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Zwölf Randgemeinden wurden der selbstständigen Stadt einverleibt

Hameln wollte nur in einen Weser-Großkreis zurückkehren

Hameln-Pyrmont (joa). Am 15. Dezember 1972 schreibt die Dewezet: „Die Stadt Hameln, vom 1. Januar an nicht mehr kreisfrei, aber immerhin im Rang einer selbstständigen Stadt, wird mit über 60000 Einwohnern zahlenmäßig etwa gleich stark sein wie der übrige Landkreis Hameln-Pyrmont.“

Wie hier bei der Eröffnung der Weserbergland-Schau am Stadion am

Vorangegangen war dem eine Gesetzesverabschiedung im niedersächsischen Landtag, mit dem das Landesparlament einen Schlusspunkt unter die Diskussion um die Gebietsreform im Raum Hameln setzte. Im Gebietsänderungsvertrag zwischen Stadt und Kreis wurde in Ausführung des sogenannten „Hamelngesetzes“ die Eingemeindung der zwölf Randgemeinden in das Stadtgebiet festgelegt, das sich damit von bisher knapp 38 auf 102 Quadratkilometer vergrößerte. Zum Hamelner Stadtgebiet gehörten seitdem die ehemals selbstständigen Randgemeinden Afferde, Halvestorf, Hastenbeck, Haverbeck, Hilligsfeld, Klein Berkel, Holtensen, Welliehausen, Unsen, Tündern und Wehrbergen.

Jahrelang hatten zuvor Politiker im Land, Landkreis und in der Stadt Hameln um diese Lösung im Rahmen der Verwaltungs- und Gebietsreform in Niedersachsen gerungen. Aufseiten Hamelns fiel im Hinblick auf eine erneute Zuschlagung der Stadt zu einem Kreisgebiet immer wieder das Argument: Das eigenständige Gepräge der Stadt darf nicht zerschlagen werden! So auch in der Ratssitzung am 14. März 1969, in der eine Resolution verabschiedet wurde. Hierin wurde angeführt, dass Hameln als Gegengewicht zu den Großräumen Hannover und Ostwestfalen in seinem Planungs- und Entwicklungsspielraum gestärkt und nicht durch die Heranziehung zur Kreisumlage finanziell geschwächt werden dürfe. Die territorialen Entwicklungsmöglichkeiten Hamelns dürften nicht durch eigenständige Randgemeinden blockiert werden, hieß es. Denn sollten sich diese Randgemeinden womöglich zu größeren Einheitsgemeinden zusammenschließen, befürchte Hameln eine Einschränkung seiner Expansionsmöglichkeiten. Und schließlich: Die Stadt wollte „nicht in einen Kleinkreis“ (sprich Hameln-Pyrmont) eingekreist werden.

Eröffneten die Überlegungen zur Verwaltungs- und Gebietsreform, die damals in Hannover in verschiedenen Kommissionen durchgespielt wurden, für Hameln doch noch eine ganz verlockende Perspektive: Die Bildung eines Weser-Großkreises, der vom Kreis Holzminden im Süden bis in die Grafschaft Schaumburg im Norden reichen sollte – mit insgesamt 264000 Einwohnern und Hameln als Kreisstadt. Gar nicht anfreunden wollte man sich in Hameln dann aber auch mit einem anderen Vorschlag aus Hannover: Hameln bleibt kreisfrei, und die ehemaligen Kreise Hameln-Pyrmont und Holzminden werden zusammengeschlossen; dann aber mit Holzminden als Kreisstadt. Hierzu Hamelns damaliger Stadtdirektor Rötger Groß in einer Stellungnahme der Verwaltung in nicht öffentlicher Ratssitzung am 25. Juli 1969: Das liege nicht im Interesse der Wirtschaft und der Bürger des Weserberglandes; das wäre verhängnisvoll.

Enttäuschung dann im Oktober 1969 im Hamelner Raum: In Hannover war die Entscheidung gefallen – der große Weserbergland-Kreis war gestorben. Stattdessen hatte die Sachverständigen-Kommission zur Verwaltungs- und Gebietsreform einen Landkreis Hameln-Pyrmont neuen Zuschnitts entworfen, zusammengesetzt aus der nun wieder eingekreisten Stadt Hameln, dem ehemaligen Kreisgebiet, erweitert mit dem südlichen Teil der Grafschaft Schaumburg, der heutigen Stadt Hessisch Oldendorf, und dem südlichen Teil des Kreises Springe, der heutigen Stadt Bad Münder. Die Stadt Rinteln, die zu dem Zeitpunkt auch noch zum Kreis Hameln-Pyrmont sollte und wollte, blieb dann aber doch bei Schaumburg. Dennoch war der Landkreis Hameln-Pyrmont mit 186000 Einwohnern einer der größten im Umkreis.

Am 13. Januar 1970 trat Hameln-Pyrmonts Kreistag zu einer Sondersitzung zusammen, um dem Entwurf des Innenministeriums zur vorgesehenen Abgrenzung des neuen Landkreises grundsätzlich zuzustimmen. Akzeptiert wurde vom Kreistag, dass die Oberwesergemeinden Brevörde, Heinsen, Polle und die Pyrmonter Berggemeinden Vahlbruch und Meiborssen dem Landkreis Holzminden zugeschlagen werden sollten. An den Nachbarlandkreis sollten damit rund 3760 Einwohner und eine Fläche von rund 64 Quadratkilometer abwandern.

Auch die Gemeinde Weenzen wurde in den künftigen Landkreis Alfeld eingegliedert.

Bisher zum Landkreis Holzminden gehörten in der Ithbörde Bessingen, Bisperode und Harderode. Die Gemeinden hatten den Wunsch geäußert, künftig zu Hameln-Pyrmont zu kommen. Da sie raumordnerisch zum künftigen Grundzentrum Coppenbrügge gehörten, wurde auch diese Grenzkorrektur vom Kreistag empfohlen.

In Hameln gab es jedoch noch im August 1971 ein letztes Aufbäumen gegen eine neuerliche Einkreisung der Stadt: In einer an das niedersächsische Innenministerium gerichtete Stellungnahme unterstreicht die Stadt nochmals, dass sie lediglich Bestandteil eines Weser-Großkreises werden wolle, eine Eingliederung in den Kreis Hameln-Pyrmont jedoch nicht für vertretbar hält, da sie dann Aufgaben und Umlage an den Kleinkreis abgeben müsste. Das bedeute eine Schwächung der Stadt.

Der Vorschlag der Landesregierung für den Zusammenschluss von Umlandgemeinden mit der Stadt hingegen wird nachdrücklich begrüßt und auch gleich eine Liste von potenziellen Hamelner Stadtteilen angefügt. Hier wurden Fischbeck und Wehrbergen, Holtensen und Welliehausen genannt. Weitere Eingemeindungsbegehrlichkeiten der Stadt zielten in Richtung Haddessen und Pötzen.

Lesen Sie in der nächsten Folge: Das Ende der Zweigleisigkeit.

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