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Kurs "Darstellendes Spiel" glänzt mit Szenen des Dramatikers Georg Büchner

Gymnasiasten bieten mit ihrer "Büchner-Revue" großes Theater

Bückeburg. Marktstimmung, kreischende Frauen und pulsierende Musik - dann werden sechs Verurteilte auf die Bühne geführt und unter dem Jubel des Pöbels geköpft - so endet Georg Büchners "Dantons Tod", und so begann die "Büchner-Revue", die jetzt im Forum des Gymnasiums Adolfinum uraufgeführt worden ist.

Ein eloquenter Conférencier (Sascha Kullak) führte durch das vom Kurs "Darstellendes Spiel" zusammengestellte Programm. So war zum Beispiel die Doktorszene aus "Woyzeck" zu sehen mit einem brillanten Jörg Schlarb in der Titelrolle, dem man den naiv-devoten Woyzeck voll und ganz abnahm. Aber auch die Doppelbesetzung des Doktors mit C. Balke/D. Kharlamovüberzeugte. Mit greifbarer Menschenverachtung traten sie dem "Subjekt Woyzeck" entgegen. Ebenfallsüberragend wurde Büchner selbst präsentiert (Doppelbesetzung: J. Floeth/ F. Sittaro), ob im fiebertraumatischen Streitgespräch mit Friedrich Schiller (N. Brehmeier/F. Hempelmann) oder im Talk mit Alfred Biolek (Spielleiter R. Pommerening). Die beiden Schauspieler vermochten es, dem Schriftsteller Leben einzuhauchen und seine Ideale voll Herzblut auf die Bühne zu bringen. Der Streit Büchners mit seiner Verlobten Minna (H. Massow/ F. von Kleist) zeigte den begeisterten Zuschauern, wie tief Büchner in seinem Kampf gegen die Obrigkeit verwurzelt war - absolut kompromisslos und radikal. Phasenweise zeigten die jungen Eleven wirklich großes Theater: Eine pointierte Dialogdichte, überraschende Effekte (so regnete beispielsweise der "Hessische Landbote" auf das Publikum herab) und überzeugende Mimik sorgten für eine höchst konzentrierte Atmosphäre. Ein weiteres Glanzlicht setzten die Szenen, die der Kurs nach der Novelle "Lenz" gestaltet hatte. In ihnen verkörperte Tim Suchland sehr ausdrucksstark und gleichzeitig bedrückend den vom Wahnsinn erfassten Lenz. Alles in allem lieferten die Schüler als Darsteller sehr überzeugende Aufführungen, in denen das funktionale Bühnenbild das Augenmerk der Zuschauer immer wieder auf die Akteure, die Dialoge und das facettenreiche Werk Büchners lenkte. So würdigte Schulleiter Heinz-Ulrich Gosemann nach der Premiere mit wohl gewählten Worten die Leistung des Kurses und wünschte den Schülern alles Gute für ihr bevorstehendes Abitur. Einziger Wermutstropfen war die spärliche Besucherzahl am ersten Abend.




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