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18°

Heiß, heißer, Sommer 2018

BAD MÜNDER. 37 Grad zeigt das Thermometer – es hängt im Rohmelbad, und Aufsicht Nicole Beltner weist ihren Kollegen Torsten Köberle mit einem Schmunzeln drauf hin. Ihr Job kann einer der schönsten der Stadt sein, doch wenn alle anderen abtauchen stehen sie am Beckenrand und schwitzen.

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Autor:

Johanna Lindermann und Jens Rathmann

Grund zur Freude gibt‘s aber dennoch: Anhaltend hohe Besucherzahlen beispielsweise. Das neue Kassensystem des stätischen Freibades arbeitet auf Hochtouren und fehlerfrei, sehr zur Freude des Rohmelbad-Teams. Im Schnitt 850 Besucher zählten die Mitarbeiter seit Beginn der Ferienzeit täglich, am Dienstag wurde sogar die 1000-Besucher-Marke geknackt. „Nicht schlecht für einen normalen Dienstag, oder?“, lacht Köberle.

Was er als „normalen Dienstag“ bezeichnet, sehen andere aber schon als Ausnahmezustand. Überall in der Stadt ist die Hitzewelle ein Thema, und für heute wird noch einmal eine Steigerung der Temperaturen erwartet. Wohl dem, der im Freibad Abkühlung suchen kann, doch das können längst nicht alle. Und so wird an anderen Arbeitsplätzen noch mehr geschwitzt. Wo es geht, wird der Arbeitstag früher begonnen und entsprechend früher beendet. In einigen Branchen werden Außeneinsätze bewusst in die etwas kühleren Morgenstunden verlegt, Ventilatoren und Klimageräte laufen in Büros auf Hochtouren – wenn sich das Lüften verbietet, weil heiße Luft hereinströmt, oft die bessere Wahl. Geschäftsführer halten ihre Mitarbeiter mit Eis und kühlen Getränken bei Laune, andere kümmern sich aber auch bei Backofentemperaturen um das Wohlergehen von Mensch und Tier. Ein Überblick über wirklich heiße Jobs und Tätigkeiten, die erst bei großer Hitze in den Blickpunkt geraten.

Heiße Jobs

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Glühend heiß – in der Glasproduktion wird geschwitzt.

Die heißesten Arbeitsplätze der Stadt – bei Ardagh Glass gibt es die auch dann, wenn draußen die Temperaturen die 30-Grad-Marke nicht übersteigen. Das „heiße Ende“ der Glashütte heißt nicht ohne Grund so: Wo flüssiges Glas mit bis zu 1200 Grad verarbeitet wird, ist es aktuell nicht nur sehr warm, sondern wirklich heiß. An der vorgeschriebenen Schutzkleidung führt aber auch bei gefühlten 60 Grad vor den Maschinen kein Weg vorbei, der Produktionsprozess kann auch nicht unterbrochen werden. Und so hilft nur, für möglichst viel Abkühlung zu sorgen. Wassermelonen und kühle Getränke stehen in der Leitwarte bereit und die Mitarbeiter sind aufgefordert, sich zu bedienen, erklärt der stellvertretende Werksleiter und technische Leiter Torsten Brednow.

Trinken ja – Strickjacke nein

Besonders ältere Leute sind dieser Tage anfällig für eine Dehydrierung oder Kreislaufprobleme. „Wir achten sehr genau darauf, was unsere Bewohner trinken“, berichtet deshalb Awo-Einrichtungsleiter Andreas Przykopanski. Auch Trinkprotokolle würden erstellt. „Außerdem achten wir darauf, dass die Bewohner im Schatten bleiben, die Fenster nicht öffnen und darauf, was sie anziehen.“ Gerade bei Patienten mit Demenz sei das wichtig, die etwa gerne ihre Strickjacke anziehen würden. „Das kommt aber ganz automatisch, denn unsere Mitarbeiter kennen die Bewohner gut“, sagt Przykopanski.

Volle Kanne

Wenn Elke Osterkamp dieser Tage mit dem alten Unimog auf die Koppel zufährt, wird sie von freudigem Blöken begrüßt. Was sie bringt, ist heiß begehrt: Frisches kühles Wasser. Rund 2000 Liter fährt sie derzeit auf die Schafswiese, rund 200 Mutter- und Jungtiere saufen deutlich mehr als an normalen warmen Sommertagen. Aber auch eine Koppel weiter bei den Islandpferden steht das kühle Nass hoch im Kurs. Das große Plus der Wiesen, die Osterkamp derzeit mit Tieren bestückt hat: Sie bieten auch Schatten. „Und der wird von Schafen wie Pferden auch gesucht“, sagt die Landwirtin.

Gut durchgebraten

Während sich einige Menschen in diesen Tagen über klimatisierte Büros freuen können, messen Astrid Völkel und Marita Jackisch ganze 60 Grad an ihrem Arbeitsplatz, den Schaumburger Grillmobilen. „Wir können zwar unser Dach aufmachen, aber da kommt nur heiße Luft rein, das bringt nichts“, sagt Geschäftsführerin Marita Jackisch, die donnerstags Hähnchen auf dem Wochenmarkt in Bad Münder verkauft. Da helfe es nur, viel zu trinken und möglichst jede freie Minute im Schatten zu verbringen – und kreislaufstabil müssten sie und ihre Kollegen sein. Jackisch nimmt es aber gelassen: „Da müssen wir eben durch.“ Um die Hitze für die Verkäufer erträglicher zu machen, schließen die Grillmobile in dieser Woche allerdings bereits um 14 Uhr. Doch kaufen die Menschen jetzt überhaupt Grillhähnchen? „Ja, weil viele Leute bei der Wärme nicht selbst kochen“, erklärt Jackisch. Nur die älteren Kunden blieben momentan eher zu Hause.

Häufiger mal ein Extra-Schluck

Um Haustieren etwas Gutes zu tun, gibt es einige Möglichkeiten. Mit Hunden sollte in den frühen Morgenstunden oder abends Gassi gegangen werden – und dann möglichst nicht auf Asphalt, sondern im Wald oder auf Grasnaben, rät Annette Kloene, die früher als Tierärztin in Eimbeckhausen praktizierte. „Bei seinen Aktivitäten sollte man sich außerdem nach dem Hund richten, auch wenn man sich selbst fit fühlt. Auf keinen Fall sollte man Hunde jetzt am Fahrrad laufen lassen.“ Hunden, die gerne baden, könne man auch Wasser in einem kleinen Becken bereitstellen. Zudem sollten die Mahlzeiten verkleinert und mehr Wasser angeboten werden. Letzteres gilt auch für andere Tiere – wobei Katzen sich von selbst zurückziehen würden. „Kleintiere sollten nicht in Zugluft, wie etwa einem Ventilator, stehen. Ihnen reichen Rückzugsmöglichkeiten und ein Käfig, der nicht den ganzen Tag am Fenster oder in der Sonne steht. Zur Not sollten die Käfige abgedeckt werden“, rät Kloene.



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