestalt nicht elegant, und die blass-gelben Augen blicken kalt und listig. Trotzdem haben die Tiere das Herz der Hamelspringer Biologin erobert.

„Entgegen meinem Kindheitstraum habe ich relativ schnell festgestellt, dass es doch die weniger bekannten und geliebten Tiere sind, denen ich mich widmen möchte.“ Warum? Lührs: „Weil die nicht im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, wodurch ihre Bedrohung noch stärker ist.“ Um Wale würden sich genügend andere Biologen kümmern – und sich beinahe darum streiten, die Tiere schützen zu dürfen. „Bei den Fossa sieht das anders aus“, weiß die 30-Jährige.

Und die Bedrohung der madegassischen Raubtiere ist akut. Der Wald, der einmal die komplette Insel überzog, ist nur noch bruchstückhaft vorhanden. „Und die Fossa brauchen den Wald zum Jagen. Sie fressen meist andere Säugetiere“, sagt Lührs – häufig Primaten. Und da die Fossa ganz oben in der Nahrungskette stehen, trifft sie der Verlust des Lebensraumes am Schlimmsten. „Als Top-Predator, als oberster Jäger, leben nur wenige Tiere auf einer bestimmten Fläche – die brauchen einfach Platz.“

Die Brandrodung, die in erster Linie für den kaum aufzuhaltenden Waldverlust verantwortlich ist, geht laut Lührs stetig weiter. „Die Einwohner wollen das Land für den Ackerbau oder als Weideland nutzen“, sagt sie. Und die Menschen seien schwer davon abzubringen, auf diese Art ihren Lebensunterhalt zu sichern, um ein paar Tiere zu schützen – die auch noch ihre Hühner reißen. „Zahlreiche Fossa fallen den Macheten der Dorfbewohner zum Opfer, wenn sie das Geflügel angreifen.“ Viele Madegassen hätten also wenig für die Tiere übrig. „Ziel müsste es sein, den jungen Menschen, den Kindern das Problem näherzubringen. Die wären vielleicht noch zu überzeugen.“ Das Engagement der Hamelspringerin geht weit über ihre berufliche Aufgabe hinaus – es ist zu einer Herzensangelegenheit geworden.

Dabei war Lührs 2006 gar nicht gekommen, um den Schutz der Fossa voranzutreiben, sondern um deren Sozialverhalten zu erforschen, denn abgesehen von einer 15 Jahre alten Doktorarbeit sei die Art weitgehend unerforscht. Was Lührs mit hochtechnischen Gerätschaften wie GPS-Sendern und Empfängern herausfand, war faszinierend. Geradezu spektakulär gestaltet sich laut der Biologin der Paarungsakt der Fossa. „Die Weibchen begeben sich auf einen Baum und warten dort auf die Männchen. Es sind immer dieselben Bäume, und die Männer kennen diese. Also sammeln sich dort jeweils mehrere Männchen, und es kommt zu einer Orgie“, erzählt Lührs mit einem Schmunzeln. Bis zu sechs Stunden kann dabei ein Geschlechtsakt dauern, ein Weibchen komme so auf bis zu 40 Stunden in der Woche. Ein Vollzeitjob. Das und noch viel mehr hat die Wissenschaftlerin bereits in Artikeln veröffentlicht, die jetzt die Grundlage ihrer Doktorarbeit bilden. Gegen Ende des Jahres soll sie fertig sein.

Ob Lührs sich danach dem Schutz der bedrohten Art widmen kann und will, das steht noch in den Sternen.



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