×
Schaumburger Gastronomen begrüßen Karlsruher Entscheidung / Einraum-Kneipen von Pleite bedroht

"Heilfroh - denn es geht um unsere Existenz"

Landkreis (crs/jj/jcp/sb). Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Nichtraucherschutzgesetz stößt bei stichprobenartig befragten Schaumburger Gastronomen einstimmig auf Beifall.

"Diese Entscheidung kann auch im Landkreis Existenzen retten", sagt der Vorsitzende des DEHOGA-Kreisverbandes Schaumburg, Klaus Pittack. Die Einraum-Kneipen, die das Bundesverfassungsgericht aus Gerechtigkeitsgründen zunächst in Berlin und Baden-Württemberg vom Rauchverbot befreit hat, hätten bei ihrer Kundschaft geschätzt einen Raucheranteil von 70 Prozent. Laut Pittack hat das Nichtraucherschutzgesetz in Niedersachsen bereits 20 Gaststätten in die Pleite getrieben. Pittack betont, dass es dem DEHOGA nicht um eine generelle Verteufelung des Nichtraucherschutzgesetzes gehe. "Ich selbst finde zum Beispiel Rauch im Frühstücksraum sehr unangenehm." Das Gesetz solle nicht zurückgenommen, sondern "ausgebessert" werden. In der Entscheidung des Verfassungsgerichtes sieht Pittack einen "Schritt in die richtige Richtung". Auch die betroffenen Gastronomen selbst sind erfreutüber das Karlsruher Signal. "Heilfroh" ist der Rintelner Heinrich Meuter: "Ich war richtig glücklich, es geht ja um unsere Existenz." Für den Inhaber der Gaststätte "Zur Schildkröte" in der Brennerstraße kommt die Entscheidung genau zur richtigen Zeit. "Ganz gewaltig" hat Meuter die Einbußennach Einführung des Rauchverbots gemerkt, selbst Stammgäste sind weggeblieben: "Über die Zahlen vom ersten Quartal bin ich ganz schön erschrocken." Die richterliche Unterscheidung zwischen Schank- und Speisewirtschaften hält Meuter für richtig: "Wir müssen von den Getränken leben, da gehört für viele die Zigarette dazu." Auch Karl Stramer von der Rintelner "Marktwirtschaft" spricht von "deutlichen wirtschaftlichen Nachteilen" durch das Nichtraucherschutzgesetz, "das muss gelockert werden". Seine Gaststätte am Rintelner Marktplatz ist eine klassische Einraum-Kneipe - da Stramer jedoch auch Speisen anbietet, wird ein gelockerter Nichtraucherschutz nach dem Willen der Verfassungsrichter ihm wohl nicht zugutekommen. In Bückeburg hat Ruth Lüer ihre Kneipe zum 1. September 2007 in den "Knobelclub Gildestübchen" umgewandelt (wir berichteten). Zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts sagt sie: "Die Änderung ist super. Ich freue mich für die betroffenen Betriebe. Es ist jedoch schade für die Gaststätten, die in einen Umbau investiert haben, dass diese Entscheidung erst jetzt fällt." Sie will ihren Knobelclub mit der geschlossenen Tür weiter beibehalten: "Es ist einfach familiärer." Die Inhaber des Bückeburger Bistros, Judith und Michael Vogt, die einen extra Raucherraum angemietet haben, betrifft die Änderung nicht: "Für uns hat das keine Auswirkungen, da wir Angestellte haben und Speisen servieren. Aber für die kleinen Kneipen freut es uns." Auch Hermann Fenkner, Inhaber der gleichnamigen Bückeburger Gaststätte, begrüßt die Änderung: "Es freut mich für die Kollegen - die Benachteiligung der Eckkneipen, die keine Möglichkeit zur Einrichtung eines Raucherraums hatten, ist aufgehoben." Marco Kosse ist Inhaber des Stadthäger "Dudelsacks". Er sagt: "Wir hatten zwar keine nennenswerten Umsatzeinbußen, weil wir mit unserem Pavillon einen Quasi-Raucherraum geschaffen haben, für den die Gäste nicht allzu weit laufen mussten." Für die Stimmung sei das Trennen von Rauchern und Nichtrauchern allerdings Gift. "Das behindert die Kommunikation, Gruppen werden auseinandergerissen." "In Restaurants sehe ich ein Rauchverbot ja ein", sagt Abdulkadir Duygu, Mitarbeiter des Bistro im Stadthäger Bahnhof. "Aber für eine Kneipe wie unsere geht das doch an der Realität vorbei. 99 Prozent der Gäste rauchen." Deshalb begrüße er die "Feinjustierung", die die Karlsruher Entscheidung auch für Niedersachsen in Aussicht stellt.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt