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"BI Con": Verdacht auf Salamitaktik und Etikettenschwindel / Studie: Container unwirtschaftlich

"Hafen-Planer arbeiten mit Augenwischerei"

Cammer (bus). Die in Cammer angesiedelte Bürgerinitiative Containerhafen (BI Con) wirft den Verfechtern des an der Landesgrenze von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen geplanten Containerterminals Augenwischerei vor. In einer Pressemitteilung, mit der die Initiative auf jüngste Veröffentlichungen in regionalen Tageszeitungen reagiert,findet der Vorwurf im Zusammenhang mit den Stichpunkten "Renaturierung der Bückeburger Aue" und "Anlage von breiten Grünstreifen" Verwendung. "Die Aue befindet sich heutzutage in ihrem natürlichen Flussbett und um sie herum ist sowieso alles grün", heißt es in der Mittei lung.

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Auch bei der Bezeichnung des Vorhabens, schreibt die BI Con, handele es sich um Augenwischerei. Inzwischen sei aus der ursprünglich angekündigten "Erweiterung des Containerterminals" ein "Regio-Port" geworden. Der Verdacht auf Salamitaktik und damit auf von Anfang an vorgesehenem Etikettenschwindel dränge sich allmählich immer mehr auf. Nach Auffassung der Initiative ebenfalls Augenwischerei: Die Verneinung von Nutzungskonflikten mit Wohngebieten. Weil der Containerumschlag nur direkt am Mittellandkanal möglich sei, könnten sich Unternehmen nur in Richtung Osten oder Norden ansiedeln. In beiden Fällen ginge es näher an Cammer heran, stellen die Verfasser fest und fragen in diesem Zusammenhang "warum passensogenannte hafenaffine Unternehmen partout nicht in das unmittelbar benachbarte, immer noch halb leere Gewerbegebiet in Minden-Päpinghausen?" Zu der in Zeitungsartikeln veröffentlichten Zunahme des Containerumschlags im Mindener Hafen um 30 Prozent nimmt die BI Con wie folgt Stellung: "Das klingt zunächst sehr beeindruckend, relativiert sich aber schnell bei Betrachtung der absoluten Zahlen, nämlich von rund 21 000 auf rund 29 000 Stück. Dabei ist zu beachten, dass es sich hierbei nicht um echte Stückzahlen handelt, sondern um die international gebräuchliche kleinste Containereinheit "TEU", das ist ein Container mit einer Länge von 20 Fuß. Ein 40-Fuß-Container bedeutet also zwei TEU. Daraus folgt, dass die eigentliche Stückzahl um deutlich weniger als 30 Prozent gestiegen ist." Die Häfen Hamburg und Bremen/Bremerhaven, vermutet die Initiative, "würden über die in Minden zu verzeichnende Steigerung der TEU-Zahl um sieben bis acht Tausend nur müde lächeln". Abschließend fordert die Mitteilung die "Mindener Hafen GmbH und die mit ihr verbandelten Mandatsträger, Amtsträger und Lobbyisten" auf, "endlich einmal fairerweise deutlich und öffentlich mitzuteilen, worum es ihnen letztendlich geht". Das würde, bedeuten die Verfasser, einer offenen und vertrauensvollen Auseinandersetzung mit den beiderseitigen Argumenten sehr dienlich sein. Gleichzeitig macht die BI Con auf eine im Oktober 2007 veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) zur Entwicklung des Seehafen-Hinterlandverkehrs aufmerksam. Die im Internet unter der Adresse www.bag.bund.de abrufbare Untersuchung attestiert Containerbeförderungen auf Weser, Elbe und dem Kanalgebiet zwischen Bremen, Hamburg und Hannover Unwirtschaftlichkeit - "...können in der Regel kein wirtschaftlich ausreichendes Entgelt erzie- len". "Eine Beförderung durch Binnenschiffe oder im kombinierten Verkehr", erläutert das Bundesamt, "ist bei Entfernungen von weniger als 300 Kilometer nicht wirt- schaftlich." Bezug nehmend auf diese Aussage ruft die Initiative die Entfernung zwischen Hamburg und Minden (210 Kilometer) sowie Bremen und Minden (100 Kilometer) in Erinnerung. Aufgrund der Unwirtschaftlichkeit der Containerbeförderung per Binnenschiff sei eine Entlastung der übrigen Verkehrsträger (Bahn, LKW) durch vermehrten Binnenschifftransport wenig realistisch, prognostiziert das BAG. Angesichts der Studien-Ergebnisse stellt sich für die Bürgerinitiative Containerhafen die Frage, "worauf sich die prognostizierte positive Geschäftsentwicklung des Regio-Ports Minden stützt und wie verlässlich die Prognose ist".



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