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Ausstellung in der Sparkasse zeigt handwerkliches Können / Noch keine Lösung für das "Alte Museum"

Handwerker, die wie im Mittelalter bauen können

Rinteln (wm). Vom kommenden Dienstag, 24. April, an bis zum 18. Mai ist in der Kundenhalle der Sparkasse Schaumburg, Klosterstraße, eine Ausstellung über "Handwerk in der Denkmalpflege" zu sehen. Parallel dazu gibt es während der Ausstellung Vorträge, fachliche Beratung und Vorführungen zu diesem Thema.

Ein Anblick, der Denkmalschützer schwärmen lässt: Lehmziegel und

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt, denn Altbausanierung und Denkmalschutz sind wieder ein aktuelles wie kontrovers diskutiertes Thema. Offiziell ist die Innenstadtsanierung abgeschlossen - es gibt von Land wie Bund kein Fördergeld mehr. Die Stadt Rinteln gewährt gegenwärtig nur Zuschüsse für Fassadensanierungen- aus einem Finanztopf, der mit 40 000 Euro nicht allzuüppig ausgestattet ist. Also ist jetzt private Initiative gefragt. Werner Zimmermann vom Arbeitskreis Denkmalschutz im Heimatbund beklagt, in Rinteln sei Stillstand eingetreten. Der Arbeitskreis sieht langfristig gar den Bestand der historischen Altstadt gefährdet. Im Grunde, so Zimmermann, müsse jetzt eine zweite Sanierungswelle in Gang kommen. Zimmermann setzt hier auch auf ein neues städtebauliches Förderprogramm, dass nach seinen Informationen im Jahr 2008 aufgelegt werden soll. Rintelns Baudezernent Reinhold Koch ist da skeptischer: Noch sei das Programm nicht verabschiedet. Außerdem müsse erst geklärt werden, welche Förderrichtlinien dafür festgelegt werden, wer also unter welchen Bedingungen überhaupt eine Chance erhält, hier an Geld zu kommen. An handwerklichem Know-how bei der Rettung historischer Bauten dagegen fehlt es nicht mehr im heimischen Raum. In den letzten 20 Jahren, seit Beginn der Stadtsanierung, haben sich viele Handwerker alte Techniken wieder angeeignet, die bautechnisch wie bauphysikalisch mit dem historischen Bestand im Einklang stehen. Man hat aus Fehlern gelernt - auch, dass moderne Materialien nicht unbedingt mit historischer Bausubstanz harmonieren. Und für viele Handwerksbetriebe ist Altbausanierung ein zweites Standbein geworden. Auf welch hohem Niveau heute die Sanierung historischer Bauten möglich ist, auch das will die Ausstellung in der Sparkasse zeigen, initiiert von den Handwerkskammern in Niedersachsen gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Als der Arbeitskreis Denkmalschutz im Heimatbund vorgeschlug, diese Ausstellung nach Rinteln zu holen und dazu, gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft, ein Veranstaltungsprogramm zu organisieren, habe man bei der Sparkasse sofort zugesagt, betonte deren Marketing-Leiter Werner Nickel. Ins Boot geholt worden sind noch die "Schaumburger Landschaft" und die LBS. Mit der aufwändigen Sanierung des Prinzenhofs hat die Sparkasse ohnehin bereits einen wesentlichen Beitrag für die Erhaltung historischer Bausubstanz in der Innenstadt geleistet. Das Haus, das von der Sparkasse selber genutzt wird, zeigt wie andere Beispiele in der Stadt, dass die Rettung alter Häuser eng mit einem praktikablen Nutzungskonzept verbunden sein muss - im Fall Prinzenhof ist das geglückt. Das Gessnersche Haus am Kirchplatz hat zwar mit Richard Hartinger ein finanzkräftiger Investor gekauft, der sicherstellen kann, dass das Gebäude nicht mehr verfällt - ein Nutzungskonzept ist hier allerdings noch nicht gefunden. Eine Idee soll gewesen sein, war zu hören, neben dem Gessnerschen Haus das alte Fischerhaus aus der Mühlenstraße wieder aufzubauen (dessen Fachwerkbalken zurzeit eingelagert sind) und dann beide Häuser gemeinsam zu nutzen - beispielsweise für eine Gastronomie. Das identische Problem stellt sich beim Nachbarhaus, dem "Alten Museum" - auch hier hängt der Weiterbestand des Gebäudes eng mit einer möglichen Nutzung zusammen, und auch dafür gibt es anscheinend noch kein Konzept. "Bei uns liegen keine Bauanträge dafür vor", bestätigte gestern Reinhold Koch. Nicht im Rahmen der Ausstellung, aber in diesem Kontext hat der Rintelner Architekt Klaus Breitenbach den "Fachwerkpapst", Professor Manfred Gerner, nach Rinteln geholt. Breitenbach: "Dass sich das Thema mit der Ausstellung deckt, ist reiner Zufall." Professor Gerner, Spezialist für Holzbauten, der sogar schon in Tibet und Sibirien tätig war, will am 3. Mai um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses über Fachwerkbauten sprechen.

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