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76-Jährige vergisst, Ausweis verlängern zu lassen: Stadt unterstellt Vorsatz und verhängt Bußgeld

„Haben die nichts Besseres zu tun?“

Bad Münder (mf). Wie eine Kriminelle fühlt sich Christa Both behandelt. „Dabei habe ich doch gar nichts gemacht“, beteuert die 76-Jährige und schüttelt noch immer fassungslos den Kopf. Doch eben genau das ist der Hamelspringerin zum Verhängnis geworden. Weil sie vergessen hat, ihren Personalausweis rechtzeitig verlängern zu lassen, wurde sie wegen einer „vorsätzlichen Ordnungswidrigkeit“ zu einem Bußgeld in Höhe von 43,50 Euro verdonnert.

Sie kann es nicht fassen: Christa Both (76) aus Hamelspringe mit dem Bußgeldbescheid, den ihr der Fachdienst Ordnungswesen zuges

Ende April erfuhr die Rentnerin aus einem Schreiben der Stadtverwaltung, dass gegen sie ermittelt wird. Ihr Personalausweis und ihr Reisepass seien bereits am 22. März 2010 abgelaufen. Trotz einer Aufforderung vom 7. Dezember vergangenen Jahres habe sie nichts unternommen, heißt es in dem Anhörungsbogen. „Ich war völlig perplex“, berichtet Both. Weil ich aufgrund einer Gehbehinderung nicht mehr in den Urlaub fahren kann, habe ich die Papiere ewig nicht mehr in der Hand gehabt und völlig vergessen, das Ablaufdatum zu kontrollieren.“ Dass die Stadt sie knapp fünf Monate vorher daran erinnert haben will, bestreitet sie aber energisch. „Ich habe nie Post in der Sache bekommen. Sonst hätte ich mich doch damals schon gleich darum gekümmert.“

Both fuhr bei nächster Gelegenheit zur Stadt, um die Sache aus der Welt zu schaffen, wie sie sagt. Vom Servicebüro habe man sie dann weiter geschickt zum zuständigen Fachdienstleiter Uwe Matthies. „Da musste ich mir einiges anhören“, erzählt Both. Matthies, mit dem sie einige Zeit zuvor bereits wegen eines Bagatell-Verkehrsverstoßes aneinandergeraten sei, habe ihr heftige Vorwürfe gemacht und angekündigt, 20 Euro Bußgeld zu verhängen. Um weiterem Ärger aus dem Weg zu gehen, habe sie sich bereit erklärt, dies noch an Ort und Stelle zu bezahlen. Der Amtsleiter habe jedoch ausgesprochen barsch zu verstehen gegeben, dass er kein Bargeld annehmen könne und sie auf eine schriftliche Zahlungsaufforderung warten müsse, so die Rentnerin.

Etwa zwei Monate passierte nichts. „Ich dachte schon, die Sache sei erledigt, schließlich hatte ich ja brav einen neuen Ausweis beantragt, bezahlt und erhalten“, erzählt Both. Mit Datum vom 7. Juli flatterte ihr dann ein dreiseitiger Bußgeldbescheid ins Haus – per förmlicher Zustellungsurkunde. 20 Euro Bußgeld zuzüglich Auslagen wurden darin gefordert – unterm Strich 43,50 Euro. Die 76-Jährige musste erst einmal tief Luft holen: „Bei meiner kleinen Rente ist das für mich eine Menge Geld.“

Was sie aber am meisten ärgert: Die Verwaltung beschuldigt sie, „vorsätzlich“ eine Ordnungswidrigkeit begangen zu haben. Für Both eine Frechheit. Sie versteht die Welt nicht mehr: „Haben die bei der Stadt nichts Besseres zu tun?“ Sie sei in Hamelspringe geboren, nie von dort weggezogen. Der Ausweis habe folglich keine große Bedeutung für sie gehabt. Ich habe einfach nicht gewusst, dass man einen gültigen Pass haben muss. Das wird vielen anderen älteren Menschen auch so gehen“, glaubt sie.

„Grundsätzlich besteht aber eine solche Pflicht“, sagt Verwaltungssprecher Heiko Knigge auf Anfrage. Er räumt allerdings auch ein: „Ein Ordnungswidrigkeitenverfahren kann eingestellt werden, wenn es berechtigte Gründe gibt.“ Warum dies bei Christa Both nicht geschehen ist, weiß offenbar nur der Fachdienstleiter. Der allerdings befindet sich derzeit im Urlaub.



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