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Serie "Ausland als Chance": Kristina Wehrmann / Erst als "Nanny" in Australien, dann ein Jahr an der Universität in Sydney studiert

Haie nimmt in Australien kein Surfer ernst - aber die Würfelquallen

Rinteln (wm). Nach ihrem Abitur am Ernestinum war die heute 28-jährige Rintelnerin Kristina Wehrmann ein Jahr als Aupair in Australien, begann danach ihr Lehramtsstudium in Braunschweig und kehrte bald für ein weiteres Jahr nach Sydney an die Universität zurück - kein Urlaub, in diesem Jahr hat sie alle Englisch-Scheine gemacht. Zurzeit ist sie wieder in Rinteln, absolviert ihr Referendariat in der Nähe von Celle und denkt längst wieder über Australien nach: "Mindestens ein paar Jahre möchte sie Down Under als Lehrerin arbeiten. Die Australier, erzählt sie im Haus ihrer Eltern am Grenzweg auf der heimischen Terrasse vor einem blühenden Garten, "sind einfach lockerer, freundlicher, weltoffener, nicht so verbissen. Die gehen surfen, wenn die Wellen super sind, danach eben bis Mitternacht ins Büro. Dort wird auch viel gearbeitet - aber eben anders."

Schon nach dem Abitur stand für Kristina Wehrmann fest, wenn ins Ausland, dann nach Australien: "Die USA waren mir nicht exotisch genug." Den Kontakt zu einer australischen Familie, wo Kristina Wehrmann ein Jahr als Aupair-Mädchen, als Nanny, arbeitete - dabei auch zwei Monate als Backpacker durchs Land reiste - vermittelte eine Patentante. Am meisten erstaunt habe sie bei ihrer Ankunft, dass der Leistungskurs Englisch am Ernestinum keineswegs garantiert, dass man in der Alltagssprache fit ist, vor allem weil Australier Abkürzungen lieben: Wie soll man drauf kommen, dass mit Iron (Eisen) das Bügeleisen gemeint ist und mit Mossies Moskitos und Barbie für Barbecue steht. Und was heißt eigentlich Windeln wechseln auf Englisch? Wobei es umgekehrt mit den Deutschkenntnissen der meisten Australier nicht weit her sei: "Die sagen, sie könnten Deutsch wenn sie bis 20 zählen können." Kristina Wehrmann betreute die drei Kinder einer wohlhabenden Mittelstandsfamilie, ein fünfjähriges Mädchen, zwei zweijährige Zwillinge: "Das war völlig unkompliziert." Wirklich kennengelernt habe sie Australien erst bei ihrer Rucksacktour durch das Outback von Alice Springs bis zum Great Barrier Reef. Wichtige Erkenntnis: Eine Schlangen- oder Spinnenphobie sollte man als Australienreisender nicht haben. Im Outback fällt manchmal ein Jahr lang kein Regen, doch ausgerechnet als sie zum Ayers Rock unterwegs war, goss es in Strömen, der Bus blieb im Schlamm stecken. "Wir haben auf einer Schaffarmübernachtet, draußen auf der Terrasse und wurden von Kröten und Kakerlaken belagert." Dafür habe es am nächsten Tag ein köstliches Barbecue gegeben. Wie überall in Australien - gegrillt wird immer, meist auf einem Gasgrill: viel Fisch und riesige Steaks. Ein Viehtransporter hat den Bus später aus dem Schlamm gezogen. Der Uluru, wie die Aborigines sagen oder Ayers Rock liegt mit seinen 348 Metern Höhe und 9 Kilometern Umfang fast in der Mitte des Kontinents. Dass Touristen das Heiligtum mit Füßen treten, stört nach Aborigines-Glauben die Spiritualität des Ortes erheblich - das habe sie tatsächlich gespürt, erzählt Kristina Wehrmann und sei nicht auf dem Berg herumgeklettert. Ist es als junge Frau nicht gefährlich, allein als Rucksacktourist zu reisen? Man bleibt nicht lang allein, lacht Kristina Wehrmann, Australien ist Backpacker-Land schlechthin und in Hotels zu übernachten sei kein Problem. Und Sydney, sagt sie, ist die coolste Stadt der Welt, Multikulti, mit großen Parks, exotischen Vierteln und drei Stränden. Und Surfen ist Volkssport: Wird Haialarm gegeben, springen nur die Touristen aus dem Wasser, die Australier surfen weiter. Surfanfänger nennt man "shark-biscuits" (Haifutter). Bei einer Wanderung habe ihr ein australischer Freund eine kleine, unscheinbare braune Schlange gezeigt - hinterher habe sie gelesen, das ist die giftigste der Welt, ein Biss absolut tödlich. "Die Australier sehen das locker." Für Wanderungen im Regenwald gebe es die Regel: Immer an erster Stelle, nie an dritter gehen. Denn den ersten wird die Schlange nicht beißen, da erschreckt sie sich nur, beißen wird sie den dritten. Einen Riesenrespekt hätten die Australier dagegen vor der Würfelqualle. Eine Berührung mit deren meterlangen Tentakeln kann einen qualvollen Tod bedeuten: "In den drei Monaten, in denen die Quallen in großen Schwärmen vor der Küste sind, geht niemand ins Wasser - höchstens Touristen." Lernen müsse man allerdings, dass die Australier zwar sehr herzlich sind, aber Bekanntschaften - anders als in Deutschland - eher flüchtig. Da fragt die Verkäuferin an der Kasse "was machst du heute Abend" - was eher als Höflichkeitsgeste, denn echtes Interesse interpretiert werden sollte. Der witzigste Job während ihres Studiums an der Universität sei ein Engagement bei Ikea gewesen für eine fünfwöchige Eröffnung des neuen Möbelmarktes in Sydney. Man habe sie und andere junge Frauen engagiert, die aussahen wie sich Australier Schwedinnen vorstellen: Schlank und vor allem blond. "Wir haben Schokolade an die Kunden verteilt und den Leuten das System Ikea erklärt. Dass man die ausgestellte Ware als Muster nur anschaut, aber nicht mitnimmt, sondern vom Lager abholt, kannten die nicht. Die nahmen gleich die Bilder und Regale von der Wand." Mit ihrem Australien-Virus hat Kristina Wehrmann inzwischen auch schon Freunde infiziert - die darüber nachdenken nach Down Under zu gehen und dort zu arbeiten. Sie kann das nur empfehlen: "Für Lehrer, Bauarbeiter und Krankenschwestern, die werden dort gesucht - kein Problem." (Die Schildkröte hat übrigens Kristina Wehrmann beim Tauchen fotografiert.)




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