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Würz- und Heilpflanzen zu nutzen bedeutet, sie über die Klinge springen zu lassen

Guter Schnitt bei Kräutern

Blühen lassen oder schneiden? In puncto Würzkräuter und Heilpflanzen steht diese Frage immer wieder zur Diskussion.

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Autor:

Jean LeGrand

Aus kulinarischer Sicht und im Hinblick auf gesundheitliche Aspekte ist der richtige Schnitt vor der Blütenbildung ein richtiger Schritt, denn nur wer Kräuterpflanzen in der Küche für kulinarische Zwecke und außerdem für Tees, Salben und Tinkturen einzusetzen pflegt, hat auch die Gewissheit, ihre Würz- und Heilkraft bestmöglich nutzen zu können. Mit der Knospenbildung geraten die meisten Kräuter an den höchsten Stand ihrer Würz- und Heilkraft. Der Gehalt der ätherischen Öle ist dann auch am höchsten. Mit Entfaltung der Blüten sinken die Bestandteile in den Blättern. Folge: Die Heilkräuter verlieren an Aroma und fahren auch ihre heilende Wirkung zurück. Denn rein logisch betrachtet hat die Pflanze ihr Ziel erreicht: Sie blüht und wird in der Folge Samen ausbilden können, die ihre Vermehrung und also ihr Überleben sichern.

Der Ysop ist eine von wenigen Ausnahmen

Es gibt Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Der Ysop (Hyssopus officinalis) erreicht sein bestes Aroma tatsächlich erst dann, wenn er blüht. Ansonsten aber gilt: rechtzeitig schneiden, um Kräuter auch bestmöglich zu nutzen. Erfahrene Gärtner haben damit kein Problem. Es ist eher die Verspieltheit der Unerfahrenen, es ist die fehlende Chuzpe, die sie daran hindert, handbreit über dem Boden Pflanzen zu schneiden, die noch nicht zu ihrem blühenden Höhepunkt gelangt sind. Doch der Höhepunkt bei Kräutern ist aus nutzgärtlicher Sicht eben nicht die Blüte, sondern die Dosis der heilenden Kraft.

Schwierig allemal, das ist bekannt. Wer vermag schon auf die wundervolle Blütenpracht der Zitronen-Melisse (Melissa officinalis) verzichten zu wollen, wo sie doch dann wie ein Hummel- und Bienenmagnet wirkt? Wer will sich nicht am duftenden Flor des Zitronen-Thymians (Thymus × citriodorus) erfreuen? Wer kann schon von sich behaupten, die farbige Hoch-Zeit des Salbeis (Salvia officinalis) nicht besonders attraktiv zu finden? Aus dem Dilemma, den Gesundheitswert und die Schönheit solcher Pflanzen auf einen Nenner zu bringen, gibt es nur eine Antwort: mehreren Pflanzen pflanzen! Dann lässt man die einen blühen und die anderen werden geschnitten.

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  • Grün, grün, grün: Solange die Marokkanische Minze (Mentha spicata v. crispa) nicht blüht, ist ihr Aroma sehr gut. Foto: ey

Der Schnitt ist einfach: handbreit über dem Boden. Es dauert kaum fünf Tage, dann werden sie neu austreiben. Und es dauert keinen Monat lang, um die frischen, neuen, zarten Blätter erneut nutzen zu können für allerlei kulinarische Verführungen und heilende Tees. Bei manchen Kräutern lässt sich dieser Vorgang sogar bis zu dreimal pro Jahr wiederholen – je nach Witterung.



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