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Herkulesstaude am Flegesser Bach: „Kampf gegen Windmühlen“

BAD MÜNDER. Jürgen Brockmann hat es am eigenen Leib erfahren: Die Herkulesstaude ist phototoxisch. Der Saft der Staude, die auch Riesen-Bärenklau genannt wird, sorgt unter Sonnenlicht für Verbrennungen, Bläschen und Rötungen auf der Haut. Und eigentlich hat sie auf Brockmanns Land gar nichts verloren.

Von Riesen-Bärenklau umzingelt: Landwirt Jürgen Brockmann (links), Marie Buschmann vom Naturschutzamt des Landkreises und Gerd Stracke vom Unterhaltungsverband Ilse-Hamel. Das kleine Bild zeigt eine verblühte Dolde einer Herkulesstaude aus dem Vorjah
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Denn die Herkulesstaude ist keine heimische Art, sondern stammt aus dem Kaukasus – inzwischen hat sie sich aber in ganz Europa auf brachliegenden Flächen angesiedelt. Und von dort ist sie kaum zu vertreiben, wie Brockmann feststellen musste. Regelmäßig mähen – keine Chance. Vor allem entlang von Flüssen und an Randgebieten, die der Landwirt nicht bewirtschaftet, breitet sich die Pflanze aus. Vereinzelt sind die riesigen Stängel noch aus dem Vorjahr zu sehen, die Blüten getragen haben – und dann ihre Samen rundum auf der Fläche entlang des Flegesser Bachs verteilt haben. Nicht nur, dass sich die Staude rasant in der Fläche ausbreitet: „Durch die Wurzeln werden die Uferbereiche mürbe“, erklärt Gerd Stracke vom Unterhaltungsverband Ilse-Hamel, der derzeit mit Kollegen des Landkreises die 110 Kilometer Ufergebiete in seinem Verantwortungsbereich kontrolliert.

„Es gibt Versuche, solche Flächen mit Schafen zu beweiden“, geht Marie Buschmann vom Naturschutzamt des Landkreises auf eine Idee von Brockmann ein. „Dafür würde ich mir auch wieder welche anschaffen“, sagt der Flegesser. Aber ob das dauerhaft gegen die invasive Art hilft, ist derzeit noch unklar. „Dichter Baumbestand bringt aber schon was“, sagt die Expertin – ohne Licht kann die Staude nicht keimen.

Das hilft aber nicht überall – und schon gar nicht kurzfristig, denn die Herkulesstaude hat schon gekeimt. Unweit der Krainmühle von Brockmann haben an einzelnen Flächen schon zahlreiche Pflanzen große Blätter ausgebildet, die Staude wächst bereits trotz der frostigen Temperaturen. „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt Buschmann.

Bei der Bachschau nimmt Gerd Stracke die Standorte der Herkulesstaude mit auf – systematisch bekämpft wird das Unkraut bisher allerdings nicht. Die Bekämpfung ist außerdem schwierig. „Glyphosat oder andere Unkrautmittel sind nur auf Kulturflächen erlaubt“, erklärt der Verbandsingenieur. Zu den Flüssen müssen Landwirte einen Abstand von 1,20 Meter einhalten – dort dürfen keine Unkrautvernichter gespritzt werden und auch keine Nutzpflanzen ausgesät werden. Fehlen dort Bäume, die Schatten spenden, ist der Platz ideal für die Herkulesstaude.

„Wenn man im Vorjahr eine übersieht oder einfach nicht rankommt, kommt sie im nächsten Jahr vermehrt wieder“, erklärt Buschmann. An Ufer-Bereichen kann die Pflanze nur von Hand ausgegraben, eingetütet und verbrannt werden – bevor sie blüht.



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